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Jan Böhmermann: Aus Spaß wird Ernst

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Vom dünnen, blassen Jungen zum neuen Harald Schmidt: Die Karriere von Jan Böhmermann. © top.de

Jan Böhmermann mit 26 und schon multimedial unterwegs: 2007 startete er seine Sendung "Echt Böhmermann" beim WDR. Zuvor hatte er bei einer Tageszeitung und dann beim Radio gearbeitet.
Zuvor hatte er mit dem Gedanken gespielt, Schauspieler zu werden und bewarb sich sogar an einigen Schauspielschulen. Zum Vorsprechen ging er trotzdem nicht – angeblich wegen der unsicheren finanziellen Situation des Berufs.
Man kann sich den Bremer auch nur schwer in einer ernsten Rolle vorstellen. Laut eines „Stern“-Interviews hatte man Böhmermann am Anfang seiner Karriere beim NDR sogar verboten, die Nachrichten vorzulesen, weil er immer zu ironisch klang.
Seine Leidenschaft für die Schauspielerei konnte er ab 2005 immerhin stimmlich ausleben – in der Radiosendung „Lukas Tagebuch“, in der er Lukas Podolski parodierte. Der fand das gar nicht lustig, vor allem nicht mehr, als er auch noch für Böhmermanns Spruch „Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel“ ausgezeichnet werden sollte. Er klagte vergeblich gegen die Sendung und ist damit das erste offizielle Satire-Opfer des Jan Böhmermann!
Podolski sollten noch sehr viele folgen ... Schließlich lernte Böhmermann vom Besten: 2009 – 2012 schrieb er Gags für die Harald Schmidt Show.
So richtig in den Vordergrund rückte Böhmermann 2012 mit der Talkshow „Roche & Böhmermann“. Zusammen mit der Ex-Viva-Moderatorin und Skandalautorin Roche setzte er sich mit unterschiedlichsten Charakteren des Showbiz an einen Tisch. Das Prinzip: Keine Regeln, aber Alkohol. Im Rahmen der Show nahm Böhmermann sogar Viagra, bekam aber nur Kopfschmerzen. Statt Roche moderiert mittlerweile Olli Schulz.
Apropos Schulz: Ebenfalls im Jahr 2012 starteten Böhmermann und Musiker Olli Schulz auf radioeins die Sendung „Sanft & Sorgfältig“. In der passiert nicht viel – außer, dass sich zwei Männer unterhalten. Über dies und das und jenes. Irgendwie hat es dieser Buddytalk allerdings zu so großer Beliebtheit geschafft, dass die beiden immer noch jeden Sonntag quatschen - mittlerweile per Podcast auf Spotify und unter dem Namen „Fest & Flauschig“.
Sein Privatleben hält Böhmermann komplett unter Verschluss. Laut Medienberichten und eigenen Aussagen habe er Frau und "einige" Kinder – mehr weiß niemand. Barbara Schöneberger, mit der er hier beim deutschen Comedypreis 2013 spricht, ist es jedenfalls nicht (wahrscheinlich).
Seit 2013 sitzt Böhmermann als Chef beim "ZDF Neo Magazin" (seit 2015 noch mit "Royale" geadelt) am Schreibtisch und landet einen Coup nach dem anderen. Mit der Late-Night-Show mischt er die Medienlandschaft und ihre Verantwortlichen gehörig auf, Hashtags: Varoufake, Verafake oder Polizistensohn.
Den absoluten Vogel schoss Böhmermann 2016 ab, als er mit einem Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Erdogan eine Staatskrise auslöste und Deutschland die eigenen Grenzen in Sachen Meinungs- und Kunstfreiheit aufzeigte.
Diesmal war das Echo auf seine Aktion aber sogar ihm zu viel. Nach einer Anzeige von Erdogan höchstpersönlich, einem beispiellosen Medienaufsehen für die "Causa Böhmermann" und anonymen Drohungen gegen seine Familie zog er sich vier Wochen lang zurück, genauer: Böhmermann wollte sich "beim Twerk&Travel durch Nordkorea die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit noch einmal genau erklären" lassen, "bevor ich noch ein paar Tage mit meinem Segway auf dem Jakobsweg pilgere, um mich selbst zu finden".
Böhmi geht dahin, wo es weh tut – das gefällt nicht allen, stößt viele vor den Kopf und sorgt regelmäßig im ganzen Land für Diskussionsansätze. Das hat ihm nicht nur einige Klagen, sondern vor allem auch Auszeichnungen vom Grimme- bis zum Fernsehpreis eingebracht.
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