Das Portal "Bild.de" hat den von Arte unter Verschluss gehaltenen Film "Auserwählt und ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa" am Dienstag für einen Tag online gestellt. Der deutsch-französische Kultursender Arte hatte den Film ursprünglich in Auftrag gegeben, sich aber wegen redaktioneller Einwände gegen eine TV-Ausstrahlung entschieden.

Gegen diese Entscheidung hatte unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert.

"Seit Wochen wird bis in die höchsten Ebenen der Politik über diese – von Gebührengeldern produzierte – Dokumentation diskutiert", schrieb "Bild.de"-Chef Julian Reichelt am Dienstag über den Film. "Ohne dass die Bürger sie sehen dürfen. Ohne dass sie sich ein Urteil bilden können."

Der Verdacht liege bitter nah, dass diese Dokumentation nicht gezeigt werde, weil sie politisch nicht genehm sei, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belege, das erschütternd sei.

TV-Sender Arte weiß von der Aktion von Bild.de

Arte teilte am Dienstag mit, der Sender nehme zur Kenntnis, das die Dokumentation bei "Bild.de" zu sehen sei. "Auch wenn diese Vorgehensweise befremdlich ist, hat Arte keinen Einwand, dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann", hieß es in der Stellungnahme.

Man bleibe aber dabei und werde den Film nicht ausstrahlen, "da er, ohne dass Arte darüber informiert wurde, gravierend von dem verabredeten Sendungskonzept abweicht."

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© dpa