Die Oscars 2017 waren so politisch wie nie, der neue US-Präsident allgegenwärtig. Derbe Seitenhiebe auf der Bühne, Verzichtserklärungen von Oscar-Preisträgern und deutliche Statements der Promis - Hollywood zeigte Flagge gegen Donald Trump. Der große Knall blieb jedoch aus.

Jimmy Kimmel scherzt zum Auftakt über Trump

"Ich möchte mich bei Präsident Trump bedanken", sagte Moderator Jimmy Kimmel beim Auftakt der 89. Oscarverleihung, "Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als jeder gesagt hat, dass die Oscars rassistisch seien?"

Im vergangenen Jahr gab es viel Kritik an fehlenden schwarzen Nominierten. Dieses Jahr sei das anders. "Die Schwarzen haben die NASA gerettet, die Weißen Jazz, das nennt man Fortschritt", sagte er in Anspielung auf einige der nominierten Filme.

"Diese Übertragung wird von Millionen Amerikanern geschaut und in mehr als 225 Ländern - die uns nun alle hassen."

Die von Trump als "absolut überbewertet" bezeichnete Meryl Streep begrüßte Kimmel mit einem besonderen Applaus. Die anwesenden Stars gaben ihr spontan stehende Ovationen. Kimmels Frage "Tolles Kleid, trägst du Ivanka?", ging dabei beinahe unter.

Live-Tweet an Trump

Den Siegern riet Kimmel, sich zu freuen - schließlich bekämen sie die Chance, dass US-Präsident Donald Trump "in Großbuchstaben über sie twittert, wenn er morgen früh um 5 Uhr Verdauungsprobleme hat".

Die Enttäuschung, dass Donald Trump während der Oscar-Verleihung nichts getwittert hatte, war bei dem Oscar-Moderator groß. Also fragte er beim US-Präsidenten nach, was denn los sei - und schickte ihm live in der Sendung eine Nachricht:

Oscar-Sieger Farhadi: Trump "schafft Angst"

Der iranische Regisseur Ashgar Farhadi hat seinen Oscar für den besten fremdsprachigen Film aus Protest gegen Donald Trump nicht persönlich entgegengenommen.

"Meine Abwesenheit geschieht aus Respekt vor den Einwohnern meines Landes und den sechs anderen Ländern, denen durch den unmenschlichen Einreisestopp in die USA Verachtung entgegen gebracht wird", ließ Farhadi durch eine Vertreterin verlesen. Dem Regisseur hatte sich auch die Hauptdarstellerin seines Films "The Salesman", Taraneh Alidoosti, angeschlossen.

Trumps Einreisestopp für sieben vorwiegend muslimische Länder war von einem US-Gericht vorerst gestoppt, der US-Präsident will aber daran festhalten.

"Wer die Welt in Kategorien von 'Wir' und 'unsere Feinde' einteilt, schafft Angst", sagte die Vertreterin weiter. Filmemacher kreierten Empathie zwischen uns und anderen, eine Empathie, die wir heute mehr denn je bräuchten.

Zuvor hatten bereits alle fünf nominierten Regisseure, darunter auch die glücklose deutsche Maren Ade, in einem gemeinsamen Brief das "faschistische und nationalistische Klima, das wir derzeit in den USA erleben", verurteilt.

Blaue Schleifen für Meinungsfreiheit

So glamourös die Roben und Smokings in diesem Jahr auch waren, so auffällig war eine kleine modische Änderung: Einige Oscar-Gäste hatten sich kleine blaue Schleifen ans Outfit geheftet - als politisches Statement. Sie standen für Meinungsfreiheit und gegen Kontrolle und Zensur im Internet.

Initiiert wurde die Aktion von der amerikanische Bürgerrechtsunion ACLU, die damit gegen Donald Trumps Einreiseverbot und Einschränkungen der Pressefreiheit demonstriert. Gesichtet wurde das blaue Schleifchen unter anderem bei Ruth Negga, nominiert als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in "Loving".

Trump-Kritik zwischen den Zeilen

Auch zwischen den Zeilen wurden Seitenhiebe gegen US-Präsident Trump verteilt: Ein Sieger der Makeup-Kategorie erklärte, dass er auch ein Immigrant sei, die Macher der siegreichen Doku über O.J. Simpson widmeten ihren Preis den Opfern von Polizeigewalt. Schauspieler Gael Garcia Bernal gab zu Protokoll, dass auch er ein Gastarbeiter sei und Grenzen generell verachte.

Während eines Songs von Sting wurde ein Zitat des 2014 in Syrien getöteten Journalisten James Foley eingeblendet: "Wenn ich nicht die moralische Kraft besäße, Autoritäten in Frage zu stellen ... dann haben wir keinen Journalismus." Trotz vieler Spitzen und Anspielungen auf Donald Trump: In den Dankesreden blieb die große Politshow aus.

(ncs/dpa)  © dpa