So viel ist sicher: Das 90. Oscar-Jubiläum steht ganz im Zeichen von Vielfalt, der #metoo- und #timesup-Bewegung und dem Ruf nach Gleichstellung. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Academy Awards zur politischen Bühne werden.

Mehr Infos und News zu den Oscars 2018

Frauen und Afroamerikaner wurden in der langen Oscar-Geschichte oft übergangen. Doch 2018, im Jahr der 90. Academy Awards, wird es wohl nicht wieder die Show der weißen Männer werden.

Das verrät schon ein Blick auf die Liste der Nominierten und der Gäste: Frauen und Vielfalt geben den Ton an.

Kampfansage gegen Diskriminierung

Die Golden-Globe-Gala und die Baftas haben es bereits vorgemacht: Die Globe-Verleihung im Januar war eine leidenschaftliche Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligung. Der Schlachtruf "Time's Up" (deutsch: "Die Zeit ist um") wurde zum Slogan der Show, die Preise gingen an Filme mit starken Frauenrollen und einer politischen Botschaft.

Statt Farbe und Glitter trugen die Promis Schwarz, solidarisch als Protest gegen Missbrauch. Auch bei den britischen Bafta-Preisen Mitte Februar stachen schwarze Roben und kämpferische Reden hervor.

Auch Globe-Moderator Seth Meyers ging in seiner Eröffnungsrede mit schwarzem Humor auf die aktuelle Sexismus-Debatte in Hollywood ein. Man darf gespannt sein, wie der bissige US-Komiker und Oscar-Gastgeber Jimmy Kimmel mit dem Thema umgehen wird - und wie deutlich die Reden der Preisträger ausfallen werden.

Legendäre Proteste bei den Oscars

Doch wie viel Politik passt in eine 45-sekündige Rede? Sehr viel, wenn man Hollywood-Star ist und die halbe Welt zuschaut.

Eigentlich sind die Academy Awards eine unpolitische Veranstaltung – so steht es zumindest in den Statuten. Allerdings hielten sich in der Vergangenheit nicht alle Stars an diese ungeschriebene Regel. Immer wieder wird die Preisverleihung zur Bühne für Proteste und Statements. Hier kommen vier legendäre Beispiele.

2003: Michael Moores legendäre Anti-Bush-Rede

Als der Dokumentarfilmer Michael Moore im März 2003 einen Oscar für "Bowling for Columbine" gewann, führten die USA seit drei Tagen Krieg gegen den Irak.

Auf der Bühne angekommen, dankte Moore kurz seiner Crew - und ging dann zum Angriff auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush über. "Wir sind gegen diesen Krieg, Mister Bush!", rief er unter Applaus und Buh-Rufen ins Mikro. "Schande über Sie, Mister. Bush! Ihre Zeit ist abgelaufen!" Seine Rede ist bis heute legendär:


1993: Richard Gere vs. China

Bei der Oscar-Verleihung 1993 versuchte sich Richard Gere als Konfliktlöser. Nicht als Preisträger, sondern als Preisverleiher war er auf die Bühne gekommen.

Noch bevor er die Nominierten verkündete, richtete er sich an die chinesische Staatsführung: "Ich frage mich, ob hier nicht etwas Wundersames, wirklich Filmreifes passieren könnte" - dass nämlich China seine Truppen aus Tibet abzieht.

Gere konnte zwar Herzen bewegen, aber offenbar keine Soldaten.


1978: Vanessa Redgrave und die "zionistischen Strolche"

Vanessa Redgraves Darstellung einer jüdischen Widerstandskämpferin war der Academy 1978 den Preis für die beste Nebenrolle wert. Auf der politischen Bühne engagierte sich die Schauspielerin allerdings für die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO.

Vor der Preisverleihung wurden sie und die Akademie deshalb von jüdischen Extremisten bedroht. In ihrer Rede dankte Redgrave der Oscar-Jury dafür, dass sie sich "von den Drohungen eines kleinen Haufens zionistischer Strolche nicht hat einschüchtern lassen".

Im Publikum wurde sowohl gebuht als auch applaudiert.


1973: Marlon Brando und Sacheen Littlefeather

Für seine Darstellung des "Paten" sollte Marlon Brando 1973 einen Oscar bekommen. Doch war er nirgends im Saal zu sehen.

Stattdessen schickte er die indianische Aktivistin Sacheen Littlefeather mit seiner Botschaft auf die Bühne. "Preise sollten in diesem Land nicht entgegengenommen werden, bis sich die Lebensbedingungen der amerikanischen Indianer drastisch verbessert haben", hieß es darin.


(jwo, mit Material von dpa)