Schreckmoment auf der Bühne und Michael Schulte bricht den deutschen ESC-Fluch!

Kommentare433

Europa hat uns wieder lieb! 12 Punkte aus Holland, Dänemark, Norwegen und der Schweiz. Wie sich Michael Schulte in alle Herzen schmuste ... © teleschau - der mediendienst GmbH

Danke, Michael Schulte! Nach dem Katastrophen-Triple in den letzten Jahren (Letzter, Letzter, Vorletzter) konnte Deutschland dank des rotgelockten Ed-Sheeran-Verschnitts aus Buxtehude und seiner gefühlvollen Ballade "You Let Me Walk Alone" wieder ganz oben mitsingen. Nur "die schönste Zahnlücke des Abends", eine Sexbombe im Bodysuit und eine dralle Winkekatze waren noch besser. Den schlechtesten Auftritt hatte eindeutig ein "ESC"-Flitzer ...
Im vergangenen Jahr führten drei Männer durch die Show in Kiew. Lissabon antwortete mit vier Frauen. Daniela Ruah, Sílvia Alberto, Catarina Furtado and Filomena Cautela (von links) hatten die 11.000 Zuschauer in der Altice Arena im Griff. Was ein feministisches Statement hätte sein können, wurde allerdings durch die teils sehr tiefen Ausschnitte der Damen wieder ad absurdum geführt.
Seine Auferstehung aus dem Piano-Sarg eröffnete den 63. "Eurovision Song Contest". Mélovin, eine Mischung aus Graf Dracula und Marc Almond mit gruseliger Kontaktlinse, ging für die Ukraine mit "Under The Ladder" an den Start. "Das ist kein Glasauge", gab Kommentator Peter Urban Entwarnung.
Der war überhaupt gut drauf: "Schick wie für Omas 80. Geburtstag!", lästerte er über das spanische Duo. In der Ballade "Tu canción" sangen die zuckersüße Amaia Romero und Grinsekatze Alfred Garcia über die erste große Liebe. Schwer zu ertragen. Kommentar Urban: "Ein Song wie für 'High School Musical 4'!"
Als "die schönste Zahnlücke des Abends" bezeichnete das "ESC"-Kommentatoren-Urgestein schließlich Cesár Sampson, der für Österreich antrat. Etwas mehr Respekt bitte, Herr Urban! Mit seinem Midtempo-Stück "Nobody But You" war Sampson haushoher Favorit bei der internationalen Jury. Nach dem Publikums-Voting reichte es noch für Platz drei - mit 342 Punkten!
Hoch hinaus wollte auch Opernsängerin Elina Nechayeva für Estland. Und fuhr dafür schwere Geschütze auf. Genau genommen acht Kilogramm. So viel wog nämlich ihr Kleid - das teuerste Kostüm der "ESC"-Geschichte, das auch als LED-Leinwand fungierte. "La forza" hieß ihr Crossover aus Klassik und Pop.
Der putzige Zaubergeiger Alexander Rybak aus Norwegen konnte sein "Fairytale" nicht wiederholen. Der Gewinner von 2009 landete mit seiner funkigen Eigenkomposition "That's How You Write A Song" nur im hinteren Mittelfeld. Grund zum Feiern gab es trotzdem: Rybak wurde um Mitternacht 32.
Das ging nach hinten los: Cláudia Pascoal (rechts) wollte den Titel für ihr Heimatland Portugal verteidigen. "O jardim", ein Duett mit der Komponistin Isaura, landete allerdings auf dem letzten Platz. Ups! Dennoch hatten die Portugiesen Grund zur Freude ...
Als Interval-Act trat nämlich Vorjahressieger Salvador Sobral (links) auf. Und das ist gar nicht selbstverständlich. Der amtierende "ESC"-Gewinner, Portugals erster überhaupt, hatte erst im Dezember vergangenen Jahres ein Spenderherz erhalten. An der Seite des brasilianischen Künstlers Caetano Veloso performte Sobral seinen Sieger-Song "Amar pelos dois" - und sah erfreulich gesund aus.
Richtig gute Laune machte auch Tschechien: Mikolas Josef (Mitte) trug Hosenträger, Fliege, Streberbrille und einen schicken Schulranzen. Zum eigenen Titel "Lie To Me" gab's auch noch Akrobatik-Einlagen.
Die Unterstützung von Ober-Monster Lordi hat nicht geholfen: Die Finnin Saara Aalto ging mit ihrem Song "Monsters" mächtig baden. Trotz vollstem Körpereinsatz auf einer drehenden Zielscheibe. Vorletzter Platz!
Peter Urban war dieses Jahr wohl nicht so auf einer Wellenlänge mit den Jury-Votings. "Klingt wie ein Track, den Justin Timberlake aussortiert hat", lästerte er über den Beitrag "Dance You Off" des schönen Schweden Benjamin Ingrosso. Die internationalen Experten sahen die Ein-Mann-Boyband allerdings weit vorn. Nicht so das Publikum. Insgesamt gab's von dem nur 21 Punkte - "das killt alle Chancen".
Kein Favorit der Jury: Ungarn. Mit "Viszlát nyár" ("Auf Wiedersehen Sommer"), einem Lied über das Sterben, machten AWS ordentlich Krach auf der Bühne. "Das hat die Ohren mal richtig durchgepustet", kommentierte Urban den gepflegten Punkrock.
Ist es Shakira? Ist es Beyoncé? Nein, es ist Eleni Foureira, die in einem hautengen Bodysuit nicht nur Peter Urban auf komische Gedanken kommen ließ ("Was bedeutet wohl die Zeile: 'Du lässt meinen Pelikan fliegen'?"). Der feurige Ethno-Popsong "Fuego" bescherte Zypern Platz zwei.
Brenzlig wurde es auch für SuRie aus Großbritannien. Als die 29-Jährige ihren Popsong "Storm" präsentierte, stürmte ein Mann auf die Bühne und entriss ihr das Mikro. Der Störer konnte allerdings schnell überwältigt werden. SuRie sang souverän und gut weiter und verzichtete auch auf die Chance, ihren Auftritt zu wiederholen. Leider reichte es nur für den drittletzten Platz.
Seinen gefühlvollen Song "You Let Me Walk Alone" hat Michael Schulte seinem verstorbenen Vater gewidmet. Bald wird der YouTube-Star selbst Papa. Sorgte das für die Extra-Portion Emotion? Unser Mann für Lissabon legte einen phantastischen Auftritt hin. Da blieb kein Auge trocken!
Einen schönen Abend hatte auch Netta aus Israel. Das Beth-Ditto-Double wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann haushoch mit 529 Punkten. Die 25-Jährige traf mit der Elektropop-Nummer "Toy", einem feministischen Song zur #metoo-Debatte, den Geschmack von Jury und Publikum.
Ihre Botschaft an respektlose Männer: "I'm not your toy, you stupid boy". Was Ententanz, Gackergesang und Winkekatzen damit zu tun haben, blieb offen. "Thank you so much for choosing different!", freute sich Netta nach dem Sieg. Gern geschehen!
Neue Themen
Top Themen