ESC 2017: Was singen die da eigentlich?

Kommentare3

Liebe heilt. Sie verbindet und triumphiert. Liebe kann aber auch schaden. Schmerzen, quälen, verunsichern und spalten. All diese Facetten werden beim ESC besungen - doch zwischen Eurodance und Folklore geht es manchmal auch um andere Widrigkeiten des Lebens.

Israel: Nimm deine Träume selbst in die Hand und gib sie niemals auf - das ist die Botschaft von IMRIs Song "I Feel Alive". Der 25-Jährige weiß, wovon er da singt: 2015 war er noch Background-Tänzer beim ESC, in diesem Jahr darf er Israel selbst vertreten.
Polen: Romeo und Julia lassen grüßen! In Kasia Mos' "Flashlight" geht es um eine verbotene Liebe. Doch trotz aller Widrigkeiten kann das Liebespaar nicht voneinander lassen und muss schließlich fliehen.
Weißrussland: "У нашай крыві сонца зайграе - Уся прыгажосць тваіх вачэй" - was wollen uns die Künstler damit sagen? Naviband singen "Story Of My Life" auf Weißrussisch und machen es den meisten Zuhörern in Europa damit nicht leicht, den Sinn des Liedes zu verstehen. Doch auch nach Übersetzung der Verse wird der Inhalt nicht klarer. Mutmaßlich geht es um Lebensfreude. Durch Liebe. Oder so.
Österreich: Nathan Trent bedient sich eines echten ESC-Dauerbrenner-Themas: Die Message von "Running On Air" ist, die guten wie schlechten Momente im Leben anzunehmen. Getreu dem Motto: Was dich nicht umbringt, härtet dich ab!
Armenien: Artsvik erzählt uns mit ihrem Song "Fly With Me" eine mystische Geschichte der Liebe: In Gestalt eines Mädchens fliegt sie um die Welt, verwandelt sich schließlich in die Sonne, deren Liebe als Licht für alle scheint und alle vereint.
Niederlande: Die drei Schwestern von OG3NE besingen in ihrer Power-Ballade "Lights and Shadows" die starke Bindung zwischen Eltern und Kindern. "Du bist mehr für mich als die Person, die all die Last trägt", heißt es in dem Song, der ihrer kranken Mutter gewidmet ist.
Moldau: Der Song "Hey Mamma" der Gruppe Sunstroke Project ist eine Botschaft an die Schwiegermutter in spe, mit folgendem Inhalt: Mach dir keine Sorgen, ich will deiner Tochter nichts Böses! Du wärst überrascht, wenn du mich kennen würdest - eigentlich bin ich gar kein so schlechter Kerl.
Ungarn: Joci Papai thematisiert in "Origo" die Diskriminierung von Sinti und Roma und erzählt, wie ihm der Glaube geholfen hat, die Anfeindungen zu ertragen. Papai, der selbst Roma-Wurzeln hat, geht es darum, Minderheiten durch seine Erfahrungen Mut zu machen.
Italien: "Occidentali's Karma" - auf Deutsch: "Das Karma der Westler" - ist eine augenzwinkernde Kritik an der westlichen Gesellschaft. Auf der Suche nach persönlicher Selbstverwirklichung greift diese zu fernöstlichen Lehren, verwestlicht diese und kratzt somit nur an der Oberfläche dessen, was sie eigentlich sucht.
Dänemark: Anja will beim ESC ihre "Rüstung" ablegen. Im übertragenen Sinne: In ihrem Song "Where I Am" geht es darum, Gefühle zuzulassen, emotionale Mauern einzureißen und dem Geliebten sein Innerstes zu zeigen.
Portugal: Salvador Sobrals "Amar Pelos Dois" ist ein Liebeslied. Kurzfassung: Ich weiß, du liebst mich nicht - aber das kann sich ja vielleicht noch ändern! Und falls nicht: Macht nix - meine Liebe reicht für uns beide. Das kann man jetzt unheimlich romantisch finden - oder einfach nur unheimlich.
Aserbaidschan: "I have my skeletons", singt Dihaj. Frei übersetzt: "Ich habe Leichen im Keller." In "Skeletons" geht es also um die abgründigen Seiten einer Persönlichkeit - und die Frage, wie viel man davon preisgibt, wenn man sein Leben mit einem anderen Menschen teilt.
Kroatien: "My Friend" von Jacques Houdek ist eine Ode an das Leben und eine Aufforderung an alle, sich gegenseitig zu respektieren - ungeachtet aller kulturellen, sexuellen, sozialen oder religiösen Unterschiede. Kurzfassung: Lasst uns einfach alle Freunde sein.
Australien: Die Kurzzusammenfassung von Isaiahs Song: Gebranntes Kind scheut das Feuer. "Don't Come Easy" handelt davon, wie schwer es ist, in der Liebe wieder zu vertrauen, wenn man zuvor verletzt wurde.
Griechenland: Der Titel lautet "This is Love" und handelt - wer hätte es gedacht - von Liebe. Genauer: von Herzschmerz. Sängerin Demy besingt die ambivalenten Gefühle nach dem Ende einer Beziehung. Einerseits ist da der Wunsch, nach vorne zu blicken, andererseits ist das Thema emotional noch nicht abgeschlossen.
Spanien: Hinter Manel Navarros Sommer-Sonne-Strand-Song “Do It For Your Lover” verbirgt sich eine überraschend direkte Botschaft: Jammer nicht, tu was - wenn schon nicht für dich, dann wenigstens deinem/r Liebsten zuliebe.
Norwegen: Wovon der Song des Electro-Pop-Duos JOWST im Kern handelt, erklärt sich schon im Titel: "Grab the Moment", zu Deutsch: Ergreife den Moment. Der Song ist als Aufforderung zu verstehen, die mahnenden Stimmen im Kopf zu ignorieren und etwas zu riskieren, bevor das Leben ungelebt vorbeizieht.
Großbritannien: Lucie Jones' "Never Give Up On You" handelt davon, für einen anderen Menschen bedingungslos da zu sein. Kurzfassung: Wenn's dir schlecht geht, bin ich immer für dich da - musst nicht mal Bescheid sagen.
Zypern: Hovig besingt in "Gravity" die Anziehungskraft - wobei wir uns hier nicht im Fachbereich der Physik, sondern im zwischenmenschlichen Raum befinden. "Let me be your gravity", lass mich deine Schwerkraft sein: Es geht darum, der Ankerpunkt für einen anderen Menschen zu sein.
Rumänien: In "Yodel It!" singen - und jodeln - Alex Florea und Ilinca darüber, dass man seine Träume nicht aufschieben, sondern direkt angehen sollte. Denn: "If you never try" - wenn man es nicht versucht - "you'll never be alive" - ist man niemals richtig lebendig.
Neue Themen
Top Themen