Eine erstaunlich traditionelle Vorstellung scheint Schauspieler Rupert Everett vom Begriff "Familie" zu haben: In einem Interview verkündete der bekennende Homosexuelle, dass er sich nichts Schlimmeres vorstellen könne, als mit zwei schwulen Vätern aufzuwachsen.

Mit seinen Aussagen wird sich der Schauspieler wohl wenig Freunde unter Schwulen-Rechtlern gemacht haben. In einem Interview mit dem "Sunday Times Magazin" sprach Everett über sein Bild einer Familie und seine Überzeugung, dass Kinder zum Glücklichsein Vater und Mutter bräuchten. Dies entspräche ganz den Vorstellungen seiner eigenen Mutter, und er könne ihr nur zustimmen: "Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als mit zwei schwulen Vätern aufzuwachsen."

Möglicher Kritik an seinen Äußerungen begegnete er auch gleich: "Einige Leute werden dem nicht zustimmen. Bitte sehr! [...] Ich spreche hier auch nicht für die Schwulen-Community, denn ehrlich gesagt, fühle ich mich nicht als Teil von irgendeiner 'Community'!"

Man darf sich aber fragen, warum Everett nicht einfach nur seine Meinung kundtat, sondern gleich so markige Worte wählte. In ihm scheint sich jede Menge Frust und Ärger auf das Showbusiness und dessen Umgang mit Homosexualität aufgestaut zu haben. Schon im Jahr 2009 hatte er der "Daily Mail" gegenüber geäußert, dass sein Coming Out der größte Fehler seiner Karriere gewesen sei und er seitdem keine Hauptrollen mehr bekommen hätte. Dementsprechend fiel damals auch sein Rat an junge Kollegen aus: "Ganz ehrlich, ich würde keinem Schauspieler raten, sich zu outen."

Ob große Angebote nun tatsächlich wegen seiner sexuellen Orientierung ausbleiben oder ob sein Talent am Ende doch nicht so groß ist wie sein Mundwerk muss im Reich der Spekulationen bleiben. Unter seinen schwulen Kollegen dürfte er auf jeden Fall eine Welle der Entrüstung losgetreten haben.

So hatte sich erst vor kurzem Elton John über Homophobie beklagt und seinem Söhnchen eine schwere Kindheit vorausgesagt: "In der Schule werden andere Kinder zu ihm sagen: Du hast keine Mama. Es ist schon viel passiert, aber es gibt weiter Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, und es wird sie auch weiter geben, bis eine neue Generation von Eltern sie ihren Kindern nicht mehr einpflanzt." Der Sänger und sein Partner David Furnish hatten ihr Kind von einer Leihmutter austragen lassen und sind seit 2010 stolze Eltern des kleinen Zachary.

Auf eine Leihmutter hatte Neil Patrick Harris, der Barney Stinson aus "How I Met Your Mother", gesetzt. Im Herbst 2010 kamen seine Zwillinge zur Welt, die er gemeinsam mit seinem Lebenspartner David Burtka großzieht. Auch Latino-Sänger Ricky Martin ist seit mittlerweile über drei Jahren stolzer Vater von Zwillingen, die von einer Leihmutter ausgetragen wurden.