Schläge, Knast und Blasphemie: Skandale der Musikgeschichte

Kommentare70

Ozzy Osbourne wird 68. Unvergessen bleibt sein Auftritt mit Black Sabbath, als er einer Taube den Kopf abgebissen hat. Ein Skandal in der Musikwelt. Dass auch die Beatles, Michael Jackson und viele andere Musiker große Skandale vorzuweisen haben, zeigen wir hier. © Promiflash

Ein wandelndes Skandal-Katapult ist Ozzy Osbourne. Christliche Gruppierungen vermuten hinter dem Black-Sabbath-Frontmann seit eh und je einen Satanisten. Außerdem biss er Anfang der 80er-Jahre erst einer Taube den Kopf ab, wenige Zeit später und noch öffentlichkeitswirksamer den einer Fledermaus - eine der ikonischsten Aktionen der "schwarzen Musik".
Sänger Chris Brown schlug nach einem Streit seine damalige Freundin Rihanna (hier im Gerichtssaal). Bilder der verprügelten Sängerin gingen danach durchs Netz. Brown wurde verurteilt, bekam eine Bewährung und Sozialstunden aufgebrummt. Zudem sollte ihn ein Anti-Aggressionsprogramm wieder in die Spur bringen. Noch heute werden Konzerte des Sängers von Protestzügen umlagert.
Janet Jacksons Brustentblößung ("Nipplegate") während der Super-Bowl-Übertragung 2004 schadete ihrer Karriere im prüden Amerika nachhaltig. Unter anderem war eine öffentliche Entschuldigung im TV notwendig; seitdem werden Live-Übertragungen nur noch mit gehöriger Zeitverzögerung gesendet. Gegen "Entblößer" und Duettpartner Justin Timberlake wurden übrigens keine moralischen Vorwürfe erhoben.
In der "Washington Times" belegte er einst Platz zwei der größten Musikproduzenten aller Zeiten. Trotzdem bringt man mit Phil Spector neben stets abgefahrenen Haarprachten vor allem seine Beteiligung an einem Mordfall 2003 in Verbindung. Schauspielerin Lana Clarkson wurde tot in seinem Anwesen gefunden, einem Kopfschuss erlegen. Vor Gericht konnte der "Let It Be"-Produzent seine Unschuld nicht beweisen, seit 2009 sitzt er in einem Gefängnis in Kalifornien. Wenn Phil Spector wie geplant nach 19 Jahren freikommt, ist er 88 Jahre alt.
Der Country hat nicht von ungefähr den Ruf, besonders konservativ und vor allem patriotisch zu sein. Da ist es schon ein faustdicker Skandal, wenn sich mit den Dixie Chicks absolute Stars der Szene gegen den US-Präsidenten und dessen vermeintliche Kriegstreiberei aussprechen. Sie würden sich dafür schämen, dass George W. Bush wie sie selbst aus Texas kommt, verkündete die Gruppe 2003. Zwar ruderten sie zurück, man habe wohl zu viel europäischen Anti-Amerikanismus in Übersee aufgenommen. Ein beachtlicher Anteil der Fans war trotzdem stinksauer.
Den Beischlaf beherrscht er, das macht R. Kelly seit Karrierebeginn in seinen Texten klar. Dass er dabei aber nicht immer aufs Alter seiner Partnerin achtete, zog einen spektakulären Gerichtsfall nach sich: 2002 machte ein Video die Runde, in dem der Sänger aus Chicago beim Sex mit einer nachweislich Minderjährigen zu sehen ist. Bei einer Hausdurchsuchung fand man obendrein Bilder, die den Vorwurf erhärteten. 2008 wurde der R'n'B-Star, der Jahre zuvor die damals erst 15-jährige Aaliyah ehelichte, nach einem langen Hickhack vor Gericht allerdings freigesprochen.
Gerede über Michael Jackson gab es viel, selbst über seine Lebenszeit hinaus. Manchmal sorgte er aber selbst für Gesprächsstoff. Zum Beispiel im Jahr 2002. Tatort: Berlin. Tölpelhaft und übermotiviert präsentierte Jackson dort seinen Jüngsten, Prince Michael II., der lechzenden Presse, ließ ihn über der Fensterbrüstung baumeln. Im Anschluss stellte man weltweit die Vaterqualitäten des "King of Pop" infrage.
