Die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein sind in seinem früheren Unternehmen nach Angaben der Staatsanwaltschaft über Jahre wissentlich hingenommen und in obersten Etagen unterstützt worden.

"Die Führung der Weinstein Company war mitschuldig am Verhalten Harvey Weinsteins. Sie wussten, was vor sich geht. Und sie wussten, wie verbreitet es war. Trotzdem taten sie nichts", sagte der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman am Montag.

Geschäftsführung und Vorstand seien nach Dutzenden von Vorwürfen rechtlich dazu verpflichtet gewesen, das Verhalten zu stoppen. Untersucht wurden die Vorwürfe ihm zufolge jedoch nie.

Verkauf der Firma verhindert

Schneiderman hatte am Sonntag Zivilklage gegen die Weinstein Company eingereicht und einen bevorstehenden Verkauf der Firma an eine Investorengruppe in letzter Minute verhindert. Nach Informationen des "Wall Street Journal" wollte die Gruppe hinter Unternehmerin Maria Contreras-Sweet 500 Millionen Dollar (407 Mio Euro) zahlen.

Es habe bislang keinen Deal gegeben, der den rechtlichen Anforderungen genügt hätte, sagte Schneiderman. "Jeder Kauf von Unternehmensanteilen muss erst sicherstellen, dass Opfer angemessen entschädigt werden."

Zudem müssten Mitarbeiter künftig vor vergleichbarem Verhalten geschützt werden. Das sei bei dem vorliegenden Angebot nicht der Fall gewesen.

Die Weinstein-Enthüllungen im vergangenen Herbst hatten die #MeToo-Lawine ins Rollen gebracht - eine weltweite Bewegung, bei der Hunderttausende Betroffene über eigene Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen berichten und Missbrauchsvorwürfe öffentlich machen. (dpa / jwo)© dpa

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