Der Wahnsinn ist ihr Programm: Wie Rammstein die Welt eroberte

Rammstein ist eine Band, die den Tabubruch zum Konzept gemacht hat. Neben Kontroversen und spektakulären Pyro-Shows liefern Till Lindemann und Co. Musik, die regelmäßig Rekorde bricht. Zum 50. Geburtstag von Bassist Oliver Riedel am 11. April werfen wir einen Blick auf eine Band voll Feuer, Skandale, Rekorde und Wahnsinn. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Christoph Schneider, Richard Kruspe, Till Lindemann, Paul Landers, Christian Lorenz und Oliver Riedel (v.l.) – sie sind Rammstein. Der Name ist Programm: Mit ihren brachialen Sounds zählt die Rockband zur Neuen Deutschen Härte. Die Mitglieder selbst beschreiben ihren Stil als "Tanzmetall".
Die Erfolgsstory von Rammstein reicht bis in DDR-Zeiten zurück. Bevor sie zusammenfanden, spielten die Mitglieder in Combos, die weitestgehend aus dem Punk-Milieu stammen. Oliver Riedel stand bei The Inchtabokatables am Bass, …
… Till Lindemann versuchte sich bei First Arsch als Schlagzeuger, Richard Kruspe stieg mit ein. Paul Landers werkte als Gitarrist bei Die Firma, wo Christoph Schneider (Bild) am Schlagzeug saß.
Drei der heutigen Bandmitglieder teilten sich die Wohnung im Berliner Osten: Aus einer Laune heraus starteten Kruspe (r.), Riedel und Schneider ein Projekt. Kruspe suchte einen geeigneten Sänger und wurde in Till Lindemann (m.) fündig, den er zuvor in Schwerin kennengelernt hatte.
Als Quartett nahmen sie ihre erste Demo auf - zunächst in englischer Sprache. Später stieg Landers ein, jetzt fehlte nur noch ein Keyboarder zum kompletten Line-up.
Christian "Flake" Lorenz erschien den anderen passend, doch Lorenz selbst war zunächst alles andere als begeistert: "Ich kam als Letzter rein, ich wollte mit den Jungs eigentlich nichts zu tun haben", sagte er einmal im Interview: zu laut, zu langweilig! Am Ende wurde er doch Teil der Crew.
Die Band soll sich nach der Ramstein Air Base (das zweite M war wohl ein Schreibfehler) benannt haben, die im August 1988 traurige Berühmtheit erlangte: Bei einer Flugschau starben 70 Menschen.
Im Herbst 1995 debütierte Rammstein mit dem Album "Herzeleid", das auf Platz 99 der deutschen Charts einstieg. Es hielt sich insgesamt neun Wochen in den deutschen Top 10 und stolze 126 Wochen in den Top 100.
Kurz darauf nahm die Gruppe als Vorband an Tourneen teil, anschließend ging sie auf ihre erste eigene Tour. Der große Durchbruch folgte im August 1997: Das Album "Sehnsucht" erschien. Die enthaltene Single "Engel" brachte ihnen eine Goldene Schallplatte ein.
Der Erfolg schwappte bis über den großen Teich, nachdem der US-amerikanische Regisseur David Lynch "Heirate Mich" und "Rammstein" für den "Lost Highway"-Soundtrack (Szene mit Robert Blake) verwendete.
Für einen großen Aufschrei sorgte die Rockband 1998: Für das Video zum "Stripped"-Cover der Kultband Depeche Mode verwendeten Rammstein Ausschnitte von Leni Riefenstahls NS-Propaganda-Film über die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin.
Nach der großen medialen Resonanz tat die Band Jahre später etwas, für das sie eher weniger bekannt ist: Sie machte einen Rückzieher. "Da haben wir eine Grenze überschritten", erklärte Sänger Till Lindemann 2006 in einem "Playboy"-Interview.
Grenzen überschreiten - ein gutes Stichwort. Nicht nur in ihren Texten reiht sich eine Provokation an die andere. Auch auf der Bühne lassen es Rammstein krachen. Neben jeder Menge Pyrotechnik, finden auch kuriose Requisiten ihren Weg auf die Bühne.
Sei es Till Lindemann in einem brennenden Kettenhemd …
… oder aber riesige Kanonen wie hier bei einem Konzert in Kopenhagen 2010. Ein anderes Mal ritt Lindemann beim Schlusslied "Pussy" ("Steck Weißwurst in dein Sauerkraut") auf einer Penis-Kanone über die Bühne und bespritzte die Fans mit Schaum.
2009 wurde das Rammstein-Album "Liebe ist für alle da" indiziert. Der Grund: Gewaltverherrlichung im Stück "Ich tu dir weh". Fortan durfte das Album nur noch an volljährige Kunden verkauft werden. 2010 gab man einer Klage der Band statt und "Liebe ist für alle da" verschwand vom Index.
Ein Jahr später sollten die Schock-Rocker in München auftreten – man ließ sie aber nicht. Der Grund: Es war Totensonntag. Aus dem Kreisverwaltungsreferat hieß es: "Wenn eine Gruppe an diesem Tag nicht sonderlich gut passt, dann ist es Rammstein."
Was macht Roland Kaiser in der Band-Geschichte von Rammstein? Ausgerechnet Till Lindemann schrieb einen Song für den Schlagerstar: "Ich weiß alles" ist auf dessen Album "Seelenbahnen" (2014) zu hören. Wer hätte das gedacht?
Da passt ein anderer Schock-Rocker bedeutend besser: Zusammen mit Marilyn Manson (l.) traten Rammstein bei der Echo-Verleihung 2012 auf. Manson sagte dem "RollingStone" damals: "Es klang so gut, ich hab kurz dran gedacht, meine Band zu feuern."
Liebe ist für alle da! Rammstein leider nicht. Die Tickets für die Europe Stadium Tour 2020 waren für die deutschen Tour-Termine innerhalb weniger Stunden fast restlos ausverkauft. Der Andrang war so groß, dass der Eventim-Server immer wieder in die Knie ging. Laut dem Ticket-Anbieter gab es zwischenzeitlich 80.000 Systemanfragen - pro Sekunde!