"Spiel des Jahres": Diese Brettspiele wurden schon ausgezeichnet

Schon seit 1979 wird in Deutschland jedes Jahr der Oscar der Spielebranche, das "Spiel des Jahres", von einer Jury aus Spielekritikern und Journalisten vergeben. Doch welche Spiele konnten das Rennen bereits für sich entscheiden? Das sind die Gewinner der vergangenen 15 Jahre. © spot on news

Jedes Jahr kommen hunderte von neuen Gesellschaftsspielen auf den Markt. Das "Spiel des Jahres" hilft Fans bei der Suche nach dem coolsten Brettspiel der Saison. Im Jahr 2004 kann sich der US-amerikanische Spieleerfinder Alan R. Moon über die Auszeichnung für "Zug um Zug" freuen. Das Spiel ist eine abenteuerliche Zugfahrt quer durchs ganze Land. Die Spieler sammeln Karten verschiedener Waggonarten und versuchen, verschiedene Städte miteinander zu verbinden, indem sie die Bahnstrecken auf der Landkarte Nordamerikas geschickt nutzen. Je länger die Routen sind, desto mehr Punkte bringen sie ein - der beste Konstrukteur gewinnt.
Eine absolute Abwechslung zu "Mau Mau" bietet das Brettspiel Niagara, das im Jahr 2005 das Rennen um das "Spiel des Jahres" für sich entscheiden kann. Darin müssen die Spieler als abenteuerliche Schatzsucher Edelsteine aus dem reißenden Fluss sammeln. Doch Vorsicht: Der Wasserfall ist gefährlich nahe...
Fürstliche Spielfreuden vermittelt das historisch angelegte Strategiespiel "Thurn und Taxis", das 2006 zum Gewinner gekürt wird. Das aufwändig gestaltete Brettspiel um Postkutschen-Routen im 17. Jahrhundert setzte sich gegen mehr als 100 neue Spiele auf dem deutschen Markt durch. Fun Fact: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat den Titel persönlich abgesegnet.
Stolz präsentiert Spieleerfinder Michael Schacht im Juni 2007 sein "Spiel des Jahres": Beim Brettspiel "Zooloretto" muss sich der Spieler als Zoodirektor beweisen. Mit jeder Menge Pandas, Elefanten, Zebras und Kamele müssen die Spieler ihre Gehege füllen, um möglichst viele Besucher anzulocken. "Auch friedliche Menschen hegen bei diesem Spiel Rachegelüste", teilte die Jury mit.
Im Jahr 2008 verschlägt es Fans von Brettspielen in die Welt der Steine. "Keltis", so der Name des Spiels, sei so spannend, "dass mancher Spieler seinen Zug kaum abwarten kann", sagte die Jury. Die Gegner duellieren sich auf fünf Rennbahnen (Foto). Mit passenden Karten schicken sie ihre Figuren auf die Steinpfade: Je weiter sie kommen, desto mehr Punkte gibt es. Der Weg der Steine sei von einer alten keltischen Weisheit inspiriert, heißt es auf der Verpackung: "Jeder Mensch beginnt im Negativen, aber mit jedem Schritt voran gelangt er ins Positive."
Über 500 Karten regieren ein Königreich und das "Spiel des Jahres" von 2009: Bei "Dominion - Was für eine Welt!" liefern sich alle einen variantenreichen Wettstreit um Provinzen, Geld und Macht, bei dem jede Menge rasches Handeln erfordert wird. Nur so wachsen schließlich Gefolge, Ländereien und Städte. Und wem die 500 Karten nicht ausreichen - es gibt auch noch ein Aufbauset...
2010 ist ein Sieg für die Fantasie: In jeder Runde von "Dixit" schlüpft ein anderer in die Rolle des Erzählers und überlegt sich zu einer der sechs Karten, die er auf der Hand hat, eine treffende Aussage. Die Mitspieler suchen entsprechend der Bedeutung aus ihren Handkarten jeweils diejenige aus, von der sie glauben, das sie am besten zu der Vorgabe passt. Nicht zu viel verraten und nicht zu wenig, das ist die Kunst. Auch wegen der schönen Ästhetik der Karten wurde "Dixit" von der Jury ausgewählt.
Quietschbunt und kantig kommt der Jahressieger von 2011 daher: Auch wenn die Regeln von "Qwirkle" denkbar einfach sind, so erfordert es doch taktisches und strategisches Denken. Beim Anlegen der 108 großen Holzsteine müssen sich bei gleicher Farbe die Formen unterscheiden oder bei gleicher Form die Farben. Dabei gilt es, möglichst viele Punkte abzustauben. Aber Vorsicht, denn die lieben Mitspieler sitzen nicht untätig herum. Beim Warten auf eine lukrative Lücke heißt es, aufzupassen und selbst keine Steilvorlage zu liefern.
