"Alle an Board": Das ist das Motto des diesjährigen Eurovision Song Contest in Lissabon. "All Aboard" bezieht sich zum einen auf Portugals Lage direkt am Meer, will zum anderen aber auch die Vielfältigkeit der ESC-Teilnehmer zum Ausdruck bringen. 26 Länder gehen an den Start - für Deutschland singt diesmal Michael Schulte.

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Michael Schulte könnte auch als Ed Sheeran durchgehen - zumindest seine Musik erinnert ein bisschen an den Indie-Folk-Stil des Briten. Würde Sheeran für Großbritannien am ESC 2018 teilnehmen, sein Sieg wäre vermutlich schon so gut wie sicher. Bei Michael Schulte ist das leider nicht so klar.

Wie stehen die Chancen für den deutschen Teilnehmer Michael Schulte?

Immerhin rechnen die Buchmacher der Hoffnung für Deutschland bessere Chancen aus als den deutschen Vorjahresteilnehmern: 2015 war der absolute Tiefpunkt, als Sängerin Ann Sophie mit ihrem Lied "Black Smoke" 0 Punkte holte. Jamie-Lee (2016, "Ghost") und Levina (2017, "Perfect Life") gingen zwar nicht komplett leer aus, landeten aber auch auf dem letzten und dem vorletzten Platz.

Michael Schulte soll in Lissabon nun den deutschen ESC-Fluch beenden. Aktuell liegt er bei den Buchmachern im vorderen Mittelfeld: Verschiedene Wettanbieter sehen ihn irgendwo auf den Plätzen 6 bis 8. Allerdings heißt das noch gar nichts, wie auf der offiziellen ESC-Homepage erklärt wird. Denn gewettet wird nur auf den Sieg und nicht auf die weiteren Platzierungen.

Platz 6 sagt also lediglich aus, dass fünf andere Songs bessere Chancen haben zu gewinnen.

"You Let Me Walk Alone" heißt Michael Schultes selbst geschriebene Ballade. Er hat das Lied seinem Vater gewidmet, der vor 13 Jahren gestorben ist und nimmt somit jede Menge Gefühl mit auf die Bühne. Auch der Rhythmus des Songs ist eingängig. Der 28-Jährige selbst bezeichnet seine Musik als Mischung aus Pop, Alternative, Independent und Rock.

Ob es beim ESC allerdings für einen Sieg reicht, ist fraglich: Der Wiedererkennungswert von "You Let Me Walk Alone" ist eher gering.

ESC-Finale 2018: Das sind die Favoriten

Ganz anders hört sich das bei den Favoriten an. Aktuellen Quoten sehen die Israelin Netta weit vorne. Die 25-Jährige wurde in Tel Aviv geboren, erinnert an Beth Ditto und singt zu Beginn ihres Songs "Toy" den Satz: "Ich bin eine wunderschöne Kreatur." Eigenwillig ist ihre Musik allemal, sie vermischt eingängigen Pop mit orientalischen Klängen, zwischendurch gackert sie dann immer mal wieder wie ein Huhn.

Doch gerade so etwas wollen viele ESC-Fans hören. Netta lag in deren Gunst lange Zeit ganz vorne, bis sie irgendwann von Eleni Foureira aus Zypern abgelöst wurde. Diese singt den Song "Fuego" - und wer ihn am Samstag hören möchte, muss ziemlich lange dabei bleiben: Die 31-Jährige tritt als Vorletzte auf (die Startreihenfolge finden Sie weiter unten). "Fuego" hat Ohrwurmpotential. Doch das reicht der 31-Jährigen offenbar nicht: Sie zeigte sich auf ihrem Instagram-Profil komplett hüllenlos. Sex sells eben - und verhilft vielleicht auch zum Sieg.

