Von "Cliff" bis "Rise Up": Sir Cliff Richards große Musikkarriere

Cliff Richard feiert am 14. Oktober seinen 80. Geburtstag. Der Brite blickt auf eine lange und große Karriere zurück. In den späten 1950ern wurde er zum Pop-Superstar und an ein Ende ist bis heute nicht zu denken. Zu seinem Ehrentag kommt nochmal ein neues Album sowie 2021 eine Tournee. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Cliff Richard kam 1940 als Harry Rodger Webb im von Großbritannien besetzten Indien zur Welt, wo er bis zum achten Lebensjahr in Kalkutta aufwuchs. 1948 emigrierte die Familie zurück in die Heimat, Essex. Während sie in Indien in relativem Reichtum gelebt hatten, ging es in England eher bescheiden zu.
Als Jugendlicher interessierte Harry Webb sich für den Musikstil Skiffle. Als er 16 war, kaufte der Vater ihm seine erste Gitarre, ein Jahr später gründete er die Schulband "The Quintones", später sang er in der "Dick Teague Skiffle Group".
In den späten 1950er Jahren wurde er Frontmann der Rock'nRoll-Gruppe "Drifters" und nahm seinen Künstlernamen Cliff Richard an. 1958 veröffentlichte er unter diesem seine erste Single "Move it", die sofort auf Platz zwei der UK-Charts einstieg. John Lennon bezeichnete den Hit als den allerersten britischen Rocksong.
Zu Beginn seiner Karriere wurde Cliff Richard als der "britische Elvis Presley" vermarktet – mit Haartolle und ähnlichem Kleidungsstil. Presley war auch lange sein persönlicher Lieblingsmusiker. Die Drifters rückten als Background-Band in den Hintergrund und Richard wurde mit Hits wie "Living Doll" und "Travelling Light" zum Rockstar. Bald änderte die Band ihren Namen in "The Shadows" um.
Als Schauspieler war er Anfang der 1960er Jahre in Teenage-Filmen wie "The Young Ones" und "Summer Holiday" zu sehen. Auch in der Musik war er weiter erfolgreich: Fast jede seiner Singles kletterte an die Spitze der UK-Charts. Zu seinem 21. Geburtstag schmiss sein Plattenlabel EMI eine legendäre Party und er veröffentlichte die Single "21 Today".
1963 war der Beginn der "Beatlemania", doch mit seinen diversen Projekten zog Cliff Richard weiterhin die Aufmerksamkeit auf sich – im Kino, auf Tourneen und im Fernsehen. 1964 hatte er zehn Singles in den Top 10 der UK-Charts – die Beatles nur drei.
1965 wurde Cliff Richard von Lesern des "New Musical Express" zum "besten männlichen Sänger weltweit" gekürt, sein Hit "The Minute You're Gone" war international an der Spitze der Charts. Der Sänger sprach öffentlich immer öfter über seinen christlichen Glauben und ging in die Kirche – eine Tatsache, die seinen Charakter und auch seine Karriere stark prägen sollten. Viele vermuteten sogar, er würde sich aus dem Showbusiness zurückziehen.
1968 vertrat Cliff Richard Großbritannien mit seinem Song "Congratulations" beim Eurovision Song Contest und landete mit nur einem Punkt Unterschied auf Platz zwei. Das Lied wurde trotzdem zum Riesenerfolg – in Deutschland blieb es sieben Wochen lang auf Platz eins der Charts. Im selben Jahr trennte er sich nach einer UK- und Japan-Tournee endgültig von seiner Band "The Shadows" und spielte einige Gospel-Konzerte, unter anderem in der Coventry-Kathedrale.
In die 1970er Jahre startete Cliff Richard mit vier neuen Alben: zwei Pop- und zwei religiöse Alben. Auch in Kino und TV blieb er präsent, zum Beispiel mit seiner eigenen BBS-Sendung. 1973 reiste er mit "Power to all our Friends" wieder zum ESC und erreichte dieses Mal den dritten Platz. Weil er vor der Performance so nervös gewesen war, hatte er Valium genommen und sein Manager konnte ihn kaum aufwecken.
Ab 1976 versuchte sein Management, Richard wieder mehr als Rock-Sänger zu etablieren, angefangen mit dem Album "I'm Nearly Famous", zu dem Stars wie Eric Clapton und Elton John sich als Fans bekannten. Die Single "Devil Woman" wurde sein erster großer Hit in den USA. Doch nebenher veröffentlichte Richard weiterhin christliche Musik.
