Harvey Weinstein tritt zurück: Der Filmproduzent zieht Konsequenzen aus dem Sex-Skandal um seine Person.

Immer mehr Frauen werfen US-Starproduzent Harvey Weinstein sexuelle Übergriffe vor - jetzt ist der 65-Jährige als Verwaltungsrat seiner eigenen Firma zurückgetreten.

Dies berichteten US-Medien am Dienstag (Ortszeit) und beriefen sich auf eine Stellungnahme der Weinstein Company (TWC).

Eine Woche zuvor hatte die Produktionsfirma Weinstein Company ihren Mitbegründer bereits als Vorstandschef gefeuert. Auch die Oscar-Akademie hatte Weinstein aus ihrem Verband ausgeschlossen.

Der Skandal war nach einem Bericht der "New York Times" ins Rollen gekommen, wonach der einflussreiche Hollywood-Produzent ("Pulp Fiction", "The King's Speech") über Jahrzehnte Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen seiner Firma belästigt und in einigen Fällen missbraucht hat.

Der Zeitung zufolge hielt Weinstein mindestens acht Frauen mit Schweigegeld davon ab, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Weinstein bestreitet, Frauen zum Sex gezwungen zu haben.

Weiterer Rücktritt

Auch der Chef der Amazon Studios, Roy Price, ist im Zuge des Weinstein-Skandals zurückgetreten. Dies bestätigte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Price wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben. Die ausführende Produzentin einer Amazon-Serie hatte Price im Magazin "Hollywood Reporter" vorgeworfen, ihr 2015 in einem Taxi gesagt zu haben, sie werde seinen Penis lieben.

Vor Kollegen auf einer Party habe er außerdem laut "Analsex" in ihr Ohr gesagt. Am 12. Oktober war der 50-Jährige bereits suspendiert worden.

Das zum Onlineriesen Amazon gehörende Filmstudio arbeitete eng mit Hollywood-Mogul Harvey Weinstein zusammen.

Kritik von Rose McGowan

Die US-Schauspielerin Rose McGowan (44, "Death Proof - Todsicher") hatte auch Amazon-Chef Jeff Bezos öffentlich angegriffen: Sie habe Price "wieder und wieder" gesagt, dass "HW" sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe.

Die Initialen HW hatte sie nicht aufgeschlüsselt, allerdings Weinstein in einem früheren Tweet in den Zusammenhang von Vergewaltigungen gerückt.

"Ich rufe Sie dazu auf, Vergewaltiger, mutmaßliche Pädophile und sexuelle Belästiger nicht weiter zu finanzieren", schrieb die 44-Jährige an Bezos.

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Sex-Skandal in Hollywood: Von Harvey Weinstein bis Kevin Spacey - eine Chronik der Ereignisse

Der Skandal um Harvey Weinstein hat eine Sexismus-Debatte weit über die Grenzen Hollywoods ins Rollen gebracht, nach der wohl nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

© dpa