Der Attentäter von Ansbach sprengte sich nahe eines Open-Air-Konzerts in die Luft. Beim Wacken-Festival sind nun Rucksäcke verboten. Veranstalter müssen jetzt das richtige Maß zwischen Sicherheit und Freiheit finden.

Organisatoren von Großveranstaltungen sind alarmiert: Der Selbstmord-Attentäter im bayerischen Ansbach hatte am vergangenen Wochenende versucht, auf ein Konzertgelände zu gelangen. Ermittlungen zufolge scheiterte er am Einlass, weil er keine Eintrittskarte hatte.

Nach den blutigen Ereignissen der vergangenen Tage ziehen erste Veranstalter Konsequenzen: In Schleswig-Holstein findet am ersten August-Wochenende das Heavy-Metal-Festival Wacken statt. Auf ihrer Webseite teilen die Organisatoren mit, dass "aus aktuellem Anlass" aus Sicherheitsgründen keine Rucksäcke und Taschen auf dem Veranstaltungsgelände erlaubt seien.



Das gilt auch für die sogenannten Full Metal Bags: Turnbeutel mit Festival-Utensilien, die Wacken-Besucher vom Veranstalter geschenkt bekommen. Zudem werden die Musikfans dazu aufgefordert, alle Rucksäcke und Taschen, für die es beispielsweise Schließfächer in der Nähe des Einlasses gebe, mit Namen und Telefonnummer zu kennzeichnen.

"Vereinfachte Personenkontrollen"

"Wir reflektieren und überarbeiten unser Sicherheitskonzept stetig. Neue Entwicklungen in der Sicherheitslage werden da natürlich mit eingearbeitet", betont Thomas Jensen, Mitbegründer und einer der beiden Veranstalter des Wacken Open Air, gegenüber unserer Redaktion.

Dass nun Rucksäcke und andere Taschen auf dem Konzertgelände verboten seien, diene in erster Linie dazu, die Personenkontrollen zu vereinfachen. "Denn Rucksäcke halten diesen Prozess natürlich auf."



Auch andere Konzertveranstalter beschäftigen sich jetzt verstärkt mit Sicherheitsfragen. Die Live Nation GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, die große Konzerte ausrichtet, will in Zukunft beispielsweise zusätzliche Einlasskontrollen machen. Das sagte Geschäftsführer Marek Lieberberg, der auch Festivals wie Rock am Ring organisiert, der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr Personal, mehr Kontrollen, mehr Technik

"Es gibt Veranstalter, die jetzt massiv aufrüsten", sagt Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW), im Gespräch mit unserer Redaktion. Das bedeutet: mehr Personal, mehr Kontrollen, mehr technische Hilfsmittel.

Aber: "Es ist durchmischt: Es gibt auch die, die sagen: Unser Sicherheitskonzept ist gut, wir bleiben dabei." Aufstockungen sind natürlich ein Kostenfaktor – zudem müssen Veranstalter erst einmal gut ausgebildete Security-Kräfte finden. Das ist durchaus ein Problem: Im gesamten Sicherheitsbereich vermeldete der BDSW Ende Juni bundesweit 13.000 freie Stellen.

Natürlich sei Sicherheitspersonal nach den aktuellen Ereignissen aufgefordert, noch genauer hinzuschauen, betont Silke Wollmann. Zudem gebe es Organisatoren, die sogenannte Profiler einsetzten: Helfer, die dafür da sind zu beobachten, ob sich einzelne Besucher auffällig verhalten. Das Rucksackverbot beim Wacken-Festival hält Silke Wollmann durchaus für umsetzbar – weil Besucher ihre Taschen im Zelt oder Auto lassen können.

Anders sieht sie das zum Beispiel beim Oktoberfest in München, für das eine derartige Einschränkung ebenfalls diskutiert wird: "Tagestouristen beispielsweise haben natürlich Taschen und Rucksäcke dabei. Ein vollständiges Verbot würde zu Konfrontationen mit der Polizei und dem Sicherheitspersonal führen."

"In der Regel sehr sicher"

Silke Wollmann betont: "Großveranstaltungen in Deutschland sind in der Regel sehr sicher." Man werde trotzdem nie vollständig ausschließen können, dass etwas passiert. Zum Beispiel weil manche Orte an den Tagen vor Veranstaltungsbeginn frei zugänglich seien. Oder weil Kriminelle immer neue Ideen hätten, Waffen oder Sprengstoff zu transportieren. "Sie können eine Veranstaltung zwar sehr, sehr sicher machen", sagt Wollmann. "Aber dann auf Kosten der Freiheit."

Kontrollen bis auf die Unterwäsche wären notwendig: "Das wäre zeitlich kaum machbar und eine totale Einschränkung für die Besucher." Wenn Polizei, Organisatoren und Sicherheitspersonal optimal zusammenarbeiten, dann können Veranstalter ihrer Meinung nach bereits "das beste Maß an Sicherheit und Freiheit gewährleisten".

Wacken-Organisator Thomas Jensen jedenfalls glaubt nicht, dass das Thema Sicherheit in diesem Jahr starken Einfluss auf die Stimmung beim Festival haben wird: "Natürlich kommt man nicht umhin, sich auch als Besucher Gedanken zu machen. Aber wenn die letzten Jahre eines gezeigt haben, dann, dass unsere Fans zusammenrücken und sich diese drei Tage Festival – frei zu sein und zu feiern – nicht verderben lassen wollen und werden."