Zum 50. Geburtstag von Moses Pelham: Die bekanntesten Rapper der 90er Jahre

Moses Pelhams Karriere als Rapper nahm in den 1990er Jahren Fahrt auf, später wurde er zu einem der bedeutendsten Produzenten des deutschen Hip-Hops. Seit mehr als 30 Jahren beeinflusst der Frankfurter, der am 24. Februar 50 wird, die hiesige Musikszene wie kaum ein anderer. Diese Künstler prägten ebenfalls die goldene Rap-Ära. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Bereits in seiner Schulzeit stellte Pelham seine ersten Mixtapes zusammen, nachdem er mit zwölf Jahren im USA-Urlaub erstmals mit Rap in Berührung gekommen war. Im Alter von 18 Jahren veröffentlichte er mit "Twilight Zone" seine erste kommerzielle Single.
Noch im selben Jahr folgte mit "Raining Rhymes" sein erstes Album. Bis heute kamen acht weitere hinzu, darunter die Erfolgsalben "Geteiltes Leid I-III" (1998, 2004, 2012) und "Herz" (2017). Außerdem war Pelham verantwortlich für die Produktion zahlreicher Künstler wie UnterWortverdacht, Illmatic und Sabrina Setlur. Zusammen mit Cassandra Steen und Martin Haas bildet er die Soulband Glashaus.
Moses Pelham war maßgeblich am Erfolg Sabrina Setlurs beteiligt, deren Single "Hier kommt die Schwester/Pass auf" er 1995 produzierte. Setlur, die sich in einer reinen Männerdomäne durchzusetzen wusste, war die erste Rapperin, die in den deutschen Singlecharts einen Nummer-eins-Hit landete: mit "Du liebst mich nicht" (1997).
1991 veröffentlichten Die Fantastischen Vier ihren ersten Song "Jetzt geht's ab" auf dem ersten deutschen Hip-Hop-Sampler "Krauts with Attitude", der als repräsentativer Querschnitt durch die deutsche Hip-Hop-Szene der frühen 1990er gilt. Inzwischen blicken die Stuttgarter auf eine mehr als 30 Jahre lange Karriere zurück, in der sie mit zahlreichen Erfolgsalben und -singles die deutsche Hip-Hop-Landschaft maßgeblich prägten.
1991 gründeten sich in Hamburg die Absoluten Beginner, heute nur noch als Beginner bekannt, die mit Songs wie "Liebes Lied" (1998) und "Füchse" (1998) den deutschen Hip-Hop bereicherten. Auch heute machen Jan Delay, Dennis Lisk und Guido Weiß (v.l.n.r.) noch Musik - erst 2016 gelang ihnen mit "Advanced Chemistry" ein Nummer-eins-Album.
Fettes Brot gründeten sich 1992 ursprünglich als Schulband, aus der eine der erfolgreichsten Hip-Hop-Formationen Deutschlands wurde. Der 1996 veröffentlichte Song "Jein" (1996) stimmt auch heute noch Kinder der Neunziger nostalgisch.
Die Geschichte von Massive Töne beginnt ähnlich wie die von Fanta 4 1991 in Stuttgart. Mit ihrem Album "Kopfnicker" (1996) und der gleichnamigen Single erlangten die Musiker in der deutschen Rapszene erste Bekanntheit, 1999 veröffentlichten sie mit dem Album "Überfall" ihren bis dato größten kommerziellen Erfolg.
Ebenfalls in Stuttgart gründete sich 1996 die Band Freundeskreis, bestehend aus Max Herre (hier im Bild), Don Philippe und DJ Friction. Sie sahen sich als Vertreter des "Conscious Rap", schrieben Texte über Gleichberechtigung und internationale Verständigung. Zu den bis heute erfolgreichsten Veröffentlichungen gehört die Ohrwurm-Single "A-N-N-A" aus dem Debütalbum "Quadratur des Kreises" (1997). 2007 löste sich die Band auf.
Blumentopf - bestehend aus Kung Schu, Holunder, Specht, Master P und Sepalot - gründeten sich 1992 in Freising und rappten mit Wortwitz über alltägliche Dinge, aber auch ernstere politische und gesellschaftliche Themen wie den Irak-Krieg. 2001 gewannen sie den "Bravo Otto" in der Kategorie "Hip-Hop National". 2015 gaben die Musiker das Ende der Band bekannt.
Dynamite Deluxe war eine Band der drei Rapper Samy Deluxe (li.), Tropf und DJ Dynamite (re.), die sich Mitte der 1990er Jahre in Hamburg gründete. Den großen Durchbruch hatte Samy Deluxe Ende der 1990er ohne die anderen beiden, als er mit den Absoluten Beginnern auf deren Single "Füchse" zu hören war. 2008 war Schluss für Dynamite Deluxe.
