Wyclef Jean: Hip-Hopper mit Ambitionen und Skandalen

Als Produzent für Michael Jackson oder Whitney Houston prägte Hip-Hopper Wyclef Jean eine ganze Musik-Generation. Ihm selbst blieb die Charts-Spitze als Solo-Künstler jedoch stets verwehrt. Hinzu kommen Spendenskandale und eine gescheiterte Präsidentschaftskandidatur. Am 17. Oktober feiert der Musiker seinen 50. Geburtstag. Ein Rückblick. © spot on news

Geboren wurde Wyclef Jean am 17. Oktober 1969 auf Haiti. Im Alter von neun Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach New York aus, wo sie in den Stadtteil Brooklyn zogen. Inspiriert von der dortigen Musik-Szene begann er, erste eigene Songs zu schreiben. Seine Mutter unterstützte die Ambitionen und kaufte ihm eine Gitarre.
1988 gründete Jean mit Lauryn Hill und Pras Michel die Hip-Hop-Band "The Fugees". Zunächst ließ der Erfolg auf sich warten. Doch ihr zweites Album "The Score" sollte ein Überraschungserfolg werden. Über 64 Wochen hielt sich die Platte auf Platz eins der US-Charts und wurde damit das meist verkaufte Album des Jahres 1996, mit Hits wie "Ready Or Not" oder die berühmte Coverversion von "Killing Me Softly". Dafür gab es zwei Grammys.
Zu dieser Zeit führte Jean auch eine Beziehung mit Bandkollegin Lauryn Hill, in der es äußerst turbulent zuging. Das Paar geriet ständig in Streit. Es folgte das Liebes-Aus sowie die Trennung von "The Fugees". "Sie konnte nicht mehr meine Muse sein. Der Zauber unserer Liebe war vorbei", erinnert sich der Musiker in seiner Autobiografie "Purpose: An Immigrant's Story".
Ab 1997 konzentrierte sich Jean auf Solo-Projekte. Er veröffentlichte sein erstes Album "The Carnival", auf dem auch seine Coverversion von "Guantanamera" zu hören ist. Sein Erstlingswerk schaffte es auf Platz 16 der US-Charts und verhalf dem Künstler zu weltweiten Gigs. Hier ist er bei einem Auftritt im Jahr 1997 bei "Rock im Park" in Nürnberg zu sehen.
Fortan machte sich Jean vor allem als Produzent, Songwriter und Remixer einen Namen und arbeitete unter anderem mit Destiny's Child, Whitney Houston (Bild), Michael Jackson, Mick Jagger und Carlos Santana zusammen. Houstons Megahit "My Love is Your Love" etwa war zu großen Teilen sein Verdienst.
Anfang der 2000er begann Jeans wohl kreativste Phase. Innerhalb von vier Jahren brachte er vier Alben unter seinem Namen heraus. Zudem bekam Jean für seine Produzententätigkeit bei Carlos Santanas' (Bild) 18. Studioalbum "Supernatural" seinen dritten Grammy.
Ein Abstecher nach Hollywood: Im Jahr 2005 war Jean in dem Film "One Last Thing ..." (Szenenbild) zu sehen. Er spielte einen Taxifahrer namens Emmett Ducasse. Für den Streifen lieferte Jean zusätzlich den Track "Heaven's in New York", der im Abspann des Films zu hören ist.
Über die Jahre schaffte es Jean immer wieder, im Gespräch zu bleiben. Zusammen mit Shakira (Bild) sang er bei der Fußball-WM-Finalfeier den rhythmischen Ohrwurm "Hips Don't Lie". Der Song wurde zur meistverkauften Single des 21. Jahrhunderts und erreichte in über 55 Ländern die Spitze der Charts.
Im Jahr 2001 gründete Jean die Wohltätigkeitsorganisation "Yele Haiti". Ziel sollte es sein, Geld für verschiedene Entwicklungsprojekte, vor allem im Kinder- und Jugendbereich, zu sammeln. Es schalteten sich jedoch die Behörden ein, da über Jahre hinweg die Steuererklärungen ausblieben.
Am Ende zeigte sich: Ein Großteil der Millionen floss in die Taschen von Beratern, Immobilienkonzernen, auf Spesen-Konten und auch in Jeans eigenes Portemonnaie. Es kam zu mehreren Gerichtsprozessen. Bei einem Benefiz-Konzert für Erdbebenopfer im Januar 2010 bat Jean dann tränenreich um weitere Unterstützung für sein Land. 2012 wurde die Organisation vorerst stillgelegt.
Kurz bevor der Skandal um seine Stiftung ans Licht kam, bewarb sich Jean im August 2010 um die Kandidatur für das Präsidentenamt in seinem Heimatland Haiti. Die wurde jedoch abgelehnt: Jean erfülle nicht die nötigen Bedingungen und werde deshalb nicht auf die Kandidatenliste gesetzt, hieß es seitens des Wahlgremiums.
Acht Wochen hielt es Jean auf dem politischen Parkett aus, dann ließ er sich wegen Erschöpfung ins Krankenhaus einliefern. Zudem sorgten finanzielle Probleme dafür, dass eines seiner Anwesen zwangsversteigert werden musste. Damit nicht genug: 2011 wurde er bei einer Auseinandersetzung auf Haiti angeschossen. Die Folgen: ein erneuter Krankenhausaufenthalt sowie eine längere Schaffenspause. 2012 erschien schließlich seine Biografie.
2017 meldete sich Jean mit "Carnival III: The Fall and Rise of a Refugee" zurück. Es sollte sein vorerst letztes Album sein. Die Platte scheiterte gnadenlos und hielt sich gerade einmal eine Woche in den US-Charts auf Platz 112.
Und noch ein weiteres Mal geriet der Musiker in die Schlagzeilen - diesmal allerdings unverschuldet. Da er im März 2017 so gut auf eine Zeugenbeschreibung passte, wurde er für einen gesuchten Tankstellenräuber gehalten und kurzerhand in Los Angeles in Handschellen abgeführt. Später ließ man ihn wieder frei und die Polizei entschuldigte sich für die Verwechslung.
Zu einem Nummer-eins-Album hat es in seiner Solo-Karriere nie gereicht. Songs anderer Künstler, bei denen Jean seine Finger mit im Spiel hatte, wurden aber echte Charterfolge. Die Musikwelt hat ihm viele großartige Hits zu verdanken. Privat liebt der Künstler es beständig: Seit 1994 ist er mit seiner großen Liebe Claudinette verheiratet. Das Paar hat eine Tochter.