Nach dem Tod von Harry Jeske: Ein Rückblick auf die Karriere der Puhdys

Die Puhdys waren eine der erfolgreichsten Bands der DDR. Im Jahr 2016 gaben die Musiker ihr letztes Konzert. Am Donnerstag starb der ehemalige Bassist und Mitgründer Harry Jeske. Ein Blick zurück. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Harry Jeske war bis 1997 Bassist der DDR-Rockband Puhdys. Am Donnerstag, den 20. August, starb der Musiker im Alter von 82 Jahren.
Jeske hatte schon länger gesundheitliche Probleme. Sein letzter öffentlicher Auftritt war bei einer Feierlichkeit zum 50. Jubiläum der Band im Jahr 2019. Damals war er bereits auf einen Rollstuhl angewiesen.
Sein Ausstieg aus der Band nach 32 Jahren im Jahr 1997 war kein freiwilliger: Er musste wegen eines Ohrenleidens aufhören.
Vor den Puhdys gab es seit 1965 die Udo-Wendel-Combo, bei der neben dem Namensgeber Udo Wendel als Sänger auch Peter Meyer als Keyboarder, Harry Jeske als Bassist und Udo Jacob als Schlagzeuger mitwirkten.
Noch im selben Jahr löste sich die Combo aber auf, Udo Wendel verließ die Band. Die verbliebenen Musiker gründeten eine neue Formation: Gemeinsam mit dem neuen Sänger und Gitarristen Dieter Hertrampf (l.) nannten sie sich fortan Puhdy-Quartett, später Puhdys.
Den Namen bildeten sie aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen: P (Peter Meyer), U (Udo Jacob), H (Harry Jeske), D (Dieter Hertrampf). In den ersten Jahren wechselte die Besetzung immer wieder. Zwischenzeitlich waren auch Herbert Dreilich und Reinhard Lakomy Mitglieder der Puhdys.
Im Jahr 1969 bestand die Band schließlich aus Peter Meyer, Gunther Wosylus, Dieter Hertrampf, Harry Jeske und Dieter Birr (v.l.). Die Puhdys selbst bezeichnen 1969 als ihr Gründungsjahr.
Am Anfang spielten die Puhdys Tanzmusik, später eher Hardrock. In den 1970er-Jahren entwickelte sich die Formation zur erfolgreichsten Rockgruppe der DDR.
Ihr Song "Geh dem Wind nicht aus dem Wege" entwickelte sich 1972 zum "Schlager des Jahres". Weitere Bekanntheit erlangten die Puhdys durch ihre Titel "Wenn ein Mensch lebt" und "Geh zu ihr" aus dem Film "Die Legende von Paul und Paula" (1973). Für den Streifen "Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow" (1973) steuerten sie ebenfalls Musik bei.
In den 70er-Jahren erreichten die Puhdys mit ihren Hits dreimal Platz eins der Jahreshitparade der DDR - mit den Songs "Lebenszeit" (1976), "Erinnerung" (1977) und "Doch die Gitter schweigen" (1979).
Nach einem ersten großen Auftritt in Ost-Berlin durften die Puhdys 1976 auch Konzerte in Westdeutschland spielen – zum ersten Mal in der Hamburger "Fabrik" (Bild). Nach dem großen Erfolg ihrer ersten beiden Alben veröffentlichte die Band 1977 mit "Rock 'n' Roll Music“ ihr erstes englischsprachiges Album.
1979 folgte eine Umbesetzung: Schlagzeuger Gunther Wosylus verließ die Puhdys, sein Nachfolger wurde Klaus Scharfschwerdt (M.).
1980 veröffentlichten die Puhdys das nächste Album auf Englisch – unter anderem mit dem Hit "Far From Home". Ein Jahr später ging die Band sogar auf Promotion-Tour durch die USA.
Auch in der Bundesrepublik wurden die Puhdys immer bekannter, nicht zuletzt durch das Lied "Ich will nicht vergessen" (1984), das auf die deutsche Teilung anspielt. In der DDR durfte es weder im Radio noch im Fernsehen gespielt werden.
Bis zur Wende verkauften die Puhdys fast 20 Millionen Alben. In den Jahren 1988 und 1989 gingen die Musiker auf Abschiedstour, 1992 feierten sie jedoch ein Comeback und blieben somit auch nach der Wende weiterhin erfolgreich.
Die Puhdys schrieben auch Hymnen für den Sport, unter anderem "FC Hansa – Wir lieben Dich total" (1994) für Hansa Rostock, "Hey, wir woll'n die Eisbär'n sehn!“ (1997) für den Berliner Eishockeyverein Eisbären und "Eisern Union 2000" (2000) für Union Berlin.
Als Harry Jeske (l.) 1997 die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, wurde Peter Rasym (r.) sein Nachfolger.
Mit dem Album "Es war schön" (2012) feierten die Puhdys noch einmal einen großen Erfolg. Nachdem Peter Meyer (l.) schon eine Auflösung der Band angedeutet hatte, landete das neue Album auf Platz 14 der deutschen Charts – der bis dahin besten Platzierung der Puhdys.
Im Jahr 2014 verkündete die Band, endgültig auf Abschiedstour zu gehen. Im Oktober des Jahres starteten die Konzerte, im Januar 2016 folgte schließlich der letzte offizielle Auftritt in Berlin. Im selben Jahr erhielten die Puhdys einen Echo für ihr Lebenswerk.
Das Live-Album "Das letzte Konzert" landete 2016 sogar auf Platz zwei der Charts und bescherte den Puhdys ihre bis heute beste Platzierung in der deutschen Hitparade. Nach über 45 Jahren ging die Band damit in die wohlverdiente Rente.