Erst hart, dann zart: Die erstaunliche Wandlung von Rapper Sido

Vom Skandal-Rapper zum handzahmen Musiker: Paul Würdig alias Sido hat eine beachtliche Wandlung hinter sich. Am 30. November feiert der gebürtige Berliner seinen 40. Geburtstag. Ein Rückblick. © 1&1 Mail & Media/spot on news

1980 erblickte Paul Hartmut Würdig im Osten Berlins das Licht der Welt. Seine Mutter zog ihn und seine jüngere Schwester allein groß.
Schon früh drehte sich sein Leben um Hip-Hop. Als er schließlich auf den Rapper B-Tight traf, war das der Beginn seiner Karriere.
Fortan gaben Sido und B-Tight unter dem Namen Royal TS provokante und aggressive Rap-Songs zum Besten. Schnell wurde das Plattenlabel Aggro Berlin auf die beiden aufmerksam. 2001 unterschrieben sie einen Plattenvertrag und aus Royal TS wurde Die Sekte.
Nur zwei Jahre später begann Sido seine Solokarriere. Seine mitunter frauenfeindlichen Texte schlugen hohe Wellen, der Rapper war bald in aller Munde. Mit seinem Debüt-Album "Maske" (2004) gelang Sido der große Durchbruch. Trotz Themen wie Drogen und Gewalt landete die Platte auf Platz drei der deutschen Charts und Sido bekam seine erste Goldene Schallplatte.
Bis 2005 verbarg der Rapper sein Gesicht unter einer Totenkopfmaske. Als er in jenem Jahr beim Bundesvision Song Contest für Berlin auftrat, nahm er seine Maske erstmals ab. Doch warum die plötzliche Demaskierung?
Eigentlich wollte Sido mit der Maske seine Privatsphäre schützen. Doch die ständigen Spekulationen um den Mann hinter der Maske gingen dem Rapper gehörig gegen den Strich – und er bekam weitaus mehr mediale Aufmerksamkeit, als ihm lieb war.
Der Höhenflug hielt weiter an. Weitere Solo-Alben kamen, darunter "Ich und meine Maske" (2008), "Aggro Berlin" (2009) und "30-11-80" (2013). Alle drei Platten brachten Sido Platzierungen in den Charts sowie weitere Goldene Schallplatten ein.
Eine Zusammenarbeit mit dem Rapper Kool Savas verhalf Sido zu einem weiteren Album, "Royal Bunker" (2017), und zu seinem eigenen Label. Goldzweig wurde 2015 gegründet.
Während es musikalisch für Sido stetig bergauf ging, sorgte er mit seinen Auftritten regelmäßig weiter für Aufsehen. Sein Rüpel-Image verdankte er mitunter Schlägereien, wie etwa im Backstage-Bereich bei den MTV HipHop Open 2004. Auslöser für den Konflikt mit Rapper Azad waren provokante Ausdrücke, die Sido zuvor auf der Bühne von sich gegeben hatte.
Dennoch hat Sido sein Gangster-Image heute weitgehend hinter sich gelassen. Kool Savas und B-Tight wurden durch Adel Tawil (Bild) ersetzt.
Auch im Filmgeschäft hat der Rapper einige Auftritte vorzuweisen. 2009 hatte Sido einen Cameo-Auftritt in Mario Barths (l.) Komödie "Männersache".
Im Dezember 2011 lief der Spielfilm "Blutzbrüdaz" mit Sido und B-Tight in den Hauptrollen in den deutschen Kinos und lockte allein in der ersten Woche 130.000 Zuschauer an.
Eine weitere Rolle ergatterte Sido in der Filmkomödie "Halbe Brüder" (2015) neben Tedros "Teddy" Teclebrhan (r.) und Fahri Yardim (l.).
In Sachen Liebe hat Sido bis heute nicht sein großes Glück gefunden. Von 2005 bis 2012 war er mit Doreen Steinert liiert, Sängerin der ehemaligen Pop-Band Nu Pagadi. Nach der gelösten Verlobung traf Sido …
… die Moderatorin Charlotte Engelhardt. Im Sommer 2012 gaben sich die beiden das Jawort. Sie haben zwei gemeinsame Kinder. Sido brachte ein weiteres Kind aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe. Doch auch ihre Liebe sollte nicht halten.
Im März 2020 trennte sich das Paar. "Ich habe für mich irgendwann festgestellt, dass wir nicht mehr als das klassische Ehepaar - mit den einst vereinbarten Werten und Moralvorstellungen - existieren können", erklärte Charlotte Würdig im Interview mit dem Magazin "Gala". Die beiden seien aber im Guten auseinandergegangen.
Sidos musikalische Erfahrungen waren auch schon in zahlreichen TV-Sendungen gefragt. So saß der Rapper 2007 in der Jury der Castingshow "Popstars" neben Detlef D! Soost und Sängerin Loona.
2018 wechselte er Sender und Stuhl und nahm hinter dem Jury-Pult von "X Factor" bei Sky Platz.
2019 ging Sido unter die Coaches von "The Voice of Germany". Nach nur einer Staffel gab er diesen Posten aber wieder ab.
Und was ist mit der Maske? "Die ist eingesperrt", versicherte der Musiker 2015 im Interview mit der "Osnabrücker Zeitung". Inzwischen habe er "eine neue Maske anfertigen lassen, falls ich sie mal brauche". Ob wir die in den nächsten Jahren einmal zu Gesicht bekommen werden?