John Lennon wäre heute 80: Ein Leben zwischen Musik, Happenings und Liebe

Am 9. Oktober 2020 wäre John Lennon, Mitbegründer der Beatles, 80 Jahre alt geworden. Zu seinen Ehren erscheint am selben Tag die neue Songsammlung "Gimme Some Truth", die 36 Songs der britischen Musiklegende enthält. Wir blicken auf sein Leben zurück, das durch ein Attentat zu früh beendet wurde. © 1&1 Mail & Media/spot on news

John Lennon kam am 9. Oktober 1940 in der nordenglischen Stadt Liverpool zur Welt. Der Zweite Weltkrieg herrschte, die Eltern Alfred und Julia gaben ihm den zweiten Vornamen Winston – nach dem damaligen britischen Premier Churchill. Schon als Kind begeisterte Lennon sich für Musik und begann, Mundharmonika zu spielen.
Lennons Eltern ließen sich 1945 scheiden, Lennon wohnte lange bei seiner Tante Mimi, hatte zu den Eltern keinen Kontakt. Seine Mutter Julia (re.) brachte ihm etwas später das Banjospielen bei. Die Mutter starb bei einem Autounfall, als John Lennon 17 war – von ihr handelt der Beatles-Song "Julia".
Während seiner Jugend wurde Rock'n'Roll immer beliebter und beeinflusste auch den jungen John Lennon (2. v.l.), vor allem Elvis Presley war ein Vorbild für ihn. 1956 gründete Lennon mit seinem besten Freund Pete Shotton seine erste Band "The Quarrymen". Bei einem Auftritt 1957 lernte er den zwei Jahre jüngeren Paul McCartney (3. v. l.) kennen und nahm ihn in die Gruppe mit auf. 1958 schloss sich dann dessen Schulfreund George Harrison (re.) an, 1959 folgte Lennons Freund Stuart Sutcliffe (l.).
1960 komplettierte Pete Best die Gruppe, die sich fortan "The Beatles" nannte. Von 1960 bis 1962 hatten die Jungs mehrere Engagements in Hamburg und verbrachten ihre Zeit in der norddeutschen Stadt. Als sie schließlich nach Liverpool zurückkehrten, wuchs ihre Popularität auch dort – es folgten zahlreiche Auftritte im berühmten Cavern Club, wo sie ihren Manager Brian Epstein trafen. Er war es, der den Beatles ein Vorspiel bei Musikproduzent George Martin organisierte. Die Band erhielt ihren ersten Plattenvertrag, Schlagzeuger Pete Best wurde durch Ringo Starr (li.) ersetzt – die Beatles waren nun komplett.
1962 wurde Cynthia Powell (re.), mit der Lennon schon einige Jahre zusammen war, schwanger. Mit Brian Epstein als Trauzeuge heiratete das Paar im selben Jahr, der Sohn Julian – benannt nach Lennons verstorbener Mutter – wurde 1963 geboren.
Die erste Single der Beatles "Love Me Do" – geschrieben von Lennon und McCartney – wurde 1962 veröffentlicht. Kurz darauf folgte mit "Please Please Me" der erste große Charterfolg und 1963 das gleichnamige Album.
Beatlemania: 1964 eroberten die Beatles auch die USA. Im Februar reisten sie erstmals nach New York, wo Tausende Fans die vier begrüßten. Während ihres New-York-Aufenthalts schrieb die Gruppe TV-Geschichte: 73 Millionen Zuschauer schalteten ein, um den Auftritt der Band in der "The Ed Sullivan Show" zu verfolgen.
John Lennon schrieb nun immer mehr der Beatles-Songtexte selbst, sein Stück "In My Life" wurde vom britischen Musikmagazin "Mojo" zum besten Song aller Zeiten gewählt. Die Musik der Gruppe entwickelte sich, vor allem durch Lennon, stark weiter: Das Album "Revolver" aus dem Jahr 1966 ist geprägt von Lennons Kontakt mit der psychedelischen Droge LSD.
1966 gingen die Beatles auf ihre letzte Tournee. Eine Aussage Lennons, die Beatles seien beliebter als Jesus, führte zu mehrfachen Attacken auf die Band, vor allem in den USA. Nach einem letzten Konzert in San Francisco beschlossen die Pilzköpfe, nicht mehr auf Tour zu gehen.
