München - Nach zehn Romanen hat der dänische Krimi-Autor Jussi Adler-Olsen sich von seinem berühmten Ermittler-Team um den kauzigen Carl Mørck verabschiedet. Sein jüngstes Buch "Verraten" stieg auf Platz eins der Bestseller-Liste ein - ein erfolgreicher Abschied für eine der erfolgreichsten Thriller-Reihen der vergangenen Jahre.

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Schwer gefallen sei ihm der Abschied nicht. "Sie sind in meinem Herzen und manchmal sprechen sie mit mir", sagte Adler-Olsen (73) im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Der einzige Unterschied ist, dass ich nicht mehr über sie schreibe."

"Ich kannte das Ende von Anfang an"

2007 war der erste Teil der Thriller-Reihe um Carl Mørck, den Spezialermittler des Sonderdezernats Q bei der Kopenhagener Polizei, und seinen syrischen Assistenten Hafez el-Assad erschienen, auch alle Folge-Bände wurden Krimi-Hits, die Bücher auch verfilmt. "Das erste hat sich am besten verkauft, die meisten Leute haben es gelesen", sagte Adler-Olsen. "Viele Leute haben mehrere gelesen und ich bin dankbar sagen zu können, einige haben sie alle gelesen."

Das Opfer aus seinem ersten Buch "Erbarmen", die Politikerin Merete, die jahrelang von einem Irren eingesperrt und von Carl und seinem Team befreit wurde, kehrt im letzten Buch sogar zurück, um sich zu revanchieren. Denn dieses Mal ist es Carl selbst, der gerettet werden muss, weil er wegen falscher Verdächtigungen im Gefängnis landet und nun endlich den Fall lösen muss, der sein Leben geprägt hat: den Tod seines wohl korrupten Kollegen und Freundes Anker. Dabei muss er vor allem beweisen, dass er nicht mit ihm unter einer Decke steckte.

"Ich kannte das Ende von Anfang an", sagte Adler-Olsen der dpa. "Aber vor rund sechs Jahren fiel mir dann der letzte Satz ein und ich wusste, das war genau das richtige. Gut, er wurde jetzt nicht der allerletzte Satz, aber fast."

Sein Plan für die Zukunft

In seinen Büchern hat Adler-Olsen immer wieder auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen beschrieben, manchmal aufgespießt - zuletzt auch die Corona-Pandemie verarbeitet. "Dänemark und die westliche Welt haben sich meiner Meinung nach zunehmend auf die Frage fokussiert: Was springt für mich dabei raus? Ich vermisse die Gesellschaft, in der die Menschen an das große Ganze der Gesellschaft gedacht haben und nicht nur an sich selbst. Hoffentlich sehen wir das Pendel zurückschwingen zu Solidarität und mehr Empathie zwischen den Völkern."

Seit einigen Jahren arbeitet der Schriftsteller an einem internationalen Thriller, wie er sagte. "Den würde ich gerne vollenden. Aber jetzt ist es an der Zeit, meine Familie an erste Stelle zu setzen. Und das fällt mir nicht schwer. Ich liebe es, Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Wir haben jetzt zwei wundervolle Enkel. Welch ein Privileg."  © Deutsche Presse-Agentur

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