Sagen Sie jetzt nicht "Du-dödl-di": An der Hochschule Luzern kann man demnächst Jodeln im Hauptfach studieren.

Wir müssen jetzt alle ganz stark sein. Nicht den offensichtlichsten Witz machen, zumindest nicht gleich. Nur weil es da diesen Loriot-Sketch "Die Jodelschule" gibt, eingebrannt in das kulturelle Gedächtnis der Bundesrepublik.

"Sagen Sie's nochmal im ganzen Satz!" - "Hollerö-dö-dudl-dö..." - "Du-dödl-di! Dö-Dudl-dö ist zweites Futur bei Sonnenaufgang."

Nein, es geht um eine ernste Sache. Akademisch, traditionell, schweizerisch. Die Pressemeldung der Hochschule Luzern ist knapp und sachlich: Ab dem nächsten Wintersemester kann man dort Jodeln studieren, und zwar im Hauptfach.

Seit 2012 wird in Luzern Volksmusik angeboten, was nichts zu tun hat mit den Silbereisens und Gabaliers dieser Welt, also mit gewöhnlichen Schlagerstars, die sich nur ein bisschen alpin geben. Es geht um Volksmusik im Wortsinn, die aus regionaler Tradition heraus gemacht wird, zum Beispiel in Schweizer Dörfern.

Und es heißt "dudl", nicht "dudel".

Zwanzig Absolventen haben in den vergangenen sechs Jahren in Luzern ihren Volksmusik-Abschluss gemacht. Sie seien heute erfolgreich in der Volksmusik-Szene und als Musiklehrer, wirbt Michael Kaufmann, der Direktor des Departements. Neben Musiktheorie, Gesang und klassischen Instrumenten lernen die Studenten Schwyzerörgeli oder Hackbrett, je nach eigener Vorliebe.

Die Rollenverteilung ist allerdings ganz anders als im Sketch von 1978. Damals unterrichtete ein schnauzbärtiger Akademiker. Lieselotte Hoppenstedt, gespielt von Evelyn Hamann, jodelte, um sich von ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter zu emanzipieren:

"Da habe ich was in der Hand. Da habe ich was Eigenes, da habe ich mein Jodeldiplom."

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Vierzig Jahre später in Luzern übernimmt die Jodlerin Nadja Räss die Ausbildung und zugleich die Leitung des gesamten Bereichs Volksmusik. Sie ist eine Größe in der Szene, steht regelmäßig auf der Bühne, hat mehrere CDs mit traditioneller wie moderner und selbstgeschriebener Jodelmusik veröffentlicht. Nicht zuletzt ist sie studierte Gesangspädagogin.

Mit dem Studiengang will sie eine "sehr gute technische Beherrschung des Jodelns" sicherstellen sowie eine "vertiefte Auseinandersetzung mit den verschiedensten Stilen und Klangfarben".

"Das Diplomjodeln unterscheidet sich vom Jodeln ohne Diplom."

Im Herbst 2018 geht es los, wer dabei sein will, muss - wie in den anderen Musikstudiengängen - eine umfangreiche Aufnahmeprüfung bestehen: Unter anderem der Vortrag von bis zu fünf Musikstücken auf einem geeigneten Instrument, etwa Akkordeon, Klavier oder Kontrabass, und die Begleitung eines unbekannten Stücks aus dem Stegreif.

Eine kleine Enttäuschung gibt es für Loriot-Fans dann aber doch: Zum Abschluss bekommen die Absolventen, Bologna sei Dank, kein Jodeldiplom, das auch tatsächlich so heißt. Sondern einen Bachelor of Arts in Music.

"Jetzt alle, bitte: Holleri du dödel di."  © SPIEGEL ONLINE