Skandal um Harvey Weinstein - eine Chronik der Ereignisse

Kommentare75

Der Skandal um Harvey Weinstein hat eine Sexismus-Debatte weit über die Grenzen Hollywoods ins Rollen gebracht, nach der wohl nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. © top.de

In der "New York Times" haben Schauspielerinnen und Models schwere Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Filmmogul Harvey Weinstein erhoben.
Die Vorwürfe kommen von Frauen, die selbst im Rampenlicht stehen - insgesamt sind es 13. Darunter ist die italienische Schauspielerin Asia Argento.
Gwyneth Paltrow berichtet, Weinstein habe sie in den Neunzigern in seinem Hotelzimmer angefasst und in sein Schlafzimmer bewegen wollen.
Auch Angelina Jolie musste sich den Filmproduzenten in den Neunzigern vom Leib halten, wie sie der "NYT" per Mail bestätigte. Seitdem machte sie einen weiten Bogen um Weinstein-Projekte und warnte andere Frauen vor ihm.
Nach den Enthüllungsberichten von "NYT" und "New Yorker" kommen immer mehr Vorwürfe ans Licht. So klagt auch Supermodel Cara Delevingne Weinstein an, sie in einem Hotelzimmer bedrängt zu haben - er habe sie aufgefordert, vor seinen Augen eine Frau zu küssen.
Auch die französische Schauspielerin Lea Seydoux wurde von Weinstein bedrängt: Er habe sie in ein Hotelzimmer eingeladen und "angesprungen", sagte sie dem "Guardian". Sie habe sich gewalttätig wehren müssen.
Heather Graham berichtet von einem Arbeitstreffen, bei dem Weinstein ihr einige Rollen in seinen nächsten Filmen angeboten habe. Gleichzeitig habe er "erwähnt", so Graham, dass seine Frau nichts dagegen habe, wenn er mit anderen Frauen schliefe. Zu dem Hotelzimmer-Treffen kam sie nie - und Graham bekam keine der Rollen.
Wie solche Hotelzimmer-Treffen ablaufen, kann man sogar in einem Audiomitschnitt hören. Darin bedrängt Weinstein das Model Ambra Battilana äußerst nachdrücklich, mit ihm ins Badezimmer zu gehen.
In der Audioaufnahme sagt er auf Battilanas Frage, warum er ihr am Tag davor an die Brust gegriffen habe, er sei das eben so gewohnt. Lena Dunham schrieb in einem Text für die "NYT", Weinsteins Verhalten sei von seinen Kollegen schweigend abgesegnet worden.
"Charmed"-Darstellerin Rose McGowan gehört zu den Weinstein-Opfern, die den Skandal ins Rollen brachten. Jahrelang hatte sie geschwiegen, ihren Angaben nach sei sie bedroht worden. Weinstein hatte offenbar ein ganzes Netz aus Journalisten, Anwälten und Detektiven, die die Veröffentlichung der Vorwürfe verhindern sollten.
Weinsteins Vergehen sind ein offenes Geheimnis in Hollywood. Schon bei den Oscars 2013 gratulierte Moderator Seth MacFarlane den nominierten Frauen: "Herzlichen Glückwunsch, ihr fünf Frauen müsst nicht länger so tun, als würdet ihr Harvey Weinstein anziehend finden."
Auch Kate Winslet thematisiert im Magazin "Variety" eine Art stille Komplizenschaft durch Weggucken: "Ich hatte gehofft, diese Geschichten wären nur Gerüchte – vielleicht waren sie alle zu naiv."
Das Ausmaß des Skandals schockiert Hollywood nun trotzdem. Viele Stars distanzieren sich öffentlich von Weinstein. George Clooney sagte dem "Daily Beast": "Es ist unverzeihlich." Er hätte so etwas aber niemals mitbekommen.
Das Thema hat sogar schon die US-Politik erreicht: Barack Obama und Hillary Clinton geben sich schockiert und entsetzt.
Georgina Chapman – seit 2007 die Ehefrau von Weinstein – hat nach den Vorwürfen entschieden, sich scheiden zu lassen. Auch sie verurteilte die "unentschuldbaren Handlungen" ihres Mannes.
Das Thema zieht nun abseits von Weinstein immer weitere Kreise. Alyssa Milano rief als Reaktion auf den Skandal die Bewegung #metoo ins Leben. Den Hashtag sollen Frauen posten, die ebenfalls sexuell belästigt oder angegriffen wurden. Gute 24 Stunden später gab es bereits 57.000 #metoo-Tweets.
Eine der vielen #metoo-Reaktionen kam von Evan Rachel Wood. Sie hatte schon 2016 in einem Brief an das "Rolling Stone"-Magazin berichtet, zweimal vergewaltigt worden zu sein.
Auch Jennifer Lawrence teilte auf einer Veranstaltung von "Elle" ihre Erfahrungen mit Hollywood: Sie sollte für eine Rolle in zwei Wochen 15 Pfund abnehmen – zur "Motivation" gab es ein erniedrigendes Fotoshooting mit fünf spindeldürren Frauen. Alle waren nur mit Aufklebern "verhüllt".
Emma Watson arbeitete im Alter von 19 Jahren mit Weinstein zusammen. Auch sie solidarisiert sich mit den Frauen, die den Filmmogul anklagen, und fordert auf Twitter: "Die schlechte Behandlung von Frauen muss aufhören."
Das Problem beschränkt sich aber nicht nur auf Hollywood: In einem "Bunte"-Artikel berichten Schauspielerinnen wie Eva Habermann, Uschi Glas und Birgit Schrowange, dass auch sie am Set schon belästigt worden seien.
Neue Themen
Top Themen