Harald Juhnke: Ein Leben zwischen Rausch und Rampenlicht

Am 10. Juni hätte der verstorbene Schauspielstar, Sänger und Entertainer Harald Juhnke seinen 90. Geburtstag gefeiert. Trotz seiner bekannten Alkoholsucht, mit der der vielseitige Künstler selbst offen und selbstironisch umging, und anderer Skandale, riss Juhnkes Erfolg auf der Bühne sowie im TV zeitlebens nicht ab. Ein Rückblick. © spot on news

Harald Juhnke wurde am 10. Juni 1929 in Berlin geboren – allerdings mit dem Namen Harry Heinz Herbert Juhnke. Seinem Wunsch, Schauspieler zu werden und im Rampenlicht zu stehen, ging er mit knapp 20 Jahren nach. Er verließ vorzeitig die Schule und nahm Schauspielunterricht. Dieser sollte sich nach drei Monaten auszahlen. Juhnke spielte seine ersten Theateraufführungen "Ljubow Jarowaja" und "Ihr werdet sein wie Gott".
Fast zeitgleich mit seiner Schauspielkarriere nahm auch seine Laufbahn als Synchronsprecher Fahrt auf. Über 40 Jahre lang lieh Juhnke US-Stars wie Woody Allen, Marlon Brando, Charles Bronson, Peter Falk, Robert Wagner und Stacy Keach seine Stimme. Auch in ein paar Disney-Filmen (zum Beispiel "Pinocchio") ist er zu hören.
Aller guten Dinge sind drei – auch bei Juhnke. So war der Schauspieler nicht nur nebenher als Synchronsprecher tätig, sondern verdiente sein Geld auch mit der Musik. Zwischen 1968 und 1995 brachte er stolze elf Alben heraus, eins davon ein Live-Mittschnitt seiner Tournee. Das wohl bekannteste Werk des Künstlers: "Barfuß oder Lackschuh" aus dem Jahr 1989.
Die Schauspielerei blieb jedoch Juhnkes Steckenpferd. Dabei schien es ihm relativ egal zu sein, um welche Produktion es sich handelte. In seiner Biografie "Meine sieben Leben" heißt es: "Wenn das Telefon klingelte und irgendeine halbseidene Figur bot mir eine Filmrolle an, interessierten mich in den fünfziger Jahren nur drei Fragen: Wie hoch ist die Gage für den Quatsch? Wie hübsch sind meine Partnerinnen? Wo wird der Heuler heruntergespult, wie sonnig ist es dort?"
Ende der 1970er trat Juhnke neben Grit Boettcher drei Jahre lang in der ZDF-Sketchshow "Ein verrücktes Paar" auf. Die beiden Hauptdarsteller wurden für ihre Komik 1980 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Es war eine von vielen Auszeichnungen für Juhnke. Im Laufe seiner Karriere konnte er sich über insgesamt 17 Auszeichnungen freuen, darunter drei Goldene Kameras und drei Bambis.
Komisch wurde es stets auch dann, wenn Juhnke gemeinsam mit Eddi Arent (links) vor die Kamera trat. Die beiden Männer unterhielten das TV-Publikum von 1987 bis 1989 mit ihrer Sketchserie "Harald und Eddi". Zum Lachen hatte der Schauspieler wenige Jahre zuvor allerdings nicht ganz so viel.
Die ZDF-Sendung "Musik ist Trumpf" hatte Juhnke 1979 von dem verstorbenen Peter Frankenfeld übernommen. Hier mit seiner damaligen Show-Assistentin Barbara Schöne. Da der Schauspieler und Moderator jedoch stark alkoholkrank war – seine Abhängigkeit wurde bereits 20 Jahre zuvor öffentlich gemacht – stellte der Sender die Produktion 1981 ein. Der Grund: Auf Juhnke sei zu wenig Verlass gewesen.
Immer wieder sorgte Juhnke mit seiner Trinkerei für Schlagzeilen – ganz zur Freude der Boulevardpresse. 1959 lieferte er sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd im Auto. Anschließend beschimpfte er die Beamten und verletzte einen solchen beim Faustkampf.
Der damals knapp 30-Jährige wurde wegen Trunkenheit am Steuer, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Beleidigung zu sieben Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Dank guter Führung wurde er jedoch vorzeitig entlassen und hatte seither nie wieder hinter dem Steuer eines Wagens Platz genommen.
Dem Alkohol blieb Juhnke hingegen treu. Ein Geheimnis aus seiner Sucht machte er nicht. Er ließ wegen Trunkenheit sogar einmal eine Live-Sendung platzen. In Interviews fielen zudem Sätzen wie: "Mit Alkohol habe ich keine Probleme – nur ohne", "Ich bin betrunken immer noch besser als andere nüchtern" oder "Man liebt mich noch, wenn ich voll bin wie eine Natter". Seiner Schauspielkarriere tat sein Hang zum Alkohol auf wundersame Weise keinen Abbruch.
In den Neunzigerjahren feierte Juhnke mit Streifen wie "Schtonk!" und "Der Papagei" sein TV-Comeback. 1995 folgte schließlich seine Rolle im Film "Der Trinker" nach dem Werk von Hans Fallada. Darin spielte Juhnke den Lebensmittelgroßhändler Erwin Sommer, der sich aufgrund bescheidener Lebensumstände im eigenen Alkoholkonsum verliert – und daran zerbricht. Es heißt, der Film habe dem Schauspieler geholfen, seine eigene Sucht zu verarbeiten.
Immer an Juhnkes Seite war in diesen Zeiten seine zweite Ehefrau Susanne Hsiao (Bild). Die beiden feierten im Jahr 1971 Hochzeit und bekamen ein Jahr darauf eine gemeinsame Tochter. Das erste Kind für den Schauspieler war es nicht. Mit seiner ersten Frau, der Schauspielerin und Tänzerin Sybil Werden, war er von 1952 bis 1962 verheiratet. Aus dieser Ehe stammen Tochter Barbara (1953–1955) und Sohn Peer (* 1956). Zwischen den beiden Ehe führte Juhnke eine Beziehung mit Filmschauspielerin Chariklia Baxevanos.
Ende der Neunzigerjahre war der Schauspieler zum letzten Mal im Fernsehen zu sehen. Bei ihm wurde das Korsakow-Syndrom diagnostiziert, eine Gedächtnisstörung. 2001 gab sein Manager schließlich bekannt, dass Juhnke weder auf eine Bühne noch ins TV- und Filmgeschäft zurückkehren wird. Der Berliner lebte fortan in einem Pflegeheim nahe seiner Heimat und starb am 1. April im Alter von 75 Jahren. Sein Leben soll 2019 verfilmt werden.