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Jürgen von der Lippe wird 70: Was wurde eigentlich aus den TV-Show-Moderatoren der 80er Jahren?

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Sie waren Stammgäste in deutschen Wohnzimmern: Mit legendären Sendungen wie "Flitterabend", "Wetten, dass ..?", "Tutti Frutti" und "Bio's Bahnhof" prägten Showmaster wie Schanze, Elstner, Gottschalk, Balder und Biolek die letzte goldene Straßenfeger-Dekade im deutschen Fernsehen. Was machen die Stars der 80-er eigentlich heute? © teleschau - der mediendienst GmbH

Der Plopp - das war das Markenzeichen von Michael Schanze beim Kindershowklassiker "1, 2 oder 3". Unvergessen auch: "Flitterabend", "Spiel ohne Grenzen" und "Kinderquatsch mit Michael".
Im Fernsehen sieht man den Moderator schon länger nicht mehr. Dafür ist Michael Schanze fleißig als Musical-Autor unterwegs: "Bambi" wurde 2017 uraufgeführt, im Frühjahr 2018 folgte seine Adaption des Schweizer Nationalheiligtums "Heidi". Ab 2019 soll die Show auch in Deutschland zu sehen sein.
Bei "1, 2 oder 3" war sie die Nachfolgerin von Michael Schanze: Von 1985 bis 1995 führte Biggi Lechtermann als Moderatorin durch die Sendung. Gleichzeitig wurde das "Plopp"-Kommando durch den heutigen Slogan "1, 2 oder 3 - letzte Chance - vorbei!" abgelöst.
Während und nach der Kinder-Rateshow moderierte Lechtermann noch einige weitere TV-Formate ("Computer Corner", "Trivial Pursuit"). Inzwischen arbeitet die 58-Jährige hauptberuflich als Medientrainerin, sie veröffentlichte aber auch Kinderhörspiele und mehrere Bücher ("Danke, Dog - ein Hund ist die beste Medizin!").
Keiner sprach den Namen seines Senders so liebevoll und zackig aus wie Dieter Thomas Heck ("Zett! Dee! Eff!"). Die legendäre "Hitparade" präsentierte er bis 1984 insgesamt 183-mal. Höchst erfolgreich auch seine Nachfolgesendung: "Melodien für Millionen" machte ab 1985 dem Titel alle Ehre.
Unlängst machten Meldungen die Runde, der Gesundheitszustand des TV-Pensionärs habe sich verschlechtert. Wegen Lungenproblemen und einer Diabetes-Erkrankung konnte er seine Wahlheimat zu seinem 80. Geburtstag am 29. Dezember 2017 nicht verlassen. Mit seiner zweiten Ehefrau Ragnhild (verheiratet seit 1974!) lebt Heck im warmen Süden: "In Spanien möchte ich bleiben, bis ich sterbe."
Frank Elstner moderierte 39 Ausgaben von "Wetten, dass ..?" - jener legendären Samstagabendshow, die er selbst erfand. Dann glaubte Elstner, mit "Nase vorn" ein noch erfolgversprechenderes Konzept ausgetüftelt zu haben, und gab die Sendung ab. Eine krasse Fehleinschätzung. Seither läuft es eher schleppend in der Karriere des TV-Pioniers.
Große Verbitterung darüber hat Frank Elstner aber nie verlautbart. Auch wenn er die Branche in zahlreichen Interviews kritisch im Blick hat. "Die große Show der Naturwunder", die er mehr als zehn Jahre lang mit Ranga Yogeshwar (rechts) moderierte, wurde 2017 eingestellt. Die Reaktion des Linzers, ein typischer Elstner: "Ich bin deshalb nicht böse auf die ARD, obwohl ich der Meinung bin, dass es ein schönes Format für den Sender war."
In den 80-ern drehten auch zwei grundsympathische Schweizer am großen Unterhaltungsrad im deutschen Fernsehen. Der Versteckte-Kamera-Klassiker "Verstehen Sie Spaß?" wurde nie wieder so populär, wie er es unter Paola und Kurt Felix war.
Nach langer schwerer Krankheit starb Kurt Felix 2012 in seiner Heimatstadt St. Gallen. Im selben Jahr brachte Paola eine eigene Modelinie ("Paola!") auf den Markt. Gegenüber "Blick" sagte die einstige Schlagersängerin unlängst: "Kurt ist immer bei mir. Und wird es immer sein." Aus der Öffentlichkeit hat sich die 67-Jährige mit wenigen Ausnahmen zurückgezogen.
