Happy Birthday, Helge Schneider: Der Entertainer wird 65

Dieser bunte Hund ist wohl jedem ein Begriff: Helge Schneider. Am 30. August feiert er seinen 65. Geburtstag. Mit seinen kuriosen Songs setzte er schon zahlreiche Ohrwürmer in die Welt. Bei dem Musiker, Komiker und Schauspieler scheiden sich seit Jahrzehnten die Geister. Ein Rückblick auf seine Karriere. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Helge Schneider wurde 1955 in Mühlheim an der Ruhr geboren und war schon als Kind extrem musikalisch. Doch statt für die Musik interessierte er sich in seiner Jugend in erster Linie fürs Spaß haben. Drogen sollen in seiner Jugend eine große Rolle gespielt haben. Die Schule brach er ab.
Nachdem er 1972 eine Sonderbegabtenprüfung am Duisburger Konservatorium mit Bravour meisterte, studierte er Klavier. Doch nach zwei Semestern schmiss Schneider hin und arbeitete stattdessen als Landschaftsgärtner, Tierpfleger oder Straßenfeger. Seine Liebe zur Jazzmusik bestand allerdings weiterhin.
Später spielte Schneider in verschiedenen Bands und arbeitete nach der Geburt seiner ersten Tochter 1982 als Studiomusiker. Doch nicht nur sein musikalisches, sondern auch sein schauspielerisches Talent stellte Schneider unter Beweis.
1986 spielte Schneider in "Johnny Flash", ein Jahr darauf brachte er seinen eigenen Kurzfilm "Stangenfieber" heraus. Seinen schauspielerischen Durchbruch feierte er allerdings erst ein paar Jahre darauf. 1993 kam "Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem" in die deutschen Kinos (Bild). Der Großteil des Filmes wurde improvisiert.
Im Anschluss daran brachte Schneider ein Jahr darauf gleich den nächsten Film heraus: "00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter". Wie auch zuvor verzichtete der Entertainer hierbei fast vollständig auf ein Drehbuch.
Nicht nur mit seinen kuriosen Filmen machte Schneider Anfang der 90er Jahre von sich reden, sondern auch als Musiker. Sein Album "Es gibt Reis, Baby" (1993) schaffte es auf Platz 11 der deutschen Charts und erreichte sogar Gold-Status. Schneider ist auch unter dem Pseudonym "Die singende Herrentorte" bekannt.
Der wohl bekannteste Song aus diesem Album schaffte es nach einem Auftritt Schneiders bei "Wetten, dass …?" 1994 weit nach oben in die deutschen Charts: "Katzeklo". "Katzenklo macht die Katze froh", singt der Komiker darin. Auch 2006 war er erneut Gast in der Show von Thomas Gottschalk (li.).
Im Interview mit "Vice" erzählte Schneider über 20 Jahre danach, dass der Erfolg des Songs auch einen sauren Beigeschmack hatte: "Auf einmal kamen die vielen Leute, die wollten nur das eine Lied hören. Da habe ich gedacht, das kann doch nicht sein. Aber nach einer Zeit, habe ich das akzeptiert."
Komiker, Schauspieler und Musiker – das reichte Schneider nicht. 1994 brachte er seinen ersten Roman auf den Markt. Selbstverständlich konnte er auch als Autor nicht von seinem unvorhersehbaren Humor ablassen. Kaum jemand außer Helge Schneider könnte einen Kriminalroman "Zieh dich aus, du alte Hippe" nennen. Weitere Teile seiner Krimi-Reihe folgten.
1996 folgte ein weiterer Film des Künstlers. Doch von seiner Leistung als Regisseur in "Praxis Dr. Hasenbein" war Schneider selbst alles andere als begeistert. Im Film spielt Schneider eine weibliche Rolle, nämlich Dr. Angelika Hasenbein. Den Schnauzer behielt er (re.) trotzdem.
Doch auch seine geliebte Jazzmusik rückte bei Schneider nicht in den Hintergrund. Mit seiner enormen Perücke und in ausgefallenen Outfits bewies er auf der Bühne, dass er ein echtes Chamäleon ist.
Der Komiker spielt unter anderem Saxophon, Vibraphon, Marimbaphon, Akkordeon, Gitarre, Geige, Hawaiigitarre, Blockflöte, Schlagzeug, Trompete, Hammond-Orgel, Cello und Kontrabass. Er selbst sagt von sich, er könne jedes Instrument innerhalb kürzester Zeit lernen.
Auch mit den Alben "Es rappelt im Karton" (1995), "Da Humm" (1997) und "Eiersalat in Rock" (1999) konnte Schneider Erfolge feiern. Sein Erfolgsrezept hält weiter an: Jazz-Musik gepaart mit witzigen Reimen. Seinen vierten Kinofilm widmete der Musiker seinem Lieblingsstil. 2004 kam "Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm" heraus.
Große Aufmerksamkeit erregte aber vor allem der Film "Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" (2007) von Regisseur Dani Levy, in dem Schneider Adolf Hitler parodiert. Der Film stieß allerdings auf heftige Kritik. Er betreibe Verklärung, nicht Aufklärung, hieß es unter anderem.
2012 versuchte sich Helge Schneider als Moderator. Doch es kamen nur zwei Folgen der WDR-Talkshow "Helge hat Zeit - Menschen, Quatsch und Philosophen bei Helge Schneider" zusammen. "Ich hab's versucht. Es hat mir Spaß gemacht. Aber es ist nicht mein Ding. Ich gehöre auf die Bühne", erklärte Schneider in einer Mitteilung des WDR.
Eine Zusammenarbeit der eher ungewöhnlichen Art. Der lustige Jazzkünstler tat sich 2013 mit Rapper Sido (li.) zusammen. Gemeinsam veröffentlichten sie den Song "Arbeit", der auf dem Album "30-11-80" des Rappers erschien. "Was ist nur los in diesem Land? Alle gehen arbeiten, nur ich nicht", singen die beiden.
Doch auch solo lief die Musikkarriere weiter wie am Schnürchen. Das Album "Sommer, Sonne, Kaktus" (2013) schaffte es auf Platz eins der Charts. Die Idee für den erfolgreichen gleichnamigen Song sei ihm spontan beim Blick aus dem Fenster gekommen, wo er seine Kakteen sah. Das erzählte Helge Schneider der "Welt": "Okay, Sommer, Sonne, Kaktus, ich mache das. Und dann habe ich dieses Lied gemacht. Hat zehn Minuten gedauert. So ungefähr."
Im selben Jahr veröffentlichte Schneider zur Freude seiner Fans nach langem Warten wieder einen eigenen Kinofilm: "00 Schneider – im Wendekreis der Eidechse" (2013), die Fortsetzung des ersten "00 Schneider"-Filmes. Wie auch zuvor schlüpfte Schneider hierbei in verschiedene Rollen.
Seit einigen Jahren lebt das Multi-Talent die meiste Zeit des Jahres nicht mehr in Deutschland, sondern im warmen Süden – genauer auf einer Finca in Spanien. Dort erfreut er sich an der Anonymität. Wie er der "Welt" erzählte, sei es in Deutschland anstrengend, dauernd erkannt zu werden.
Der vierfache Vater – und mittlerweile auch schon mehrfache Großvater – möchte seine Musikkarriere noch nicht an den Nagel hängen. Erst im Mai 2020 trat er beim "Free European Song Contest" für Deutschland an, wobei er es auf den vierten Platz schaffte.