Bushido feiert seinen 40. Geburtstag: Eine Chronologie des Deutschrap

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Gangster-Rapper Bushido feiert seinen 40. Geburtstag. Grund genug, einen Blick auf die Geschichte des Deutschrap zu werfen. © spot on news

Zu Beginn rappten die ersten deutschen Künstler noch auf Englisch. Deutsch galt als "zu altmodisch". Der Geschichte zu Folge hat Torch Ende der 80er-Jahre als erster deutscher MC auch auf Deutsch gefreestylt. Der Sage nach war das nicht mit seinen Bandkollegen von Advanced Chemistry abgesprochen.
Allerdings müssen sich die "Fantas" gleich von Beginn ihrer Kariere an Kritik gefallen lassen. Ihr Spaßrap kommt zwar gut im Mainstream an, aber nicht in der Szene. Dennoch sind es die Stuttgarter, die den Deutschrap salonfähig machen. Ihr 1992 veröffentlichtes Album "4 gewinnt" wird gleich mit drei goldenen Schallplatten veredelt und hat mit "Die da !?!" einen Riesenhit, der bis heute zu den Deutschrap-Klassikern zählt.
Mitte der 90er-Jahre spaltet sich die Hip-Hop-Szene in Deutschland in zwei Lager. Die eine Fraktion, vertreten durch die Stieber Twins, Cora E. oder Advanced Chemistry, gibt sich sehr politisch und agiert mehr im Underground. Die andere Fraktion schart sich um die Fantas, verschreibt sich dem Spaßrap und feiert Chart-Erfolge. Die Hamburger Fettes Brot bringen 1995 ihren Song "Nordisch By Nature" raus und halten sich damit ganze 17 Wochen in den Charts.
Im zweiten Teil der 1990er Jahre floriert die Hip-Hop-Szene und treibt neue Blüten. Langsam aber sicher zeichnen sich verschiedene Strömungen ab. Neu dabei sind - wie es das Rap-Magazin "Juice" nennt - "mittelständisch-studentische Acts" wie Freundeskreis oder Blumentopf.
Zu einem bisher nicht gekannten kommerziellen Erfolg für den Deutschrap wird aber das Album "Bambule" von Absolute Beginner. "Liebes Lied", "Hammerhart" oder "Füchse" sind die Songs, die zu Instant-Klassikern der Szene werden.
Zur Jahrtausendwende wird die Hip-Hop-Szene von Stuttgart und Hamburg aus regiert. Doch im Untergrund macht sich eine neue Art Rap breit: Straßenrap. Kool Savas erhebt sich in Berlin zum "King of Rap" und rechnet schonungslos mit allen anderen Deutsch-Rappern ab. Damals auf dem Label "Royal Bunker" auf dem auch Sido und B-Tight sind. Sie gründeten aber später ihr eigenes Label, das noch von sich hören machen sollte …
Denn ab 2003 übernehmen Berlin und das von Sido mitgegründete Label Aggro Berlin den Rap. Sie sind mit ihren Texten direkt von der Straße der Gegenpol zum Mittelstandsrap. Sido schreibt seiner Realität in "Mein Block" ein Manifest, Bushidos "Vom Bordstein zur Skyline" gilt als Inbegriff des deutschen Gangsta-Rap.
Eko Fresh und sein Album "König von Deutschland" wird 2004 für den Echo in der Kategorie Newcomer-Video National nominiert – und gewinnt. Danach versucht er sich in Sachen Schmusesongs, was seinem ehemaligen Mentor und Label-Boss Kool Savas gar nicht gefällt. Später veröffentlicht Eko Fresh den Disstrack "Die Abrechnung" und schießt nicht nur gegen Savas. Es wird der erste große und von den Medien breit gecoverte Beef im Deutschrap.
Doch auch Aggro Berlin um Sido macht weiter von sich reden. Der Label-Sampler "Aggro Ansage Nr. 3" landet auf dem Index. Die expliziten Texte waren für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien deutlich zu viel.
2007 scheint es, als ob Hip-Hop und Rap nur noch von harten Gangstern regiert werden. Bis die Berliner von K.I.Z. "Hahnenkampf" mit ihrem ersten Album eine Gegenbewegung ins Leben rufen: den sarkastischen Deutschrap.
Weiter geht die Diversifizierung der Szene. Ganstagrap ist auf dem absteigenden Ast. Da kommt jemand wie Casper mit seinen Röhrenjeans und seinen Emo-Texten gerade richtig. Auch ein Marteria macht sich einen Namen und schafft den nationalen Durchbruch.
Cro steckt den Begriff Rap mit seinem Album "Raop" dann sogar noch etwas weiter. Mit flockigen Beats und unbekümmerten Texten katapultiert er sich an die Spitze der Charts. Sein Song "Easy" wird 2012 zum Soundtrack des Sommers.
Haftbefehl aus Frankfurt haucht einige Zeit später dem Gangster-Rap neues Leben ein. Mit "Chabos wissen wer der Babo ist" spittet er sich in den Vordergrund - und entwickelt nebenbei eine eigene Sprache. Welchen Einfluss er damit auf die Jugend hat, wird etwas später deutlich: "Babo" wird zum Jugendwort des Jahres 2013.
Kollegah, der später noch für Kontroversen sorgen wird, macht 2014 aber zuerst musikalisch von sich reden. Sein Album "King" geht erstmals in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Eins in den Charts.
Die 187 Strassenbande ist zwar schon seit 2009 aktiv, macht sich aber erst 2015 daran, den Deutschrap zu übernehmen. Ihr "Sampler 3" landet zwar "nur" auf Platz zwei der Charts, dennoch sind sie ab da an in aller Munde.
2016 kündigen nicht nur die Beginner ein Comeback an, auch karibische Töne machen sich im Deutschrap breit. RAF Camora & Bonez MC bringen mit "Palmen aus Plastik" den Dancehall ins Rap-Geschäft – und das äußerst erfolgreich.
Kein Wunder also, dass auch im darauffolgenden Jahr Hip-Hop und Rap die Charts und die Pop-Landschaft dominieren. Marteria, Casper oder RAF Camora, sie alle gehen mit ihren Alben direkt auf Platz eins der Charts.
2018 kommt es zum großen Eklat. Die Rapper Kollegah und Farid Bang sorgen dafür, dass der Echo abgeschafft wird. Dass ihnen der Preis für das Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" trotz sexistischer und antisemitischer Zeilen verliehen wurde, zog einen riesigen Skandal und schließlich das Ende des Musikpreises nach sich. Eine Debatte um die Grenzen von künstlerischer Freiheit ließ ebenso nicht lange auf sich warten.