1979 arbeitete er mit "The Shadows"-Gitarrist Bruce Welch zusammen an der Single "We Don't Talk Anymore" – ein Riesenerfolg. Weil sich der Hit noch bis Anfang 1980 in den Top 40 der UK-Charts hielt, wurde Richard zum ersten Künstler, der in vier aufeinanderfolgenden Jahrzehnten in den Toprängen der Charts stand.
Nach "Devil Woman" knüpfte sein Erfolg auch in den USA langsam an. 1980 waren gleich drei seiner Singles in den Top 100 der US-Charts vertreten. Seine Musikvideos zu "We Don't Talk Anymore", "A Little in Love" und "Dreamin" waren unter den ersten, die der Sender MTV 1981 spielte.
1980 änderte er seinen Namen auch offiziell von Harry Rodger Webb zu Cliff Richard. Im selben Jahr verlieh Queen Elizabeth II. ihm für seine Verdienste um Musik und Wohltätigkeit den "Officer of the Order of the British Empire". Seit 1966 hatte Richard immer mindestens zehn Prozent seines Einkommens gespendet.
1983 feierte Cliff Richard sein Silber-Jubiläum – 25 Jahre im Musikgeschäft. Noch immer war er einer der größten britischen Popstars mit einer riesigen Fangemeinde. In den Achtzigern nahm er Lieder mit Olivia Newton-John, Elton John, Stevie Wonder, den Pet Shop Boys, Janet Jackson, Van Morrison und vielen mehr auf.
1986 feierte er sein Debüt am Londoner West End mit dem Musical "Time", dessen Vorverkaufszahlen alle Rekorde des Theaters brachen. Nebenbei widmete der Sänger sich weiter seiner Wohltätigkeitsarbeit, zum Beispiel mit der christlichen "Tearfund"-Organisation.
Auch im 30. Jahr seiner Karriere, 1988, schien der Erfolg nicht abzuebben: Seine UK-Tour war innerhalb von Stunden ausverkauft, nachdem Fans vor den Verkaufsstellen campiert hatten. Er veröffentlichte das Weihnachtslied "Mistletoe and Wine", das 1988 zur bestverkauften UK-Single wurde. Das Jahr endete mit seiner Single, seinem Album und Musikvideo allesamt auf Platz eins der jeweiligen Charts.
1995 wurde Cliff Richard als erstem Popstar überhaupt eine große Ehre zuteil: Die Queen schlug ihn zum Ritter – aus Cliff wurde Sir Cliff. Bis heute ist der Ritterschlag für ihn die schönste Erinnerung seiner Karriere: "Ohne Zweifel ist es das. Als ich den Brief bekam, konnte ich es erst gar nicht glauben. Vor lauter Schock lachte ich erstmal eine Weile. Als ich den Brief nochmal las, realisierte ich, dass es wirklich passiert. Was für eine Ehre."
Mit dem Österreicher Peter Wolf arbeitete Cliff Ende der 1990er Jahre an einem neuen Album, 1998 war sein 40-jähriges Jubiläum sowie eines der unruhigsten seiner Karriere. Eine Konzerttour durch Australien und Neuseeland, wochenlange Studioarbeit in Österreich und Konzerte in der Londoner Royal Albert Hall. Im Jahr 2000 feierte Cliff Richard seinen 60. Geburtstag und legte – zum ersten Mal in seiner Karriere – ein wohlverdientes Sabbatical ein.
Cliff Richard blieb sein ganzes bisheriges Leben Junggeselle. Mehrere kurze Beziehungen und Gerüchte über Homosexualität dominierten die Schlagzeilen über sein Privatleben. Richard selbst sagte über sein Singleleben: "Ich hatte ein paar Mal falschen Alarm. Ich war verliebt, aber eine Ehe ist eine große Verpflichtung und das Künstlerdasein nimmt viel Zeit ein." In den 1970er Jahren sei er in Olivia Newton-John, mit der er viele Duetts sang, verliebt gewesen. "Sie war mit jemand anderem verlobt. Ich schätze, ich habe meine Chance verloren."
Nach seiner einjährigen Auszeit folgte 2001 ein neues Album, bestehend aus neuen Songs und alten Klassikern wie "What A Wonderful World" oder "Moon River". Er verbrachte nun immer mehr Zeit außerhalb Großbritanniens, kaufte Häuser in Barbados und Portugal. 2010 nahm er sogar die barbadische Staatsbürgerschaft an.