Besiedelt ein Königreich - das ist keine besonders originelle Spielidee, aber "Kingdom Builder" von 2012 aus der Feder von Donald X. Vaccarino, der den begehrten Preis bereits mit "Dominion" gewonnen hat, ist nun erneut prämiert. Die Kunst liegt darin, die Bauregeln zu überlisten und sich Sonderaktionen zu sichern, um das Königreich zu erobern.
2013 geht es in asiatische Gefilde: Das Spiel des Jahres ist in diesem Jahr das Kartenspiel "Hanabi". Der Clou des Spiels: Die Spieler halten die Karten verkehrt herum. So können sie die Karten der bis zu vier Mitspieler, aber nicht ihre eigenen sehen. Im gemeinsamen Gespräch und aus begrenzten Tipps der Mitspieler müssen sie schlussfolgern, welche Karte sie für ein gemeinsam ausgelegtes "Feuerwerk" (japanisch Hanabi) nach Zahlen und Farben ablegen müssen - klein, aber oho!
Spielerfinder Steffen Bogen aus Konstanz freut sich 2014 über seine Auszeichnung für sein Brettspiel "Camel Up". Das schnelle Zockerspiel simuliert dabei ein Kamelrennen. In mehreren Etappen geht es einmal um die Pyramide herum. Die Spieler bewegen die Kamele zwar, ihre eigentliche Aufgabe aber ist es, die Sieger der Etappen und des gesamten Rennens richtig zu tippen und so möglichst viel Geld zu verdienen. Ein besonders reizendes Detail: Der Würfelbecher gleicht einer Pyramide.
2015 geht es in den Wilden Westen: In "Colt Express" überfallen die Spieler als Banditen einen dreidimensionalen Zug, der in tollkühner Fahrt über Weichen, Brücken und durch Tunnel jagt. Aber Achtung vor dem Marshall, der den Überfall bemerken könnte... Das Urteil der Jury: "Ein Spiel wie eine Westernparodie! Wer gerade noch darüber feixt, anderen Gaunern die Absichten vermasselt zu haben, tappt schon bald selbst in einen Hinterhalt. Diese Mischung aus Planung und Chaos hat Charme und viel Witz. Lok und Waggons als dreidimensionaler Spielplan machen 'Colt Express' zudem zu einem echten Hingucker."
Das Rennen um den Titel "Spiel des Jahres" entscheidet 2016 das wortreiche "Codenames" für sich. In dem Spiel vom Verlag Czech Games Edition müssen Spieler möglichst viele Wörter mit einem Begriff umschreiben, ohne auf Wörter der Konkurrenz hinzuweisen. "Wer gerne mit Sprache jongliert, wird 'Codenames' lieben", sagte der Vorsitzende des Vereins "Spiel des Jahres", Tom Felber nach der Auszeichnung.
Im Jahr 2017 macht das Taktik-Spiel "Kingdomino" das Rennen. Von seinem Original "Domino" inspiriert, puzzlen sich die Spieler ein fünf mal fünf Felder großes Königreich zusammen und müssen versuchen, die Plättchen passend anzulegen. Das vom Franzosen Bruno Cathala erdachte "Kingdomino" kommt mit so wenigen Regeln aus, dass es in ein paar Minuten erklärt und in weniger als einer halben Stunde durchgespielt werden kann - was bei der Jury besonders gut ankommt.
Im vergangenen Jahr wird "Azul" als bestes Spiel des Jahre gewählt. In dem taktischen Legespiel beauftragt der portugiesische König Manuel I. Handwerker, die Wände seines Palasts mit schönen Mosaiken zu verzieren. Dafür sollen sie nicht irgendwelche Keramikfliesen verwenden, sondern die sogenannten Azulejos. Unter den Fliesenlegern entbrennt nun ein Wettbewerb, die besten Fliesen zum richtigen Zeitpunkt aus den Manufakturen zu erhalten. Gelobt wurde vor allem die schöne Ästhetik des Spielbretts und der Fliesen.
2019 gewinnt "Just One": Dabei muss ein Spieler ein Wort erraten, das die anderen mit Begriffen umschreiben. Ist bei den notierten Hinweiswörtern aber ein doppeltes dabei, fliegt es raus, bevor der Ratende es zu Gesicht bekommt. Jeder Spieler muss also einen hilfreichen Begriff wählen, von dem er denkt, dass ihn die anderen nicht aufschreiben.