Wer wurde sexuell belästigt oder angegriffen? Schauspielerin Alyssa Milano stellt angesichts des Skandals um Harvey Weinstein diese Frage auf Twitter - und löst ein enormes Echo aus.

Es sind nur zwei Wörter, doch ihre Wirkung ist enorm: "Me too" - "Ich auch". Im Zuge des Missbrauchsskandals um Hollywood-Mogul Harvey Weinstein werden diese beiden Wörter gerade genutzt, um zu zeigen, wie weit verbreitet sexuelle Übergriffe sind.

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Auslöser ist ein Tweet von US-Schauspielerin Alyssa Milano ("Charmed - Zauberhafte Hexen"). Darin fordert die 44-Jährige: "Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreibe 'me too' als Antwort auf diesen Tweet."


Innerhalb weniger Stunden gab es mehr als 25.000 Antworten an Milano, darunter auch von der neuseeländischen Oscar-Preisträgerin Anna Paquin und "Will and Grace"-Star Debra Messing. Milano schrieb, ein Freund habe sie auf die Idee gebracht, dass solch ein Tweet "den Leuten eine Vorstellung von der Größe des Problems geben könnte".



Filmproduzent Weinstein steht seit Tagen im Zentrum eines Skandals um sexuelle Übergriffe im Filmbusiness. Mehrere Frauen werfen ihm Belästigung bis hin zur Vergewaltigung vor. Der 65-Jährige bestreitet, Frauen zum Sex gezwungen zu haben.

Die Polizei in London ermittelt unterdessen in drei weiteren Fällen gegen Weinstein wegen sexueller Übergriffe. Scotland Yard nannte keine Details, bestätigte aber, dass es sich um denselben Verdächtigen handele, wie in einem Fall, der bereits am Donnerstag bekannt geworden war. Dabei geht es um einen Vergewaltigungsvorwurf der britischen Schauspielerin Lysette Anthony gegen Weinstein, wie die "Times" berichtete.

Nun soll sich ein weiteres Opfer Weinsteins an die Behörden gewandt haben. Es handele sich dabei um Vorfälle aus den Jahren 2010, 2011 und 2015 in London, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA.

Nach dem Ausschluss aus der Oscar-Akademie drohen Weinstein nun auch Konsequenzen in Frankreich. Staatspräsident Emmanuel Macron dringt darauf, dem Filmproduzenten die Auszeichnung der Ehrenlegion zu entziehen. Er habe entsprechende Schritte eingeleitet, sagte der Staatschef den TV-Sendern TF1 und LCI. Angesichts des in keiner Weise ehrwürdigen Verhaltens von Weinstein wünsche er sich, dass daraus Konsequenzen gezogen würden.

Die Ehrenlegion wurde 1802 von Napoleon geschaffen. Sie ist die wichtigste Auszeichnung für besondere Verdienste in Frankreich und kann auch an Ausländer vergeben werden. Weinstein war laut Nachrichtenagentur AFP im März 2012 vom damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden.

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