Zerstörte Kunstwerke: Gegessen, weggewischt und in den Müll geworfen

Ob nun eine Banane für 120.000 Dollar verspeist wird oder ein Porzellan-Penis zu Bruch geht: Immer wieder werden Kunstwerke auf kuriose Art und Weise zerstört. Vor allem übereifrige Reinigungskräfte haben in der Vergangenheit unabsichtlich Schäden an den Werken von kreativen Köpfen angerichtet. Wir haben einige der merkwürdigsten Fälle herausgesucht, bei denen Kunstgegenstände in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Seine Aktion kommentierte er mit den Worten: "Ich liebe Maurizio Cattelans Kunst und ich liebe diese Installation wirklich. Sie ist köstlich." Die Galerie Perrotin, in welcher die Ausstellung stattfand, reagierte entspannt auf den Vorfall. Ein Sprecher erklärte, dass Datuna das eigentliche Kunstwerk nicht zerstört habe. Der Käufer hätte lediglich ein Authentizität-Zertifikat, sowie die Rechte an der Idee zum Werk erworben. Die Banane ließe sich demnach einfach ersetzen.
Als die Rentnerin Cecilia Giménez 2012 zum Pinsel griff, hatte sie keine böswilligen Absichten - im Gegenteil. Die Spanierin wollte lediglich ein beschädigtes Fresko von Jesus in der Kirche von Borja restaurieren. Ohne zu fragen übermalte sie das historische Kunstwerk. Doch das Ergebnis war wenig zufriedenstellend.
Nach dem neuen Anstrich glich das Fresko mehr einem Affen als dem Sohn Gottes. Im Internet spotteten unzählige Menschen über das Kunstwerk. Doch Giménez' misslungene Rettungsaktion hatte auch ihre guten Seiten. Mit der Zeit entwickelte sich das verunstaltete Kunstwerk zu einem Touristenmagnet, von dem die Kirche und die Stadt Borja jahrelang profitierten.
Auch der Künstler selbst kann zur Gefahr für sein Werk werden. Das beweist ein Beispiel aus dem Jahr 2018. Damals wurde das Bild "Girl with Balloon" des berühmt-berüchtigten Streetart-Künstlers Banksy in London versteigert.
Für rund 1,2 Millionen Euro wechselte das Bild den Besitzer. Nachdem der Hammer gefallen war, sprang allerdings ein von Banksy im Bilderrahmen versteckter Schredder an, verwandelte das Bild zur Hälfte in Streifen und versetzte die Kunstwelt in Aufregung. Auf dem Müll landete "Girl with Balloon" aber nicht. Unter dem Titel "Love is in the Bin" wird das Kunstwerk seit März 2019 als Dauerleihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt.
Drei bunte, zwischen 40 und 60 Zentimeter große Keramik-Penisse stellte Anna Maria Bieniek bei einer Vernissage in Erlangen 2018 aus. Die Installation "I am not a Toy" überstand aber nur knapp eine Stunde unbeschadet. Noch am Tag der Eröffnungsausstellung stolperte ein Mann über einen Kunst-Phallus. Dieser fiel daraufhin zu Boden, wobei ein Stück aus ihm herausbrach.
In Bezug auf zerstörte Werke traf es den deutschen Künstler Joseph Beuys besonders hart. Im Jahr 1973 wurde eine von Beuys präparierte Badewanne bei einer Feier der Leverkusener SPD gesäubert – und damit zerstört. Der Künstler hatte die Badewanne mit Mullbinden, Pflastern und Fett bedeckt. Zwei der Partygäste entdeckten die Wanne und kamen auf die Idee, darin Gläser zu spülen. Dazu reinigten sie das Kunstwerk, das zum damaligen Zeitpunkt auf etwa 80.000 D-Mark geschätzt wurde. Die Aktion löste eine Diskussion darüber aus, was Kunst ist – und einen jahrelangen Rechtsstreit.
1986 wurde in der Kunstakademie von Düsseldorf ein weiteres Werk des Künstlers vernichtet. Der Hausmeister des Gebäudes warf die berühmte "Fettecke" von Beuys kurzerhand in seinen Abfalleimer. Später fand Johannes Stüttgen, ein Schüler von Beuys, die Überreste. Er beanspruchte sie als sein Eigentum und klagte auf Schadensersatz. Im Bild ist die Stelle in der Düsseldorfer Kunstakademie zu sehen, an der Beuys' fettiges Kunstwerk einst hing.
Letztmalig in die Schlagzeilen gelangte das Kunstwerk 2014. Drei Künstler brannten damals aus den Überresten der Fettecke Schnaps. Weil sie diesen unter dem Namen "Joseph Beuys. Reste einer staatlich zerstörten Fettecke" ausstellen wollten, kam es zum Streit mit Beuys' Witwe. Um den Streit beizulegen, wurde der Schnaps später in "Geist: Reste der zerstörten Fettecke von Joseph Beuys" umbenannt.
Die Rätselwut einer Rentnerin sorgte 2016 im Neuen Museum in Nürnberg für Wirbel. Die damals 91-Jährige hatte während eines Besuchs das Kunstwerk "Reading/Work-pieces" des 1977 verstorbenen Arthur Köpcke entdeckt. Dabei handelt es sich um eine Collage, in welcher auch ein Kreuzworträtsel verbaut ist. Die Rentnerin hatte das Rätsel damals teilweise mittels eines Kugelschreibers ausgefüllt. Ein wegen der Beschädigung des Kunstwerks gegen die Frau eingeleitetes Verfahren wurde kurze Zeit später eingestellt.
Ganz so glimpflich ging die Affäre um das Kunstwerk "Wenn´s anfängt durch die Decke zu tropfen" von Martin Kippenberger nicht aus. Die Installation besteht aus einem Turm aus Holzlatten, der über einem Gummitrog steht. Ursprünglich war das Behältnis mit einer als "Patina" bezeichneten weißlichen Kalkschicht bedeckt. Diese wurde 2011 allerdings von einer Putzfrau im Dortmunder Museum Ostwall weggewischt. Für den Schaden an dem auf 800.000 Euro versicherten Kunstwerk musste der Arbeitgeber der Frau aufkommen.
Auch ein Kunstwerk von Romana Menze-Kuhn wurde 2016 Opfer einer übereifrigen Reinigungskraft. Eine Putzfrau warf damals Teile der Installation "Behausung 6/2016" in den Müll. Die Installation bestand aus goldener Rettungsfolie und war zum damaligen Zeitpunkt in der Mannheimer Philippuskirche ausgestellt worden. Menze-Kuhn integrierte später kurzerhand die weggeworfenen Teile samt Mülltonne in ihr Werk und nannte es "6a/2016".