Remakes die Geschichte schrieben: Diese Filmperlen gab es schon

Remakes: Für Filmstudios sind sie eine attraktive Investition. Unter Cineasten gelten sie hingegen oft als Geldmacherei zulasten von kreativen Inhalten. Aber hätten Sie gewusst, dass wir einige der größten Klassiker der Filmgeschichte dem Recycling von bereits verfilmten Stoffen verdanken?

Als "Remake" versteht man im Film-Jargon die Neuverfilmung eines bereits zuvor auf Celluloid gebannten Stoffes. Für Hollywood und die Filmstudios stellen solche Filme eine relativ sichere Investition dar. Zum einen, weil man anhand des Erfolgs des Vorgängers die Beliebtheit des Stoffes einschätzen und zum anderen, weil man auf die Fans des Originals als potenzielle Zuschauer setzen kann.
Unter Filmfans genießen die wiederaufbereiteten Geschichten allerdings nicht unbedingt einen guten Ruf. So lautet ein oft angeführtes Argument gegen Remakes, dass Studios ihrem Publikum immer wieder die gleichen, leicht variierten Filme vorsetzten, anstatt neue Ideen zu entwickeln.
Bestes Beispiel für den Hollywood oftmals unterstellten "Remake-Wahn" ist der Mäusekonzern Disney. Der bringt allein 2019 drei Neuverfilmungen von klassischen Stoffen heraus. So stehen für dieses Jahr Realfilm-Remakes von "Dumbo", "König der Löwen" und "Aladdin" (im Bild zu sehen) auf dem Plan von Disney.
Doch obwohl das Phänomen der "Remakes" in der heutigen Zeit meist kritisch betrachtet wird und oftmals eher mittelmäßige Filme hervorbringt, gibt es Unmengen Beispiele dafür, dass eine Neuverfilmung auch richtig gut werden kann. Selbst unter den größten Klassiker der Filmgeschichte finden sich einige Streifen, die es schon zuvor auf die große Leinwand geschafft haben. Glauben Sie nicht? In unserer Bildergalerie liefern wir Ihnen die Beweise dafür.
"Say hello to my little friend" (zu Deutsch: "Sag Hallo zu meinem kleine Freund") brüllt Al Pacino, bevor er in "Scarface" von 1983 mittels eines Gewehrs eine Granate auf seine Feinde abfeuert. Mit der Geschichte um den kubanischen Immigranten Tony Montana, der in Miami zum Drogenbaron und Gangsterboss aufsteigt, schuf Regisseur Brian de Palma einen Meilenstein des modernen Kinos.
Und das obwohl es sich bei "Scarface" um ein Remake handelt. Das Original stammt aus dem Jahr 1932, hört auf denselben Namen und wurde von Howard Hawks inszeniert. Allerdings weist de Palmas Werk signifikante Unterschiede zu seiner Vorlage auf.
So spielt Hawks Werk beispielsweise nicht im Miami der 80er-Jahre sondern in Chicago zur Zeit der Prohibition. Zudem heißt der von Paul Muni (rechts) gespielte Tony darin Camonte statt Montana und ist auch kein kubanischer Einwanderer.
1982 ließ John Carpenter "Das Ding aus einer anderen Welt" auf die Zuschauer los und schuf damit einen Klassiker im Body-Horror-Genre. Darin muss die Besatzung einer Forschungsstation in der Antarktis gegen eine außerirdische Lebensform um ihr Überleben kämpfen.
Die Geschichte beruht auf einer Erzählung, die bereits 1951 verfilmt worden war. In der ersten Verfilmung ist "Das Ding" allerdings leicht als Alien zu erkennen und ähnelt in seiner Darstellung eher Frankensteins Monster. Carpenter setzt in seiner Version hingegen auf eine klaustrophobische und durch Misstrauen geprägte Stimmung.
Denn in seinem Remake kann das außerirdische Wesen von den Körpern von Menschen Besitz ergreifen, sich als die jeweilige Person tarnen und seinen Wirt grausam deformieren.
Selbst Regie-Großmeister Alfred Hitchcock hat sich in seiner Karriere bei einem anderen Film bedient. Allerdings kopiert Hitchcock bei "Der Mann, der zuviel wusste" (1956) nur von sich selbst. Denn Hitchcock hatte den Film unter dem gleichen Titel bereits 1934 in England realisiert.
Vor allem bei der Länge werden die Unterschiede zwischen der amerikanischen Version und dem Original sichtbar. Während der Film von 1934 auf 75 Minuten kommt, ist das Remake zwei Stunden lang. Für die amerikanische Version (im Bild zu sehen) wurden zwar einige Szenen aus dem Original übernommen, dafür wurden aber andere Teile des Films weggelassen, neue ergänzt, die Handlungsschauplätze verlegt und Figuren abgeändert.
David Cronebergs "Die Fliege" von 1986 erzählt von einem misslungen Experiment, das dazu führt, dass ein Wissenschaftler (Jeff Goldblum) sich Stück für Stück in das namensgebende Insekt verwandelt. Dabei kombiniert der Film Science Fiction, Horror und dramatische Elemente.
Doch schon damals war die ungewöhnliche Mischung nicht völlig neu. Denn der Film, der auf einer Kurzgeschichte von George Langelaan basiert, wurde bereits 1958 von Kurt Neumann filmisch umgesetzt. Die hier zu sehende Aufnahme stammt aus der Fortsetzung des Originals von 1959. 1965 erhielt der Film sogar noch einen dritten Teil.
Zuletzt sorgte Steven Soderbergh mit zwei vollständig per iPhone gedrehten Filmen ("Unsane – Ausgeliefert" und "High Flying Bird") für Aufmerksamkeit unter Filmfans. Seinen bislang wohl größten kommerziellen Erfolg feierte er hingegen 2001 mit "Ocean's Eleven". Darin betätigen sich George Cloony und Brad Pitt als charmante Diebe, die ein Kasino um über 100 Millionen Dollar erleichtern wollen.
Doch auch diese Geschichte war bereits zuvor auf Celluloid gebannt worden. Das Original von 1960 hört auf den Namen "Frankie und seine Spießgesellen" und wurde von Lewis Milestone inszeniert. Darin übernahm Frank Sinatra (zweiter von links) die im Remake von Cloony verkörperte Rolle des Danny (in Deutschland Frankie) Ocean.
Unterstützung erhielt die Show-Business-Legende dabei von zahlreichen Mitgliedern des "Rat Packs", wie zum Beispiel Dean Martin und Sammy Davis Junior.
Mit "Für eine Handvoll Dollar" schuff Sergio Leone nicht nur einen Filmklassiker, sondern begründete auch das Genre des Italiowestern (oft auch als Spaghettiwestern bezeichnet) und verhalf Hauptdarsteller Clint Eastwood zu seinem Durchbruch.
Offizielle handelt es sich bei "Eine Hand voll Dollar" zwar nicht um eine Neuverfilmung, allerdings bediente sich Leone so offensichtlich bei dem japanischen Samuraifilm "Yojimbo", das dessen Regisseur Akira Kurosawa ihn in einem Brief des Plagiats bezichtigte. Später wurden Kurosawa deswegen auch die Vermarktungsrechte an dem Western für den asiatischen Markt zugesprochen.
1959 kam "Ben Hur" von William Wyler in die Lichtspielhäuser. Das Sandalenepos mit Charlton Heston in der Hauptrolle zeigt nicht nur das wohl berühmteste Wagenrennen der Filmgeschichte, sondern wurde auch mit insgesamt 11 Oscars prämiert. Nur "Titanic" und "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" können da mithalten.