John Lennon nahm nun auch Projekte außerhalb der Beatles an – zum Beispiel im Antikriegsfilm "Wie ich den Krieg gewann". So kam auch sein berühmter Brillenlook zustande: Er sollte sein Aussehen verändern und den typischen "Beatles-Look" ablegen. Das bedeutete: kurze Haare und Brille. Er entschied sich für eine Nickelbrille mit runden Gläsern, die zu seinem Markenzeichen wurde.
Ohne die zeitintensiven Tourneen konnten die Beatles nun auch mehr Zeit der Arbeit im Studio widmen. Lennon komponierte 1967 das Stück "Strawberry Fields Forever", das bis heute als eines seiner größten Meisterwerke gilt.
Die Beatles erschufen nun nicht mehr nur Pop-Musik, sie wurden als richtige Künstler gesehen. 1967 veröffentlichte die Band das Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", für welches Lennon die Hits "Lucy in the Sky with Diamonds" und "A Day in the Life" komponierte. Für die erste weltweit ausgestrahlte Live-Fernsehsendung "Our World" komponierte Lennon "All You Need is Love" – die Hymne des Summer of Love, 1967.
Während ihrer Ausstellung in einer Londoner Galerie lernte John Lennon 1966 die japanische Künstlerin Yoko Ono kennen und fing eine Affäre mit ihr an. Es folgte die Trennung von seiner Frau Cynthia. 1968 wurden Lennon und Ono unter großem Medientrubel wegen Besitzes von Marihuana verhaftet.
Die beiden waren nicht nur romantisch ein Paar, sondern auch künstlerisch: 1968 präsentierten sie ihre erste gemeinsame Ausstellung "You Are Here", im selben Jahr veröffentlichten sie das Album "Unfinished Music No. 1: Two Virgins" – weil beide nackt auf dem Cover zu sehen waren, erregte dieses viel Aufmerksamkeit. Der Verkauf des Werks wurde reihenweise verboten, die Polizei beschlagnahmte Zehntausende Exemplare.
Im Dezember 1968 trat John Lennon erstmals ohne die Beatles auf – Eric Clapton (li.), Keith Richards (re.), Mitch Mitchell und Lennon (mi.) nannten sich "The Dirty Mac" und spielten die Lieder "Yer Blues" und "Her Blues" im TV-Special "Rock and Roll Circus".
Im März 1969 heiratete John Lennon Yoko Ono in Gibraltar. Seine Flitterwochen verbrachte das Paar mit einem einwöchigen "Bed-In" – um ein Zeichen für den Frieden zu setzen, gaben sie täglich ein Interview von ihrem Bett im Amsterdamer Hilton Hotel aus. Von den Ereignissen ihrer Flitterwochen handelt der Beatles-Song "The Ballad of John and Yoko".
Einsatz für den Frieden: 1969 gründeten John Lennon und Yoko Ono die "Plastic Ono Band", deren erste Single "Give Peace A Chance" ein Charterfolg wurde. Im selben Jahr gab Lennon seinen "Member of the British Empire"-Orden zurück, den er vier Jahre zuvor mit den anderen Bandmitgliedern erhalten hatte. Seine Begründung: die Beteiligung Großbritanniens an den Kriegen in Biafra und Vietnam. Im Dezember organisierte das Paar die Plakatkampagne "War Is Over" in Großstädten weltweit.
Lennon entfernte sich immer weiter von den Beatles, das letzte gemeinsame Album der Gruppe war 1969 "Abbey Road" – eines der erfolgreichsten, Lennon kritisierte es später jedoch häufig. 1970 verkündete Paul McCartney die offizielle Auflösung der Band.
1970 kam Lennons erstes Soloalbum "John Lennon/Plastic Ono Band" auf den Markt, das Lied "God" enthielt einen Seitenhieb gegen seine Ex-Band. Im März 1971 folgte die sehr politische Single "Power to the People", wenige Monate später das Album "Imagine", das Spitzenpositionen in den weltweiten Charts erreichte – der gleichnamige Song gilt als Lennons größter Soloerfolg überhaupt.
1971 beschloss Lennon, seine Heimat hinter sich zu lassen und zog mit Yoko Ono nach New York, wo das Paar eines der bis heute meistgespielten Weihnachtslieder "Happy Xmas (War Is Over)" aufnahm. Es folgten weitere Alben und Singles, vor allem politische Protestlieder gegen die Lage in den USA der Ära Richard Nixon. Dessen Administration "fürchtete" sich vor dem "radikalisierenden" Künstler John Lennon und ließ ihn vom FBI überwachen. Lennon und Ono thematisierten in ihren Liedern unter anderem den Aufstand in der Attica Correctional Facility, den Nordirlandkonflikt und Sexismus.