ESC 2017: Wie Levina gnadenlos unterging

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Schräge Szenen auf der ESC-Bühne in Kiew: Ein tanzender Gorilla oder ein Anzugträger mit Pferdekopf - so etwas hätte es in der guten alten Zeit von Abba, Udo Jürgens und Co. nicht gegeben. Aber hätte Levina auf diese Art gewinnen können? © teleschau - der mediendienst GmbH

Das gab es noch nie in der Geschichte des ESC: Drei Männer moderierten gemeinsam. Das ukrainische Triumvirat Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko schwärmte über das Saal-Publikum: "There is so much love in this room!"
Jahr für Jahr fragen sich Zuschauer, warum Länder wie Israel oder Aserbaidschan am Eurovision Song Contest teilnehmen dürfen, obwohl sie geografisch nicht zu Europa gehören. Der Grund ist: Sie sind Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion. Etwas schief eröffnete Israels Imri Ziv mit seinem Song "I feel alive" den Wettbewerb.
Die Polin Kasia Mos zeigte bei ihrem Auftritt nicht nur viel Bein und viel Ausschnitt, sondern auch ein Faible für Bombast-Sound à la James-Bond-Soundtrack. "Flashlight" erinnerte stilistisch an den Siegertitel von 2014, "Rise like a phoenix" von Conchita Wurst. Für den Sieg reichte es aber noch lange nicht.
Zum ersten Mal schickte Weißrussland einen Beitrag in der eigenen Sprache. Die Passage "Heya Heya!" konnte man allerdings auch ohne Sprachkenntnisse intuitiv von der Couch aus mitsingen. Naviband erzählte, in brautkleidweißem Hippie-Look, die "Story Of My Life". Am Ende gab's einen Kuss. "Toll, es funktioniert," freute sich Peter Urban. Am Ende reichte es trotzdem nur für Platz 17.
Den Platz davor ergatterte der in Innsbruck geborene Nathan Trent für Österreich mit "Running On Air". Mit Soul in der Stimme und dem Mond im Hintergrund wirkte der junge Mann wie eine Ein-Mann-Boygroup.
Artsvik sang für Armenien das orientalisch angehauchte "Fly With Me".
OG3NE aus den Niederlanden erinnerten Urban mit ihrem dreistimmigen Harmoniegesang an ein Kult-Trio der Achtziger Jahre: "Musikalisch war es ein Besuch im Wilson Philips Museum." Mit 150 Punkten verfehlten unsere Nachbarn nur knapp die Top Ten.
SunStroke Project aus Moldau erinnerte mit "Hey, Mamma!" musikalisch daran, dass der Muttertag vor der Tür steht - und traf damit einen Nerv: Die Mischung aus Mutterliebe, Saxophon-Pop und Gangnam-Style landete überraschend auf Platz drei.
"Ich bin mir sicher, dass nicht jeder einverstanden ist, dass ein Roma beim ESC antritt", sagte Joci Pápai im Vorfeld. Stolz verströmte er für Ungarn exotisches Flair mit dem Song "Origo" und überraschte mitten in der von einer melancholischen Geige geprägten Melodie mit einer kurzen HipHop-Einlage. Dafür gab's am Ende Platz acht!
Francesco Gabbani ist in Italien längst ein Star und galt als einer der Top-Favoriten des Wettbewerbs. Dass er bei "Occidentali's Karma" einen Affen zum Tanzpartner machte, war mehr als nur ein Showeffekt: Im Text äußert er die These, dass wir unter der Oberfläche der Kultur nur unbehaarte Affen sind. Den Zuschauern war es für den Sieg dann wohl doch zu affig - der Favorit belegte nur Rang sechs.
Anja Nissen kommt aus Australien, trat aber dank ihrer dänischen Wurzeln für unsere nördlichsten Nachbarn an. "Where I Am?", fragte sich die Gewinnerin der australischen Ausgabe von "The Voice" in ihrem flotten Popstück. Beim ESC - auf Platz 20.
Salvador Sobral aus Portugal erregte mit "Amar Pelos Dois" Aufsehen, weil sein Beitrag eher nach Jazz-Konzert als nach ESC klang: "Ungewöhnlich leise Töne, die Portugal zum Mitfavoriten gemacht haben", stellte Urban fest.
Dihaj aus Aserbaidschan stand 2016 als Backgroundsängerin auf der ESC-Bühne, diesmal war sie mit ihrem Song "Skeletons" selbst die Hauptperson. Ihr Auftritt wirkte surreal und überdreht wie ein Lady Gaga-Videoclip. Dafür sorgte unter anderem ein Mann im Anzug auf einer Leiter, der eine Pferdekopf-Maske trug. "Ich bin ein Skelett", sang Dihaj dazu. Viele Zuschauer fragten sich: Ist das Kunst oder kann das weg?
Einen bleibenden Eindruck hinterließ Jacques Houdek. Der Juror der kroatischen Version von "The Voice" sang ein Duett - mit sich selbst. Er mischte seine Opernsänger-Ausbildung mit einer Pop-Stimme und sang "My friend" im imaginären Doppelpack. "Doctor Jackson und Mister Pavarotti", fasste Urban das schizophrene Erlebnis zusammen, das auf Rang 13 landete.
Isaiah kennen Australier von seiner Teilnahme an der Talentshow "X-Factor". Mit dem Ohrwurm "Don't Come Easy" bot er internationalen Radio-Pop. Dass seine langen Haare dabei wie von einer Windmaschine bewegt wirkten, sorgte für einen zusätzlichen Hauch von Dramatik.
"This is love" war der griechische Beitrag zum europäischen Musikfest - und der erinnerte stark an Loreens ESC-Siegertitel "Euphoria" aus dem Jahr 2012. Sollte sich die singende Juristin Demy nicht mit Plagiaten auskennen?
Manel Navarro aus Spanien sang "Do It For Your Lover". Die Stimmung des Songs erinnerte an die entspannten Sommersongs von Jack Johnson, doch klang der ESC-Beitrag zu eintönig und belanglos - er landete auf dem letzten Platz.
An diesen Song gingen Deutschlands zwölf Punkte: Jowst aus Norwegen sangen "Grab The Moment". Der Electro-Pop-Sound repräsentierte das moderne Gesicht des ESC, sie landeten damit aber nur auf dem zehnten Platz.
Lucie Jones sang "Never give up on you" für Großbritannien. Sie trug die Ballade mit Schmackes vor, der Song selbst aber blieb dennoch unscheinbar. Davon konnten auch zwei Tänzer, die sich in Pfützen räkelten, nicht ablenken.
Hovig Demirjian trat für Zypern mit "Gravity" an. "Er scheint sich den Song 'Human' ganz genau angehört zu haben", meinte Urban kritisch. Ob Rag 'n' Bone Man mehr als 68 Punkte geholt hätte?
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