Klaus, Pola, Nastassja: Die Gesichter der wilden Kinski-Dynastie

Schauspielerin Nastassja Kinski feiert am 24. Januar ihren 60. Geburtstag. Der deutsche Hollywood-Export war in den 70er und 80er Jahren Liebling von Wim Wenders, Roman Polanski und Co. Das Talent hat sie wohl von ihrem exzentrischen Vater Klaus Kinski geerbt. Und damit ist sie nicht das einzige Familienmitglied. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Mit Klaus Kinski fing alles an. Der 1926 in Danzig geborene Klaus Günter Karl Nakszynski (re.) war einer der ersten großen deutschen Kinostars der Nachkriegszeit. Besonders die Darstellung von Psychopathen und Bösewichten war sein Steckenpferd. Hier spielt er neben Joachim Fuchsberger (l.) im Edgar-Wallace-Streifen "Die toten Augen von London" (1961).
Lange Jahre arbeitete er mit dem deutschen Regisseur Werner Herzog zusammen, der einmal über ihn sagte: "Er war einfach die ultimative Pest." Seine Anfänge als Schauspieler hatte Kinski am Theater, Herzog engagierte ihn später für Filme wie "Fitzcarraldo" (Bild) und ...
... als Urvampir Dracula mit skurrilen Hauern in "Nosferatu – Phantom der Nacht" von 1979. Für sein Make-up saß Kinski vier Stunden in der Maske - ganz ohne Wutausbruch.
Wie das Yin und Yang des deutschen Kinos wirkte die Hassliebe zwischen Wüterich Kinski und dem stoischen Filmemacher Werner Herzog, der während der Dreharbeiten zu "Aguirre, der Zorn Gottes" dann doch nicht mehr an sich halten konnte und drohte, zuerst Kinski und dann sich selbst abzuknallen, sollte der Mime den Dreh abbrechen.
International wurde Kinski vor allem durch seine eindrucksvolle Nebenrolle in "Doktor Schiwago" (1965) bekannt. Bis zu seinem Tod 1991 drehte er weit über 100 Filme - fast ausschließlich "Schund", wie er selbst immer wieder erklärte.
Vor allem seine Wutausbrüche und Publikumsbeschimpfungen sorgten, neben seiner Schauspielkunst, für Aufmerksamkeit - auf der Bühne sowie am Set. Bei einem berühmt gewordenen Tobsuchtsanfall behauptete er, Jesus habe einmal "eine Peitsche genommen" und einem Kritiker damit "in die Fresse gehauen". "Das hat er gemacht, du dumme Sau!", versicherte Kinski.
Aus seiner Ehe mit Gislinde Kühlbeck stammt die Tochter Pola (re.), die 1952 in Berlin geboren wurde. Nach der Scheidung der Eltern 1955 wuchs sie zunächst bei ihrer Mutter, später bei ihrem Vater, der ihr die Schauspielerei in die Wiege legte, auf.
Anfang der 1970er Jahre studierte Pola Kinski Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Sie spielte in Filmen wie "Zwischengleis" (1978, Bild) und "Don Quichottes Kinder (1981) mit. 2004 war sie in der "Tatort"-Folge "Hundeleben" zu sehen.
In ihrer 2013 erschienenen Autobiografie "Kindermund" erhob sie - 22 Jahre nach dessen Tod - schwere Vorwürfe gegen ihren Vater Klaus Kinski. Zwischen Polas fünftem und 19. Lebensjahr soll er sie regelrecht terrorisiert haben, die Rede ist von sexuellem und psychischem Missbrauch.
Auch Nastassja Kinski erhebt gegen ihren Vater schwere Anschuldigungen. Sie stammt aus Klaus Kinskis zweiter Ehe mit Brigitte Ruth Tocki, die er 1960 zur Frau nahm. Während ihrer Kindheit reiste die Familie viel - Nastassja wuchs abwechselnd in Rom, München und Berlin auf.
Auch sie trat in die Fußstapfen ihres Vaters: 1974 entdeckte Lisa Kreuzer Nastassja Kinskis schauspielerisches Talent und vermittelte der damals 13-Jährigen ihre erste Filmrolle. Sie spielte die stumme Mignon in Wim Wenders' Film "Falsche Bewegung" (im Bild).
Drei Jahre später folgte ihr Durchbruch, als sie in der "Tatort"-Folge "Reifezeugnis" zu sehen war. Anschließend nahm sie Schauspielunterricht in New York, wo sie auch dem Regisseur Roman Polanski (re.) ins Auge fiel, der Fotos der 16-Jährigen für die "Vogue" schoss. Polanski wurde für Kinski zu einer Art Ersatzvater.
Schnell avancierte sie zu den begehrtesten Nachwuchsschauspielerinnen ihrer Zeit. Ihre erste große Filmrolle bescherte ihr Roman Polanski in seinem Film "Tess" (im Bild), für die Rolle erhielt sie den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin.
Sie zählte viele Jahre zu den meistfotografierten Frauen der Welt, zierte Magazincover wie das der "Vogue" oder "Elle", und sogar Andy Warhol widmete der Deutschen 1984 ein Portrait.
In den 1980er Jahren drehte sie weitere Hollywood-Filme, darunter Francis Ford Coppolas "Einer mit Herz" (1982), Paul Schraders Horrorthriller "Katzenmenschen" sowie Wim Wenders' Film "Paris Texas" (1984, Bild). Seit 2011 ist sie Mitglied der US-Filmakademie, die den Oscar verleiht.
Klaus Kinski wurde noch ein drittes Mal Vater. Mit dem aus Vietnam stammenden Model Minhoi Geneviève Loanic (li.) hat er einen Sohn: Nikolai Kinski (re.) kam 1976 in Paris zur Welt. Die Eltern ließen sich 1979 scheiden, und seine Mutter zog mit Nikolai nach Kalifornien, wohin Klaus Kinski ihnen später folgte.
Bereits als Elfjähriger stand Nikolai Kinski erstmals mit seinem Vater vor der Kamera, für dessen letzen Film "Kinski Paganini" (Bild). 1994 zog er nach Los Angeles, um Schauspiel zu studieren. Sechs Jahre später feierte er am Theater in New York sein Debüt - ausgerechnet in der Rolle des Nosferatu.
Anfang der 2000er Jahre reiste Nikolai Kinski zum ersten Mal in die deutsche Heimat seines Vaters und entschloss sich, nach Berlin überzusiedeln. Nachdem er zunächst kein Wort Deutsch gesprochen hatte, meistert er die Sprache inzwischen akzentfrei.
Zu seinen beiden älteren Halbschwestern hat er kaum Kontakt. Dennoch haben sie mehr als nur den Vater gemeinsam: Auch Nikolai spielte schon mehrmals im "Tatort" mit, 2005 in der Folge "Rache-Engel" und 2018 in "Mord Ex Machina".
Nastassja Kinski (re.) heiratete 1984 den Produzenten Ibrahim Moussa, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter hat. Tochter Sonja Kinski (li.) vertritt die dritte Generation der Kinskis auf der Leinwand und tritt auch in Sachen Modeln in die Fußstapfen ihrer Mutter. Bereits mit 14 Jahren war sie das erste Mal auf dem Titel der deutschen "Marie Claire" zu sehen.