Der gebürtige Pole DJ Tomekk erhielt 1991 mit 15 Jahren seinen ersten Plattenvertrag und 1993 beim Berliner Sender Kiss FM seine eigene Hip-Hop-Radioshow. Bald wurde man auch in den USA auf ihn aufmerksam, wo er noch vor Eminem einer der ersten weißen Rapper wurde. Er arbeitete, unter anderem als Produzent, mit Run-D.M.C., dem Wu-Tang Clan, LL Cool J, Lauryn Hill und Jay-Z und gilt bis heute als fester Bestandteil der US-amerikanischen und der deutschen Rapszene.
In den USA war Rap in den 1990ern schon etwas fester in der populären Kultur verankert als in Deutschland. Dort dominierten Künstler wie die Band Run-D.M.C. bereits seit Mitte der 80er Jahre und galten als Pioniere des Genres. Anfang der 90er Jahre stand die Formation am Höhepunkt ihrer Karriere. 2002 löste sich die Gruppe auf.
Die Hip-Hop-Combo N.W.A. aus Los Angeles brachte drei der größten Stars der US-Rapszene hervor: Eazy-E, Dr. Dre und Ice Cube (hier im Bild). Ab Anfang der 1990er Jahre gingen die drei Rapper, deren Geschichte im Film "Straight Outta Compton" erzählt wird, getrennte Wege und begannen jeweils erfolgreiche Solokarrieren.
Mit mehr als 18 Millionen verkauften Alben ist die Latino-Combo Cypress Hill aus L. A. eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Hip-Hop-Gruppen aller Zeiten. Songs wie "(Rock) Superstar", "(Rap) Superstar" und "Can't Get The Best Of Me" (2000) sind bis heute unvergessen.
Kaum zu glauben: Auch LL Cool J ist mittlerweile über 50 Jahre alt. Der gebürtige New Yorker begann bereits im Alter von elf Jahren, seine ersten Texte zu schreiben. Später variierte er zwischen Hardcore-Rap wie "I Can't Live Without My Radio" (1985) und romantischen Balladen wie "I Need Love" (1987). Auch heute ist LL Cool J noch als Rapper aktiv, steht aber auch als Schauspieler für Serien wie "Navy CIS: L.A." vor der Kamera.
In Kalifornien war zur goldenen Ära der Rapmusik Snoop Dogg eine der prägendsten Figuren der Szene. Snoop Dogg, bürgerlich Calvin Broadus, wurde von Dr. Dre entdeckt und veröffentlichte alleine in den Neunzigern drei Nummer-eins-Alben in den USA: "Doggstyle" (1996), "Tha Doggfather" (1996) und "The Game Is To Be Sold, Not To Be Told" (1998). Noch 30 Jahre später macht er Musik, inzwischen aber auch mal Reggae, Funk oder Gospel.
Die New Yorker Gruppe Wu-Tang Clan machte sich ebenfalls Anfang der 90er einen Namen - mit einem düsteren, neuen Stil des Hip-Hop. Ihr erfolgreichster Tonträger ist bis heute das Debütalbum "Enter the Wu-Tang (36 Chambers)" aus dem Jahr 1993, unvergessen bleiben Songs wie "C.R.E.A.M" (1994) und "Gravel Pit" (2000).
Jay-Z blickt auf eine lange Karriere zurück und ist ein echtes Urgestein der Rapmusik, außerdem ist er auch heute noch in aller Munde. Mit Alben wie "In My Lifetime, Vol. 1" (1997), "Vol. 2... Hard Knock Life" (1998) und "Vol. 3... Life and Times of S. Carter" (1999) dominierte er Ende der Neunziger wochenlang die US-Charts. Als CEO der Plattenfirma Def Jam feierte er mit anderen Künstlern weitere Erfolge. Seit 1999 hat Jay-Z, bürgerlich Shawn Carter, insgesamt 18 Grammys gewonnen.
Auch der New Yorker Nas hat sich seinen Platz in der Liste der bekanntesten Rapper der 90er definitiv verdient. Mit seinem Album "Illmatic" setzte er 1994 einen Meilenstein in der Geschichte des Hip-Hop. Aufgrund seiner musikalischen Leistungen und politischen Denkweise gilt er als einer der bedeutendsten Rapper aller Zeiten.
In den USA hielt vor allem eines die Hip-Hop-Szene der 90er in Atem: der ständige Konflikt zwischen East und West Coast. Die unaufgeklärten Morde der Ost-West-Konkurrenten Tupac Shakur (re.) und The Notorious B.I.G. (li.), die 1996 und 1997 innerhalb weniger Monate erschossen wurden, stehen symbolisch für diese ewige Auseinandersetzung. Tupac Shakur prägte den Hip-Hop wie kaum ein anderer - 75 Millionen verkaufte Tonträger sprechen für sich. Der "Rolling Stone" listet ihn als einen der 100 größten Musiker aller Zeiten.