Lange hielt sich George Michael bedeckt, wenn es um seine sexuelle Orientierung ging. 1998 sorgte aber eine Verhaftung des Stars für Klarheit: Ein Undercover-Polizist namens Marcelo Rodriguez legte ihn auf einer öffentlichen Toilette herein. Er täuschte vor, ihn verführen zu wollen. Dann verhaftete er den Star, weil dieser im Begriff war, sich zu entblößen. Michael thematisierte den Fall, in dem er in seinem Hit-Video "Outside" männliche Polizisten sich küssen ließ - und stand von da an zu seiner Homosexualität. Rodriguez klagte vergebens gegen den Clip.
"Girl You Know It's True": Natürlich ist die Karriere von Milli Vanilli rückblickend ein einziger (trauriger) Skandal. Eine Geschichte aus Lügen, Abhängigkeiten und Missgunst. Denn nicht die gutaussehenden Jungs sangen, wie ihre Lippenbewegungen in Videos und auf der Bühne weismachen wollten, sondern ihr deutscher Produzent und Songwriter Frank Farian. Wahr ist aber auch: Farian machte das Projekt zum Welterfolg. Ab 1989 hatten Milli Vanilli drei Nummer-eins-Hits in den US-Charts und verkauften in ihrer kurzen Karriere geschätzt 45 Millionen Tonträger.
Sinéad O'Connor machte sich damals gegen denselben Papst stark. Wegen seiner Engstirnigkeit und weil immer häufiger Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufgedeckt wurden. So etablierte sie sich als "Enfant Terrible" des Pop. 1992 nutzte sie die Bühne von "Saturday Night Live", um vor laufenden Kameras ein Bild von Johannes Paul II. zu zerreißen, "Evil - fight the real enemy" sang sie dabei. Der Klerus tobte, monatelang musste sie live Buh-Rufe einstecken.
Ob sie nun einfach blank zog (wie hier für Jean Paul Gaultier) oder auf der Bühne Masturbation simulierte: Ende der 80er, Anfang der 90er war Madonna die Skandalnudel überhaupt. Besonders ihr Video zu "Like A Prayer" von 1989 sorgte für große Aufregung. Sogar Papst Johannes Paul II. forderte seine Anhänger wegen angeblich blasphemischen Inhalten dazu auf, die Sängerin zu boykottieren.
An diesem Tag verlor die Hippie-Bewegung ihre Unschuld, heißt es. Während des Auftritts der Rolling Stones beim "Altamont Free Concert" 1969 kam der afroamerikanische Zuschauer Meredith Hunter ums Leben - erstochen von einem "Hells Angel". Die Bikertruppe wurde als Security eingesetzt. Hunter zog kurz zuvor eine Waffe. Bereits vor dem tödlichen Messerstich kam es immer wieder zu Schlägereien unter den 300.000 Rockfans.
Da winkt er - doch ist das der echte Paul McCartney (2. v. re.)? Denn wie eine amerikanische Campuszeitung 1969 - eigentlich im Scherz - behauptete, starb der Co-Frontmann der Beatles bereits 1966 und wurde von einem Doppelgänger ersetzt. Schon machten sich unzählige Fans und "Experten" daran, Beweise für diese These zu finden - auf CD-Covern, in Liedtexten, durch Anagramme und dergleichen. "Paul is dead" gilt als die wohl berühmteste Verschwörungstheorie der Popmusik.
Ebenfalls 1966 musste sich John Lennon öffentlich für eine Aussage entschuldigen. Er ließ nämlich verlauten, die Beatles seien aktuell "populärer als Jesus". Während ihm wohl Millionen von Fans recht gaben, war so mancher überzeugter Christ ganz anderer Meinung - gerade in den US-Südstaaten: Radiostationen boykottierten die Beatles, Platten wurden öffentlich verbrannt, die Band bedroht. Die folgende US-Tournee geriet zum Spießrutenlauf, was die Beatles schließlich dazu veranlasste, nie wieder zu touren.
Heute kaum noch vorstellbar ist der erste Skandal um Elvis Presley. Der King trat 1956 das sechste Mal im US-Fernsehen auf, der Hype um ihn war nur wenige Monate vorher losgegangen Als er seine neue Single "Hound Dog" präsentierte, traute so mancher Zuschauer seinen Augen nicht: Presley schwang die Hüften! Was heute jeder werdende Elvis-Imitator stundenlang vor dem Spiegel einstudiert, war seinerzeit ein Eklat: "Vulgär" und "animalisch" sei der Auftritt gewesen. Die katholische Kirche warnte sogar vor diesem Teufel mit Schmalzlocke.
Neue Themen
Top Themen