Pete Townshend wird 75: Mit Riffs und Hits verhalf er The Who zu Weltruhm

Am 19. Mai feiert Pete Townshend seinen 75. Geburtstag. Seine energetischen Live-Auftritte sind ebenso legendär wie die Songs, die er für The Who schrieb – eine der größten Rockbands aller Zeiten. Das sind seine größten Momente. © spot on news

Pete Townshend wurde als Sohn zweier Berufsmusiker am 19. Mai 1945 in London geboren, seine erste Gitarre schenkte ihm seine Großmutter zu Weihnachten. Zu Schulzeiten spielte er in einer Jazz-Formation mit dem späteren The-Who-Bassisten John Entwistle, der ihn später in die Rock-'n'-Roll- und Skiffle-Band The Detours holte, in der auch ein gewisser Roger Daltrey sang.
Aus The Detours wurde 1964 The Who: Gitarrist Pete Townshend, Drummer Keith Moon, Sänger Roger Daltrey und Bassist John Entwistle (v.l.). Bereits ihre ersten Songs, hauptsächlich geschrieben von Townshend, waren Klassiker. Darunter "My Generation", "I Can't Explain", "Substitute" oder "I Can See For Miles".
Schnell wurden The Who zum aufregenden Live-Phänomen auf der Insel. Die Energie zwischen den Bandmitgliedern war außergewöhnlich, auch wenn Pete Townshend nicht viel Leidenschaft für die Auftritte aufbringen konnte, wie er in einem Interview mit der dpa 2019 verriet: "Es hat mir nie wirklich Spaß gemacht", sagte er. "Es bereitet mir keine Freude, ich bin nicht aufgeregt, es ist mir im Prinzip egal."
Dennoch wirkte der Gitarrist live nicht gerade introvertiert – im Gegenteil: Townshend war auf der Bühne nicht zu bändigen.
Wilde Sprünge und raues Gitarrenspiel integrierte er gleichermaßen gekonnt in einen jeden The-Who-Gig. Perfektioniert hat Townshend die sogenannte Windmühle, bei der er mit dem rechten Arm rotierend die Gitarrensaiten anschlug. Abgeschaut hat er sich die effektvolle Showeinlage bei Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards.
Mit einer versehentlichen Bühnenaktion schuf Townshend eine der spektakulärsten Rituale der Rockgeschichte: Bei einem etwas zu energischen Konzert Anfang der 60er Jahre stieß er sein Instrument versehentlich an die Decke und die Gitarre ging tatsächlich kaputt. Um das Publikum zu beeindrucken, zerlegte er das teure Instrument in seine Einzelteile und sorgte damit für erstaunte Gesichter – die Geburtsstunde einer spektakulären, wenn auch kostspieligen Tradition.
Über die Jahre zerstörte Townshend auf der Bühne unzählige Gitarren aller Art, darunter auch sehr seltene und wertvolle Exemplare. Leid getan habe ihm das aber nie: "Momente der Reue traten nur kurz ein, wenn ich auf Menschen traf, die Gitarren bauen und Sätze sagen wie: Ein Jahr habe ich an diesem Wunderding gearbeitet", so der Gitarrist einmal gegenüber "Die Zeit".
Wenn Pete Townshend mit The Who auftrat, nahm das für die von ihm gespielte E-Gitarre meist kein gutes Ende – ein Zeitdokument, ausgestellt im renommierten Metropolitan Museum of Art in New York.
Mindestens genauso beeindruckend wie seine Live-Performance war sein technisches und melodisches Spiel. In der Liste "Die 100 besten Gitarristen aller Zeiten" des "Rolling Stone" steht Pete Townshend auf Platz 10.
Andy Summers von The Police schrieb darin über ihn: "Pete spielt nicht gerade viele Soli – viele Leute wissen deshalb gar nicht, wie gut er als Gitarrist ist. Seine Bedeutung für die Rockmusik kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Letztlich war er der Erfinder des Power-Akkords, und auf den frühen Who-Platten hört man schon vieles, was auf Led Zeppelin hindeutet. Eine Menge von dem, was damals in der Musik passierte, geht auf ihn zurück."
Keith Moon und John Entwistle sind zwar bereits gestorben, Daltrey und Townshend denken aber noch lange nicht ans Aufhören. Nach Klassiker-Alben wie "Who's Next" oder "Tommy" und großen Songs wie "Won't Get Fooled Again" oder "Baba O'Riley" veröffentlichten sie vergangenes Jahr erst wieder ein neues Studioalbum.