Die bösen Beatles: Ein Blick zurück auf fast 60 Jahre Rolling Stones

Seit fast 60 Jahren stehen die Rolling Stones auf der Bühne. Mit ihrer Musik und ihrer Anti-Attitüde prägen die Briten Generationen. Bei ihrem anfänglich ausschweifenden Lebensstil hätte wohl kaum jemand vermutet, dass es die "Rock-Opas" bis ins nächste Jahrtausend schaffen. Am 18. Dezember wird das Mitglied der ersten Stunde, Keith Richards, 76 Jahre alt. © spot on news

1962 stoßen vier weitere junge Männer dazu. Die Rolling Stones sind geboren (im Uhrzeigersinn von oben): Brian Jones, Mick Jagger, Bill Wyman, Charlie Watts, Keith Richards und Ian Stewart. Das erste Konzert erfolgt am 12. Juli des Jahres im Londoner Marquee Club.
Manager Andrew Loog Oldham hat eine genaue Vorstellung davon, welche Rolle seine Schützlinge übernehmen sollen: das rebellische Gegenstück zu den vermeintlich braven Beatles.
Es kommt zu einigen Umbesetzungen in der Band, Keyboarder Stewart etwa verlässt die Band, bleibt aber Tourmanager. 1965 dann der erste Mega-Nummer-1-Hit: "Satisfaction".
Ende der 60er-Jahre machen die Stones ihrem Image alle Ehre - vor allem, was den Drogenkonsum betrifft. Es kommt zu Hausdurchsuchungen und Bewährungsstrafen.
Auch Frauen dürfen da natürlich nicht fehlen. Darunter Marianne Faithfull, die eine innige Beziehung mit Jagger führt. Ihren Durchbruch als Sängerin schafft sie 1964 mit "As Tears Go By", das Jagger und Richards geschrieben haben.
Nicht zu vergessen: das deutsche Sexsymbol Uschi Obermaier (hier mit Rainer Langhans 1969). Sie kommt einigen Stones-Mitgliedern näher, Jagger hat es ihr aber besonders angetan. "Mick und ich fingen so wild an zu knutschen, dass wir echt unter den Tisch fielen. Stell dir vor: dein Idol!", erinnert sie sich in einem Interview mit dem "Tagesspiegel".
1969 wird ein hartes Jahr für die Stones. Gründungsmitglied Brian Jones wird im Juli ertrunken in einem Swimmingpool aufgefunden. Dieses Foto entsteht während des Abschiedskonzerts für den Verstorbenen im Londoner Hyde Park. Ende des Jahres kommt es beim kalifornischen Altamont Festival zu einer Messerstecherei direkt vor der Bühne. Ein Mann stirbt.
Anfang der 70er wartet auf die Stones jede Menge Ärger: Streitigkeiten mit dem Management und Steuernachforderungen sorgen dafür, dass die Band kurz vor dem Bankrott steht.
Die Stones flüchten vor dem Fiskus nach Südfrankreich und gründen mit "Rolling Stones Records" kurzerhand ihr eigenes Label. Dort entsteht 1971 auch ihr weltberühmtes Markenzeichen ...
... die herausgestreckte rote Zunge.
1972 nehmen die Stones das Doppelalbum "Exile On Main St." auf, das noch heute als eines der besten Alben der Musikgeschichte zählt. 1974 ist dann Schluss für Gitarrist Mick Taylor – er steigt aus, Ronnie Wood (l.) nimmt seinen Platz ein.
Ab Mitte der 70er hagelt es vermehrt Vorwürfe: Die Stones, die einst für Rebellion standen, seien im musikalischen Establishment angekommen. Dementsprechend pilgern immer mehr Menschen zu den immer spektakulärer werdenden Shows. Längst reichen keine normalen Konzerthallen mehr, die Stones spielen fast nur noch in Stadien vor mehreren zehntausend Menschen.
Diesen Erfolg können sie über die Jahrzehnte beibehalten - seit geraumer Zeit auch nüchtern und clean. Heute gelten die Rolling Stones als dienstälteste Band der Welt.
Nix mit Rente: Die im August 2019 zu Ende gegangene "No Filter"-Tour erweist sich mit über 400 Millionen Dollar Einnahmen als eine der umsatzstärksten Konzerttouren der Musikgeschichte.