Jean-Claude Van Damme: Nicht mehr als "Mister Spagat"?

Es ist einer dieser Namen, die umgehend mit Action, Stärke und "Haudrauf"-Bombast assoziiert werden: Jean-Claude Van Damme. Am 18. Oktober werden "Die Muskeln aus Brüssel", so Van Dammes vielsagender Spitzname, 59 Jahre alt. 35 davon flext er besagte Muckis nun schon vor der Kamera, beweist aber erst im Herbst seiner Karriere kurzzeitig, dass er mehr als nur "Mister Spagat" ist. © spot on news

Seine Gelenkigkeit verdankt der 1960 in Brüssel geborene Jean-Claude Van Damme frühem, harten Training. Im Alter von zehn Jahren wird er von seinem Vater beim Karatetraining angemeldet, es folgt Bodybuilding und – mit 16 Jahren – auch eine Ballettausbildung. Sie soll sich auszahlen.
Denn dank des Films "Karate Tiger" aus dem Jahr 1986 wird Van Damme zum Action-Star der Achtzigerjahre. Der berühmt-berüchtigte Spagat, den der Schauspieler in seiner Rolle als Russe Ivan Kraschinsky darbietet, gilt heute als eines seiner größten Markenzeichen.
Auch in "Bloodsport" (1988), nun erstmals in der Hauptrolle, und unzähligen weiteren Filmen kommt Van Damme nicht umher, seinen "Split" zu zeigen. Viel Ruhm und Ehre erntet er durch "Bloodsport" aber nicht. Stattdessen gewinnt er den Negativpreis, die Goldene Himbeere, als "Schlechtester Newcomer".
Mehrere recht austauschbare Actionstreifen später wird schließlich ein deutscher Filmemacher, der selbst noch am Anfang seiner Karriere steht, auf Van Damme aufmerksam: Roland Emmerich castet dem Schauspieler an der Seite des Muskel-Kollegen Dolph Lundgren in seinem Sci-Fi-Film "Universal Soldiers" (1992). Beide mimen darin genetisch verbesserte Super-Soldaten, die ohne eigenen Willen Aufträge ausführen sollen – bis sie sich an ihre Vergangenheit erinnern.
In der Verfilmung des gleichnamigen "Beat ’em up"-Videospiels "Street Fighter – Die entscheidende Schlacht" (1994) schlüpft Van Damme in die Rolle des rechtschaffenen Colonel William Guile, der die Schurken um Bösewicht General M. Bison (Raúl Juliá, Bild) vermöbelt. Dabei an seiner Seite: die australische Sängerin Kylie Minogue als Cammy White.
Wie "Universal Soldiers" verbindet auch "Timecop" (1994) Action mit Science-Fiction. Als Max Walker findet Van Damme darin nicht nur wieder Gelegenheit, oberkörperfrei die Bösen zu verprügeln, sondern tut dies als Zeitreisender auch noch in den verschiedensten Epochen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Comic von Mike Richardson und Mark Verheiden.
Die zweite Goldene Himbeere gibt es dann im Jahr 1997 für Van Damme und seinen Filmpartner Dennis Rodman wegen der Action-Gurke "Double Team". Sie holen sich für den Film, in dem sie gegen Mickey Rourke antreten, den zweifelhaften Preis als "Schlechtestes Leinwandpaar" ab.
Spätestens zu dieser Phase sinkt Van Dammes Stern wieder. Die ewig gleichen Rollen und die ewig gleichen Figuren mit den ewig gleichen Moves... Bis 2007 wirkt er in weiteren generischen Actionfilmen mit, sinnbildlich etwa "Universal Soldier – Die Rückkehr" (1999) – in Kritiken unter anderem als "Actionfilm auf niedrigstem Niveau" bezeichnet.
Auch Van Damme selbst muss der Stillstand bei seinem Schauspiel zunehmend auf den Geist gegangen sein. 2008 erscheint der Film mit seinen Initialen, "JCVD". Der selbstreflexive Streifen, eine Tragikomödie, handelt von seiner fiktionalisierten Lebensgeschichte. Er spielt sich selbst, ist 47 Jahre alt und statt in Blockbustern mitzuwirken, muss er sich mit Low-Budget-Müll über Wasser halten. Viele Kritiker lobten "JCVD" als die beste Schauspielleistung Van Dammes.
Bis 2011 hält Van Dammes Interesse für neue Wege an, er probiert sich in "Kung Fu Panda 2" als Synchronsprecher aus und leiht Meister Croc seine Stimme. Nebenbei verdrischt er bei der Premiere sogleich auch noch das titelgebende Bärchen.
Hat er dem stumpfen Action-Kino also für immer den Rücken gekehrt? Mitnichten. Das beweist nur ein Jahr später seine Teilnahme an "The Expendables 2". Sylvester Stallone hat in dem Streifen quasi jeden alternden Haudegen versammelt, darunter neben Van Damme auch dessen "Universal Soldier"-Kollegen Dolph Lundgren.
Den großen Schub zurück ins Rampenlicht verpasst das aber nicht. Stattdessen verdingt Van Damme sich in der Folgezeit wieder mit B-Movies, die er in "JCVD" noch persiflierte. Machwerke wie sein neuester Film, "We Die Young" (2019, Bild), landen dementsprechend umgehend auf DVD.
Jean-Claude Van Damme war bereits fünfmal verheiratet, er hat drei Kinder (zwei Söhne und eine Tochter). Alle drei von ihnen haben schon in diversen Filmen von ihrem berühmten Vater mitgewirkt. Auf dem Bild von 2017, das Van Damme bei der Promotour seiner Amazon-Serie "Jean-Claude Van Johnson" zeigt, sind seine beiden Kinder Kristopher und Bianca zu sehen. Die beiden älteren Personen links sind Van Dammes Eltern, das im Hintergrund eine eigens für ihn errichtete Statue in Anderlecht.