Zum 75. Geburtstag von Debbie Harry: Vom Playboy-Bunny zur Punk-Ikone

Mit ihrer Band Blondie und Hits wie "Heart of Glass" lieferte sie den Soundtrack für die New-Wave-Bewegung der 70er: Am 1. Juli 2020 feiert Debbie Harry ihren 75. Geburtstag. So spielte das Leben der sexy Punk- und Stil-Ikone. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Geboren 1945 als Angela Trimble, wurde Deborah Harry im Alter von nur drei Monaten von Richard und Catherine Harry adoptiert und in New Jersey großgezogen. Den Vorstellungen ihrer konservativen Adoptiveltern wollte die rebellische Debbie, die damals im Kirchenchor sang, aber nicht entsprechen.
Mit dem Ziel, Künstlerin zu werden, zog Debbie Harry mit 19 nach New York City. Dort jobbte sie anfänglich als Tänzerin und Kellnerin. Darunter auch im Nachtclub Max's Kansas City, wo sie Stars wie Jimi Hendrix, Miles Davis, David Bowie oder auch Andy Warhol bediente.
Dazu arbeitete die Blondine, damals noch mit langen, braunen Haaren, von 1968 bis 1973 im berühmten Playboy-Club in New York. Debbie Harry war also tatsächlich einmal ein "Bunny".
Zu dieser Zeit lernte Debbie Harry auch den Intellektuellen und Musiker Chris Stein kennen, der in ihr eine Gleichgesinnte sah und sie als Frau respektierte. Parallel sang sie in der Band The Stilettos.
Mit dem Gitarristen war Harry insgesamt 15 Jahre lang zusammen – darüber hinaus sind sie enge Freunde sowie Musiker-Kollegen geblieben.
Zusammen gründeten die beiden 1974 Blondie. Die Band verband den wilden Punk-Look ihrer Sängerin mit einer kühlen New-Wave-Ästhetik und schaffte mit dem Album "Parallel Lines" und der Single "Heart of Glass" Ende der Siebziger den internationalen Durchbruch.
Sexy, stark, selbstbestimmt: Innerhalb der Band interpretierte Harry die weibliche Rolle der Musikerin neu und wurde so zusammen mit Patti Smith zur Vorreiterin für ein revolutionäres Frauenbild und Ikone des Punk.
Dieses Bild konnte sie bei Blondie trotz energetischer Performances allerdings nur bedingt verkörpern – ihre Jobs als Model passten nicht so recht zum anarchischen Punk. Hits wie "Atomic", "Denis" oder "Dreaming" machten Blondie stattdessen zum Aushängeschild für die neuartige New-Wave-Bewegung.
Im Jahr 2014 bekannte sich Debbie Harry öffentlich zu ihrer Bisexualität. "Frauen sind sinnlicher", sagte sie der britischen "Daily Mail", räumte aber ein, dass sie beim Sex Männer bevorzuge.
Einen Auftritt als Schauspielerin hatte Debbie Harry unter anderem neben James Woods in David Cronenbergs Thriller "Videodrome" (1983). Sie war ursprünglich auch für die weibliche Hauptrolle im Science-Fiction-Klassiker "Blade Runner" von Ridley Scott vorgesehen, musste wegen vertraglicher Verpflichtungen mit Blondie aber passen – laut Harry der "größte Fehler meines Lebens".
1997 feierte Debbie Harry mit Blondie ein überaus gelungenes Comeback: Mit ihrem Album "No Exit" und vor allem dem Hit "Maria" konnte die Gruppe erneut einen Chart-Erfolg einfahren.
Mit ihrem ehemaligen Freund und langjährigen Partner Chris Stein startete Harry eine Lesereise. Die "In Conversation"-Tournee, bei der die beiden Anekdoten aus ihren Biografien ausplaudern, wurde wegen der Coronakrise auf September 2020 verschoben.
In einem erst kürzlich erschienenen Interview mit dem "Evening Standard" sprach Debbie Harry über ihre frühere Heroinabhängigkeit. "Es war eine Art Vollzeitbeschäftigung und Zeitverschwendung. Es wurde unangenehm. Zum Glück konnte ich mit dem Entzug umgehen."