Vor 25 Jahren brachte Steven Spielberg "Jurassic Park" in die Kinos und schuf einen Meilenstein in Sachen Spezialeffekte. Nun erscheint der bereits fünfte Teil des Dino-Franchise - geht aber einen anderen Weg als seine Vorgänger.

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Der Vulkan grollt bedrohlich, als er Lava und glühende Felsbrocken speit. Dann bricht das Chaos los. Hunderte von Dinosauriern fliehen panisch vor Rauch und Feuer. Mittendrin läuft Dino-Trainer Owen Grady (Chris Pratt) um sein Leben. Es ist die wohl spektakulärste Szene in dem US-Abenteuerthriller "Jurassic World: Das gefallene Königreich" - vielleicht sogar der gesamten Filmreihe.

Der Spanier J. A. Bayona ("Das Waisenhaus"), bisher eher bekannt für kunstvoll-dramatisches Kino als für Hollywood-Blockbuster, übernahm dieses Mal die Regie. Das kreative letzte Wort hatte aber nach wie vor Altmeister Steven Spielberg.

Nach der atemberaubenden Anfangssequenz tritt Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) erstmals in Erscheinung. Weil der Vulkan auf der Dino-Insel Isla Nublar auszubrechen droht, kämpft die ehemalige Parkmanagerin mit Aktivisten um Fördermittel für ihre Rettung. Möglichst viele Dinosaurier sollen in ein Schutzgebiet auf dem Festland transportiert werden.

Der zwielichtige Eli Mills (Rafe Spall) hat allerdings andere Pläne. Die Dinos sollen als Waffen an Unterwelt-Größen und korrupte Staatschefs aus aller Welt versteigert werden. Natürlich hält es sie nicht lange in ihren engen Käfigen ...

Weniger Tempo, mehr Spannung

Der Regisseur nimmt bald nach Filmbeginn das Tempo raus und setzt auf subtilere Spannung. Anstelle bombastischer Massenszenen zeigt Bayona klassische Verfolgungsjagden - ähnlich wie in der berühmten Szene aus dem ersten "Jurassic Park"-Film, in dem sich die Kinder in der Restaurant-Küche vor Velociraptoren verstecken.

Zu oft strapaziert Bayona aber auch die Grenzen des Logischen, indem er die Situationen auf ausweglose Höhepunkte treibt, aus denen es dann überraschend doch einen Ausweg gibt. Dass sich die Helden oft absurd irrational und inkonsequent verhalten, schadet der Spannung auch ein wenig.

Exklusiv: "Jurassic World: Das gefallene Königreich"

Die Stars aus "Jurassic World: Das gefallene Königreich" nehmen Sie mit hinter die Kulissen und erklären, warum der neueste Film aus der Dino-Reihe noch besser ist als seine Vorgänger. Ab dem 6. Juni im Kino.,

Hingegen zieht der 43-Jährige bei den Unterwasser-Szenen und beim Showdown alle Register seines Könnens. Er spielt mit Lichteffekten und veredelt seinen Film mit kunstvollen Einstellungen, die man schon aus anderen Werken von Bayona kennt. Kenner dürften sich an "Das Waisenhaus" oder "Sieben Minuten nach Mitternacht" erinnert fühlen.

Zu brutal? Kritik nach Vorpremiere

Nach der Vorab-Premiere in Madrid gab es vereinzelt Kritik, der Film sei ungewöhnlich brutal. Zu Unrecht. Wie in den Vorgängerfilmen landen natürlich auch bei "Jurassic World: Das gefallene Königreich" einige Menschen im Maul eines Dinosauriers. Besonders blutig ist der Film aber nicht. Im Gegenteil, tatsächlich fließt kaum Blut.

Und vor allem zum Ende wirkt der Film mitunter etwas unbefriedigend. Zu oft deutet er nur an, was sein könnte und hoffentlich im letzten Teil der Trilogie kommen wird.

Der wird 2021 in die Kinos kommen; wieder wird Colin Trevorrow Regie führen. Auch eine Szene nach dem Abspann deutet bereits daraufhin. Dass "Jurassic World: Das gefallene Königreich" als Übergangsfilm konzipiert wurde - dazu mit einer gewissermaßen umgekehrten Dramaturgie - ist der größte Kritikpunkt. Bayona gibt selbst zu, dass die spektakuläre erste Hälfte in anderen Filmen der große Showdown gewesen wäre.

Zum Beispiel war schon im Trailer zu sehen, wie sich der Mosasaurus einer Gruppe von Surfern nähert. Bei vielen Fans war die Vorfreude groß. Doch im fertigen Film ist die Szene kaum länger. Jeff Goldblum, der als Dr. Ian Malcolm in seine Rolle aus den ersten beiden "Jurassic Park"-Abenteuern zurückkehrt und im Trailer prominent vertreten war, tritt nur am Rande in Erscheinung.

So kann "Jurassic World: Das gefallene Königreich" mit seinem Vorgänger nicht ganz mithalten und wirkt mitunter nur wie ein Vorgeschmack auf den nächsten Film. Immerhin, als solcher ist er sehr unterhaltsam. (dh/dpa)