Echo 2018: Rekorde, Skandale und viel Gesprächsstoff

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Seit 1992 gibt es ihn, den formschönen, weil elegant gebogenen Echo, der an die erfolgreichsten Musiker Deutschlands und der Welt verliehen wird. Vor der 27. Verleihung der Silberstatuetten ist es an der Zeit, auf die Rekordhalter und Skandale des Echos zu blicken. © teleschau - der mediendienst GmbH

Sie ist die unangefochtene "Echo"-Königin: Seit 2009 gewinnt Helene Fischer 16-mal den deutschen Musikpreis. Auch 2018 ist der Schlagerstar wieder in zwei Kategorien nominiert. Warum die Show dieses Jahr trotzdem spannend(er) werden könnte, wer in über 25 Jahren Geschichte schrieb und Schlagzeilen machte, das alles verrät die Galerie ...
Der "Echo" zündet spät: Die Brit Awards in Großbritannien werden seit 1977, der Grammy seit 1959 verliehen. Bei der Premiere des "Echos" 1992 gibt es keine große Show, sondern nur eine kleine Gala in Berlin. Einer der ersten Preisträger: Herbert Grönemeyer als "Künstler national".
Ihren ersten von 13 Echos gewinnen die Kastelruther Spatzen um Sänger Norbert Rier 1993. Bis heute halten die Südtiroler den Rekord bei den häufigsten aufeinanderfolgenden Siegen: Zwischen 1996 und 2003 gewinnen sie in der Kategorie "Gruppe - Schlager/Volksmusik" sieben Preise in Folge.
1998 überträgt die ARD die Gala. 2001 übernimmt RTL mit Moderatorin Frauke Ludowig, ehe 2009 wieder das Erste übernimmt. Seit 2017 überträgt VOX die Preisverleihung, dieses Jahr sendet man am Donnerstag, 12.04., live ab 20.15 Uhr aus der Messe Berlin.
Kein wirklicher Skandal, sondern eher eine Besonderheit der Echo-Regularien: Herbert Grönemeyer gewinnt sowohl 2001 als auch 2002 einen Echo in der Kategorie "Musik Home Video DVD" für dasselbe Werk, für die DVD "Stand der Dinge".
"Schni-Schna-Schnappi" erreicht zweimal Platin und findet 2005 in der Kategorie "Download-Single des Jahres" eine besondere Ehrung. Den Preis nehmen Iris Gruttmann und ihre neun Jahre junge Tochter Joy entgegen. Das Mädchen lieh dem Comic-Krokodil seine Stimme.
Einen der ersten kleineren "Skandale" gibt es ebenfalls 2005: Thomas D verschenkt seinen Echo an Sido. Die Begründung: Nicht seine ausgezeichneten Fantastischen Vier, sondern der damals noch als rüpelhafter Maskenmann auftretende Berliner habe damals "im HipHop was bewegt".
Till Brönner ist der Echo-Gewinner schlechthin, ist der Trompeter doch bereits bei allen drei Veranstaltungen unter dem Musikpreis-Banner siegreich: 2007 erhält er sowohl den Echo Pop als auch den Echo Klassik, 2011 dann auch den Echo Jazz, der erst ein Jahr zuvor als eigene Veranstaltung eingeführt wurde.
Fast zehn Jahre ist es her, dass Helene Fischer die große Echo-Bühne erstmals betritt: 2009 gewinnt sie ihre ersten Preise in der Kategorie "Künstler/Künstlerin/Gruppe Deutschsprachiger Schlager" und für die Musik-DVD" "Mut zum Gefühl - Live".
Die ewigen Gewinner: Michael Jackson ist 2010 der Erste, der in die neu eingeführte "Echo Hall Of Fame" aufgenommen wird. In den anschließenden Jahren folgen: Peter Alexander, Whitney Houston, Amy Winehouse, Udo Jürgens und zuletzt David Bowie.
Mit "Für einen Tag" landet sie 2011 ihr erstes Nummer-eins-Album, im Jahr darauf gibt es die "Quittung" dafür: Helene Fischer gewinnt ihren nächsten Echo in der Kategorie "Künstler/Künstlerin/Gruppe Deutschsprachiger Schlager".
Spätestens 2013 können es alles wissen: Helene Fischer will und kann alles. Sie gewinnt nicht nur zwei weitere Echos, sondern moderiert die von der ARD übertragene Show auch.
Die großen Gewinner in diesem Jahr sind allerdings die Toten Hosen: "Tage wie dieser" ist noch in aller Ohren, da räumen die Alt-Punks ganze vier Echos in einer Nacht ab. Ein Coup, der zuvor noch keinem Künstler und keiner Band gelungen ist. Aber zwei Jahre später einer Sängerin - Helene Fischer.
Bushidos Texte sind kontrovers. Doch in "Stress ohne Grund"spricht Bushido Morddrohungen an Politiker und Prominente aus. Die Deutsche Phono-Akademie entscheidet, seine Texte von einer "Ethik-Kommission" prüfen zu lassen. Der Rapper entscheidet sich 2015 daher zum Rückzug vom Echo.
Apropos "Ethik-Kommission": Diese ist ebenfalls in aller Munde, als es um die jeweiligen Nominierungen der Südtiroler Rockband Frei.Wild geht. 2013 sagen die Nominierten MIA., Kraftklub und Die Ärzte ihre Teilnahme ab - aus Protest gegen das Erscheinen einer Band, der nationalistisches Gedankengut nachgesagt wird.
Flugs streicht man Frei.Wild aus dem Tableau als mögliche "Gruppe Rock/Alternative (national)" - was, wie im Bild zu sehen, einige Proteste nach sich zieht. Nach Überprüfung der Kommission werden die Männer um Leadsänger Philipp Burger (rechts) 2014 wieder nominiert.
Die Toten Hosen schaffen es 2013, Echo-Darling Helene Fischer kann es natürlich aber auch: 2015 gewinnt die Schlager singende Spätaussiedlerin auch vier ihrer Lieblingstrophäen. Ein Kunststück, das ihr im Jahr darauf gleich nochmals gelingen sollte.
2016 gewinnen Frei.Wild schließlich den Preis als "Rock/Alternative National". Ein paar Pfiffe sind bei der Verleihung zwar zu hören, eine große Kontroverse bleibt aber aus - vielleicht auch ein Indiz dafür, dass der Echo zuletzt an Bedeutung verliert.
Eine 24-Monate-Frist ab Verkaufsstart verhindert den dritten Sieg in Folge mit der gleichen Platte. Fischer hat aber ihr Weihnachtsalbum fristgerecht eingereicht - "Weihnachten" löst "Farbenspiel" 2016 ab und sie gewinnt auch dieses Jahr die Auszeichnung "Album des Jahres".
Eine Ohrfeige für die "Echo"-Macher: AnnenMayKantereit bleiben 2017 der Preisverleihung fern. Die Begründung der Gewinner via Facebook ist simpel: "Keinen Bock auf Echo. Wir spielen lieber Konzerte", lassen die Kölner wissen.
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