Reihenweise Schauspielerinnen werfen dem Produzenten Harvey Weinstein Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung vor. Fälle aus dem fernen Hollywood, doch sie ziehen Kreise bis nach Deutschland. Model Marie Nasemann berichtet nun von einem Vorfall auf dem Oktoberfest.

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Der Skandal um Hollywoodproduzent Harvey Weinstein wirft auch Fragen auf. Etwa, wie es in der deutschen Filmbranche aussieht. Ist die sogenannte Besetzungscouch hierzulande ein Klischee?

Nein, sagt eine Schauspielerin unter der Hand. So habe sie mitbekommen, dass ein Regisseur Drehtage danach vergebe, ob ihn die Frau sexuell befriedige.

Die Affäre hat mittlerweile einen Hashtag: Unter #MeToo ("Ich auch") kann man lesen, welche Erfahrungen Frauen mit Chauvinismus, Sexismus und Übergriffen gemacht haben.

Die Aktion wurde von der US-Schauspielerin Alyssa Milano gestartet und wird von vielen Frauen in aller Welt aufgegriffen. Milano wollte deutlich machen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt.

Mutiges Statement von Nasemann

"Wenn alle Frauen, die sexuell belästigt oder genötigt wurden, "Me too" als Status schreiben, könnten wir den Menschen das Ausmaß des Problems bewusst machen", erklärte sie.

Das zieht Kreise bis nach Deutschland. Marie Nasemann, Model und Schauspielerin, fasste sich bei Instagram ein Herz: "Unangenehmes Thema, aber #MeToo. Ich war auf dem Oktoberfest, und der Typ griff mir im überfüllten Gang von hinten unters Dirndl zwischen meine Beine. Ich habe mich umgedreht und ihm eine Ohrfeige gegeben und ihn angebrüllt."

Dass viele betroffen sind, machte auch Schauspielerin Jasmin Tabatabai bei Twitter unter "MeToo" deutlich: "Ich kenne keine Frau, bei der das nicht der Fall ist."

Die Schauspielerin Maren Kroymann nennt die Aktion "großartig" und lobt den Mut der Frauen, die Weinsteins Verhalten öffentlich gemacht haben. Sie hat überlegt, ob sie sich äußern will. Das Thema ist heikel, aber Kroymann will anderen Mut machen.

"Steh auf, wir wollen deinen Arsch sehen"

In ihrer Karriere hat die 68-Jährige, die als Feministin bekannt ist, nach eigenen Worten zwar keine körperlichen Übergriffe erlebt, aber Chauvinismus und Sexismus.

So hörte sie Sätze von Regisseuren wie "Steh' mal auf, wir wollen deinen Arsch sehen". Sie habe auch mitbekommen, wie Frauen am Theater sadistisch erniedrigt worden seien.

Kroymanns Rat an die Frauen: "Habt den Mut zu sagen, ich lasse es mir nicht gefallen." Besonders wichtig findet sie, dass sich auch Männer von sexistischen Übergriffen distanzieren. "Man muss als Mann nicht eine Tochter haben, um das zu verurteilen."  © dpa