Xavier Naidoo wird 48: Samtstimme mit schrägen Ansichten

In den 90ern und 2000ern durch "Söhne Mannheims" und als Solo-Künstler berühmt geworden, galt Sänger Xavier Naidoo lange als DER deutsche Vorzeige-Star. Dann machten seine kruden, teils verschwörungstheoretischen Ansichten die Runde, die für harsche Kritik sorgten. Seine Fans bleiben ihm dennoch bis heute treu. Am 2. Oktober wird die Soul-Stimme aus Mannheim 48 Jahre alt. Zeit für einen Rückblick auf seine Karriere. © spot on news

Sein Vater kommt aus Sri Lanka, seine Mutter ist südafrikanisch-irischer Abstammung – Xavier Naidoo, der am 2. Oktober 1971 in Mannheim zur Welt kommt, wird in eine Multi-Kulti-Familie hineingeboren. Er begeistert sich früh für Musik, jobbt dann als Türsteher und Bademoden-Model, startet zwischenzeitlich in den USA seine Rapper-Karriere und steht – zurück in Deutschland – von 1995 bis 1998 als Musicaldarsteller auf der Bühne. Schließlich steigt er 1994 mit dem "Rödelheim Hartreim Projekt" als Backgroundsänger ins hiesige Musikgeschäft ein.
Der Durchbruch gelingt Naidoo schließlich mit Hilfe von Rapper-Kollegin Sabrina Setlur, die 1997 mit dem Newcomer die Single "Frei sein" aufnimmt und veröffentlicht. Der Song wird ein Hit und läuft im Radio rauf und runter.
Was nur eingefleischte Fans wissen: Naidoo schauspielert auch. Im Kinofilm "Auf Herz und Nieren" (2002) legt er einen Gastauftritt hin (rechts). Der Film von "Knockin' On Heaven's Door"-Regisseur Thomas Jahn, der von Organhandel und Drogen erzählt, floppt allerdings. Mit Drogen hat Naidoo im Jahr 2000 auch im wahren Leben zu tun und wird wegen Drogenbesitzes sowie Fahrens ohne Führerschein zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Der kleine "Image-Knacks" ist schnell vergessen. Dafür nimmt Xavier Naidoo im Oktober 2002 einen von vielen noch kommenden großen Preisen entgegen: die "Goldene Stimmgabel" in der Kategorie "erfolgreichster Pop-Solist". Die gleiche Ehre wird ihm auch im Jahr 2006 zuteil.
Apropos 2006 ... Da war ja was. In jenem Jahr wird die Fußball-WM in Deutschland ausgetragen und das Land schreibt das "Sommermärchen". Naidoo schreibt auch etwas, nämlich den Song "Dieser Weg", der zum ultimativen Weltmeister-Song avanciert. Zum Abschluss auf der Fanmeile am 9. Juli 2006 in Berlin geben Naidoo und die Nationalmannschaft den Song vor Zehntausenden Fans zum Besten.
Gehört auch seit 2000 zusammen: Das Mannheimer Musik-Ensemble "Söhne Mannheims", (mit im Bild Claus Eisenmann, li., und Tino Oac, re.), mit dem Naidoo nach der Trennung vom Label 3p gemeinsame Sache macht, sorgt für Ohrwürmer wie "Und wenn ein Lied" oder "Geh davon aus".
Auch im Jahr 2009 ist das Image des Superstars nahezu tiptop. Für seine Verdienste in der Musikindustrie darf Xavier Naidoo sich mit einem Handabdruck auf dem "Munich Olympic Walk Of Stars" verewigen. Naidoo, der nach eigenen Angaben Silvester 1992 sein persönliches Bekehrungserlebnis erfahren hat, lässt seine religiösen Botschaften in seine Liedtexte einfließen, die auch "apokalyptische Visionen" enthalten. So bezeichnet er seine Heimatstadt Mannheim als das "neue Jerusalem". Auch ist er überzeugt davon, in der "Endzeit" zu leben.
2012 erhält Naidoo mit seinen "The Voice of Germany"-Kollegen (Rea Garvey, l., Nena und The BossHoss) die Goldene Kamera (Kategorie "Beste Unterhaltung"). Und langsam wird's schräg: So erklärte Naidoo kurz zuvor im ARD-Morgenmagazin, dass Deutschland als Land nicht wirklich existiere: "Wir sind immer noch ein besetztes Land, Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei." Ebenso sorgte der Song "Wo sind sie jetzt" für Furore, weil der Text satanische Rituale, Pädophilie und Homosexualität gleichsetze. Naidoo dazu gegenüber Radio ffn: "Da geht es um furchtbare Ritualmorde an Kindern, die tatsächlich in Europa passieren."
Am 3. Oktober 2014 findet vor dem Kanzleramt eine "Mahnwache für den Frieden" statt. Darunter sind Vertreter der Querfront-Ideologie und Verschwörungstheoretiker. Zu den Teilnehmern spricht neben bekennenden Rechten auch Xavier Naidoo, der Deutschland erneut als "besetztes Land" bezeichnet. Sein T-Shirt trägt die Aufschrift "Freiheit für Deutschland". Er halte es für wichtig, auf alle Menschen zuzugehen, auch auf "die von der NPD". Nach dieser Aktion distanzieren sich immer mehr Menschen von Naidoo und seinen Ansichten, darunter die Leitung der "Popakademie Baden-Württemberg", wo er als Dozent tätig war.
Als 2015 bekannt wird, dass Xavier Naidoo beim ESC in Stockholm für Deutschland antreten soll, kommt es zu Gegendemos, wie hier in Erfurt, als der Sänger auf dem angrenzenden Domplatz ein Konzert gibt. Die Proteste fruchten, Naidoo wird die Teilnahme verwehrt. Der offizielle Grund: Der Eurovision Song Contest sei ein fröhliches Event, bei dem Musik und Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen. Dieser Charakter müsse unbedingt erhalten bleiben. Die aktuelle Diskussion könne dem heilen ESC-Image schaden.
2015 folgt ein Rechtsstreit mit der Heidelberger "Amadeu-Antonio-Stiftung" (eine Initiative gegen Rassismus und Antisemitismus), die Naidoo als antisemitisch bezeichnet, da das "strukturell in seinen Texten nachweisbar ist". Der Sänger klagt dagegen. Er fühlt sich missverstanden und erklärt gegenüber dem NDR: "Mit meinem ganzen Wesen stehe ich für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland und einen respektvollen sowie friedlichen Umgang miteinander."
Außerdem plädiere er für Nächstenliebe, Freiheit und Toleranz. Mühe, Konzerttickets loszuwerden, hat er trotzdem nicht, wie dieser Auftritt im Jahr 2017 in Berlin beweist.
2019 sitzt Naidoo mit Oana Nechiti, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen in der Jury der 16. Staffel DSDS. TV-Erfahrung sammelte er bei "The Voice of Germany" (2011 bis 2012) und als Gastgeber bei "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" (2014 bis 2016). Mit 48 Jahren blickt Naidoo auf eine beachtliche Karriere zurück - besonders dank seiner Samststimme. Die brachte ihm Millionen verkaufter Platten und Singles, mehrfach Doppelplatin, unzählige Auszeichnungen und damit einen ganz großen Namen in der deutschen Musikbranche ein.