1986 präsentierte eine junge Plaudertasche namens Thomas Gottschalk zum ersten Mal "Wetten, dass ..?". Übernommen hatte er die Show von ihrem Erfinder, Frank Elstner. Für den blond gelockten Nachfolger bedeutete dies den Aufstieg in den Fernseholymp. Gottschalk war in den 80-ern das, was Kulenkampff in der Nachkriegszeit war: ein Volksunterhalter fürs große Ganze.
Zuletzt aber häuften sich die Pleiten: Die Gesprächs-Live-Sendung "Mensch Gottschalk" bei RTL floppte ebenso krachend wie die Kinder-Talentshow "Little Big Stars" bei SAT.1. Derzeit entwickelt RTL ein Nachfolgeformat für die eingestellte Reihe "Die 2 - Gottschalk und Jauch gegen alle".
Beim Radiosender Bayern 3 gewann Fritz Egner Ende der 70-er die Freundschaft der Kollegen Thomas Gottschalk und Günther Jauch. Ganz so steil wie bei ihnen verlief seine Fernsehkarriere danach nicht. An die Kinder-Rateshow "Dingsda" und die spätere SAT.1-Show "Vorsicht Kamera!" erinnert man sich trotzdem gern.
Heute ist der gebürtige Münchner zurück bei seiner alten Liebe, der Rockmusik: Auf Bayern 1 moderiert er immer Freitagabend "Fritz & Hits - die größten Künstler der Musikgeschichte". Zum Jahreswechsel 2017/18 wurde sogar eine Silvester-Sendung mit Weggefährte Thomas Gottschalk (links) gesendet. Motto: "kein Schickimicki, aber viel bodenständige Gaudi".
Die RTL-Erotik-Spielshow "Tutti Frutti" machte Hugo Egon Balder berühmt - und vor allem berüchtigt. Balder gilt freilich ganz zu Recht als großer Abenteurer und Pionier des privaten Unterhaltungsfernsehens.
Mit der Comedy-Rateshow "Genial daneben" (2003 bis 2011) erfand und moderierte Balder noch mal ein brillantes Stück Fernsehen, das ab 16. Juli in einer Neuauflage bei SAT.1 sogar werktäglich am Vorabend läuft. Der 68-Jährige steht mit Weggefährtin Hella von Sinnen (links) also wieder öfter vor der Kamera - und manchmal auch hinterm Tresen. Er ist seit 2010 Teilhaber einer Kneipe am Hamburger Millerntor.
Im legendären "WWF Club" des WDR trat der Musiker, Schauspieler und Komiker Jürgen von der Lippe erstmals als TV-Unterhalter in Erscheinung. Mit dem Chaos-Talk "So isses", der Spielshow "Donnerlippchen" und dem Kuppelklassiker "Geld oder Liebe" präsentierte von der Lippe seine beeindruckende Hawaii-Hemden-Sammlung einem Millionenpublikum.
Auf ausgefallene Hemdenmuster greift von der Lippe noch immer gern zurück, da ihm die ARD einen Tag nach dem 70. eine dreistündige Geburtstagsgala ("Mensch Jürgen!", Sa., 09.06., 20.15 Uhr) widmet. Nach vielen Flops (vornehmlich bei SAT.1) und bitterer Enttäuschung über das Unterhaltungsfernsehen von heute ("reichlich gequirlte Kacke") ist das eine versöhnliche Geste. Moderiert wird die Sendung von Jörg Pilawa (links).
Schadenfreude ist doch eine tragfähige Freude. Zumindest wenn sie von einem so hochanständigen Menschen wie dem gebürtigen Klagenfurter Max Schautzer kredenzt wird. Im März 1986 vom Bayerischen Rundfunk ins Programm genommen, entwickelte sich "Pleiten, Pech und Pannen", die Show rund um die heiteren Amateurvideoclips über Alltagsmissgeschicke, zu einer der beliebtesten Unterhaltungssendungen im deutschen Fernsehen.
2004 wurde Schautzer von der ARD aus Altersgründen als Moderator der Sendung "Immer wieder sonntags" geschasst - was ein empörtes Medienecho hervorrief. Schautzer, hier mit seiner Frau Gundel, war seither vor allem als Theaterschauspieler aktiv. Auf die aktuelle Fernsehunterhaltung gibt der 77-Jährige nicht allzu viel: "Heute wird nur noch gekocht, getalkt, gecastet und gequizzt", kritisierte er gegenüber der "Welt". "Das sind die vier Schienen, sonst ist nichts mehr übrig."
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