ESC-Finale: Das ist die Startreihenfolge

  • Ukraine: Melovin mit "Under The Ladder"
  • Spanien: Amaia y Alfred mit "Tu Canción"
  • Slowenien: Lea Sirk mit "Hvala, ne!"
  • Litauen: Ieva Zasimauskaitė mit "When We're Old"
  • Österreich: Cesár Sampson mit "Nobody But You"
  • Estland: Elina Nechayeva mit "La Forza"
  • Norwegen: Alexander Rybak mit "That's How You Write A Song"
  • Portugal: Cláudia Pascoal mit "O Jardim"
  • Großbritannien: SuRie mit "Storm"
  • Serbien: Sanja Ilić & Balkanika mit "Nova Deca"
  • Deutschland: Michael Schulte mit "You Let Me Walk Alone"
  • Albanien: Eugent Bushpepa mit "Mall"
  • Frankreich: Madame Monsieur mit "Mercy"
  • Tschechien: Mikolas Josef mit "Lie To Me"
  • Dänemark: Rasmussen mit "Higher Ground"
  • Australien: Jessica Mauboy mit "We Got Love"
  • Finnland: Saara Aalto mit "Monsters"
  • Bulgarien: Equinox mit "Bones"
  • Moldawien: DoReDoS mit "My Lucky Day"
  • Schweden: Benjamin Ingrosso mit "Dance You Off"
  • Ungarn: AWS mit "Viszlát Nyár"
  • Israel: Netta mit "TOY"
  • Niederlande: Waylon mit "Outlaw In 'Em"
  • Irland: Ryan O'Shaughnessy mit "Together"
  • Zypern: Eleni Foureira mit "Fuego"
  • Italien: Ermal Meta e Fabrizio Moro mit "Non Mi Avete Fatto Niente"

ESC 2018: Wie viele Länder nehmen teil?

Insgesamt haben 43 Länder an den beiden Halbfinals teilgenommen, ins Finale 2018 haben es 26 geschafft. Wie in jedem Jahr waren die so genannten Big Five bereits im Vorfeld gesetzt: Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und Frankreich durften direkt ins Finale einziehen. Ebenfalls direkt fürs Finale gesetzt ist der Vorjahressieger Portugal. Alle anderen Länder mussten sich über die beiden Halbfinals qualifizieren.

ESC 2018: Wie funktioniert das Voting?

Alle Länder, die in den Halbfinals dabei waren und im Finale antreten, dürfen auch abstimmen. Die Abstimmung selbst ist zweigeteilt - zum einen entscheidet eine Jury, zum anderen können die Zuschauer per Televoting ihre Stimme abgeben, also über Telefon, SMS oder die ESC-App. Beide Teile entsprechen jeweils 50 Prozent.

Die Jury besteht aus Experten des Teilnehmerlandes. Für Deutschland sind das in diesem Jahr Sänger Max Giesinger, Songwriterin Lotte, Schlager-Ikone Mary Roos, Social-Media-Star Mike Singer und Manager Sascha Stadler.

Die Experten stimmen nicht während der Show ab, sondern tun das schon vorab bei der zweiten Generalprobe. In Deutschland geben sie ihre Stimmen bei einer nicht-öffentlichen Übertragung in Hamburg ab. Das Ergebnis wird dann beim ESC-Finale verkündet - 2018 macht das Moderatorin Barbara Schöneberger.

Für das eigene Land darf und kann man als Zuschauer übrigens nicht abstimmen.

ESC 2018: Warum ist eigentlich Australien dabei?

Immer wieder interessant ist die Tatsache, dass Australien bei einem europäischen Gesangswettbewerb an den Start geht. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Der ESC ist auf dem australischen Kontinent einfach unfassbar beliebt, seit er 1974 erstmals dort übertragen wurde. Im Jahr 2014 durfte Australien erstmals selbst in Europa mitsingen. 2018 fliegt Jessica Mauboy nach Lissabon, um dort mit ihren Song "We Got Love" aufzutreten.

ESC 2018 live im TV und im Live-Stream

Das ESC-Finale wird am Samstag, 12. Mai, live aus der portugiesischen Hauptstadt Lissabon übertragen. Los geht es um 21:00 Uhr.

Die ARD überträgt bereits ab 20:15 Uhr. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht zuhause ist, sich den Eurovision Song Contest aber dennoch nicht entgehen lassen will, kann das Finale über den Live-Stream auf eurovision.de verfolgen. Das Ende der Übertragung ist mit 0:40 Uhr angegeben. (pak)

Dienstag und Donnerstag fanden in Portugal die beiden Halbfinale des Eurovision Song Contest 2018 statt. 37 Länder traten an, von denen 20 am Samstag im großen Finale gegen die "Big Five" und das Gastgeberland antreten dürfen.