Der erste Stuntman: Wie Buster Keaton das Actionkino erfand

Er sprang auf fahrende Züge, versenkte eine echte Dampflok in einem Fluss und wurde so zur Legende: Buster Keaton war der größte Stuntman der Stummfilmzeit. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Spezialeffekte im heutigen Sinn gab es damals, in den 20er-Jahren, nicht. Jede Actionszene und jeder Stunt waren mitunter gefährliche Handarbeit. Keaton, der hier im Film "Doughboys" (1930) vor der Kamera steht, übernahm dabei fast alle Jobs gleichzeitig: Er konzipierte die Szenen, spielte sie und führte oft auch Regie.
Das sah dann etwa so aus: In dieser Szene läuft Keaton einer fahrenden Straßenbahn hinterher, hält sich am Geländer fest - und wird in die Luft geschleudert. All das ohne Netz oder sonstige Sicherheitsvorkehrungen. Viele seiner Filme gibt es heute in verschiedenen Sammlungen auf DVD zu sehen.
Was auch geschah: Keaton gelang es, keine Miene zu verziehen. Schließlich musste er seinem Image als "Mann, der niemals lacht" gerecht werden.
Keatons Stunts waren kunstvoll choreografierte Meisterwerke. In dieser Szene steht er zunächst zwischen zwei schnell fahrenden Autos.
Von hinten nähert sich ein Motorrad mit hoher Geschwindigkeit und rast auf Keaton zu.
Schließlich ist das Motorrad direkt unter Keaton, der in voller Fahrt aufspringt. Eine Meisterleistung, die perfektes Timing erforderte.
Nicht immer blieb Keaton bei den Stunts unverletzt. So soll er sich beim Dreh dieser Szene aus "Sherlock Jr." den Nacken gebrochen haben, als aus dem Wasserturm, an dem er baumelte, ein Schwall Wasser mit hohem Druck auf ihn niederprasselte.
Und auch sonst sind mehrere Verletzungen überliefert - kein Wunder, bei waghalsigen Szenen wie dieser.
Keatons Stunts machten eine exakte Planung notwendig. In dieser legendären Szene aus dem Film "Steamboat Bill, Jr." (1928) musste Keaton bewegungslos an einem vorher genau festgelegten Platz stehen. Denn die Hausfassade hinter ihm ...
... macht sich plötzlich selbstständig und fällt zu Boden. Durch die einzige Öffnung in der Fassade, ein Fenster ohne Scheibe, ...
... taucht Keaton zum Schluss unversehrt wieder auf. Wäre Keaton nur in paar Zentimeter weiter rechts oder links gestanden, wäre die Fassade auf ihn gestürzt.
Auch das moderne Actionkino nahm Buster Keaton vorweg. In seinem Film "The General" ließ er eine echte Lokomotive, die "Texas", in einen Fluss stürzen. Es war einer der teuersten "Spezialeffekte" der Stummfilmzeit. Erst Jahre später übrigens wurde das Wrack der Lokomotive aus dem Fluss geborgen.
Überhaupt war "The General" voller atemberaubender Stunts. In einer anderen Szene sieht man Keaton, wie er auf Bahngleisen spaziert, nur um wenig später vom Gleisräumer einer Dampflokomotive fast aufgespießt zu werden. Dennoch wurde der Film ein Flop.
Seine spektakulären Filme machten Keaton (links, mit Lew Cody und Jimmy Durante) zum Star und zu einem der bestbezahlten Schauspieler Hollywoods. Legendär waren seine Partys, die er etwa in seiner "land yacht" feierte, einem umgebauten Bus, den er auf dem Studiogelände von MGM parkte.
Zu Beginn der 30er-Jahre, mit dem Aufkommen des Tonfilms, war seine Karriere allerdings vorbei. Denn Keaton, hier mit seiner großen Liebe und langjährigen Ehefrau Eleanor Ruth, hatte eine tiefe Stimme, die einfach nicht zu seiner zerbrechlichen Gestalt passen wollte.
Buster Keaton verfiel dem Alkohol und wurde depressiv. In wenigen Jahren hatte sich der einstige Kinoartist zum körperlichen und psychischen Wrack gewandelt. 1935 ließ sich "The Great Stone Face", wie man ihn nannte, gar in die Psychiatrie einweisen.
Erst Jahre später wurde das Werk Keatons wiederentdeckt. Im Jahr 1959 erhielt er einen Oscar für sein Lebenswerk, Filmfestivals ehrten ihn als lebende Legende des Kinos. Buster Keaton starb 1966 an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung.