Das Leben von Sir Christopher Lee: Von "Dracula" zum Weltstar

Zum fünften Mal jährt sich am 7. Juni der Tod von Schauspieler Sir Christopher Lee. Legendär waren seine Darstellungen des Schurken - insbesondere als "Dracula", Francisco Scaramanga in "Der Mann mit dem goldenen Colt", Saruman in den "Der Herr der Ringe"- und "Der Hobbit"-Trilogien und Count Dooku in den "Star Wars"-Filmen. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Christopher Frank Carandini Lee kam am 27. Mai 1922 in London als Sohn eines britischen Offiziers zur Welt. Seine Mutter entstammte dem gräflichen Adelsgeschlecht Carandini, zu dem angeblich auch Karl der Große gehörte. Lee hatte eine Schwester, Xandra, die bereits 2002 starb. Das Foto zeigt ihn circa 1961.
Im Zweiten Weltkrieg diente Christopher Lee in der Royal Air Force sowie der nachrichtendienstlichen Spezialeinheit SOE. Zuvor war er 1939 Zeuge der letzten öffentlichen Hinrichtung durch die Guillotine in Frankreich geworden. Nach einer Ausbildung zum Opernsänger begann Lee, Filme zu drehen. Foto: Lee 1968 in "Die Braut des Teufels".
Bevor Lee 1958 mit seiner Darstellung des Vampirs in "Dracula" berühmt wurde, spielte er bereits in zahlreichen anderen Filmen mit - unter anderem "Moulin Rouge" (1953), "Panzerschiff Graf Spee" (1956) und "Frankensteins Fluch" (1957, Foto). Seine allererste Rolle spielte er 1947 in "Im Banne der Vergangenheit".
Seine Paraderolle des angsteinflößenden Blutsaugers spielte der Brite insgesamt achtmal. Außerdem war Christopher Lee in den 60er Jahren in einigen Edgar-Wallace-Verfilmungen zu sehen und spielte in den Sax-Rohmer-Verfilmungen Dr. Fu Man Chu. Ab Mitte der 70er löste er sich allerdings vom Horrorgenre, um nicht in eine Schublade gesteckt zu werden.
1974 ergatterte der 1,96 Meter große Mime erneut eine Rolle, der er Kultstatus verleihen sollte - die des Francisco Scaramanga, dem Gegner von Roger Moore im James-Bond-Film "Der Mann mit dem goldenen Colt". Bond-Autor Ian Fleming hatte den Produzenten zuvor sogar eine Besetzung des Briten als "Dr. No" oder als Geheimagent 007 höchstpersönlich vorgeschlagen.
Neben seinem Talent als Schauspieler war Lee ein Sprachenkünstler. Autodidaktisch brachte er sich auch Deutsch bei, weshalb er 1991 die Sat.1-Sendung "Wahre Wunder" (Foto) moderieren konnte. Außerdem beherrschte der Engländer neben seiner Muttersprache Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Portugiesisch, Swahili und drei Urdu-Dialekte.
Nebenbei trat das Multitalent immer wieder musikalisch in Erscheinung. Das Album "Christopher Lee sings Devils, Rogues & other Villains" (1996) mit Songs von Künstlern wie Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Wagner - dessen Fan Lee war - war allerdings nicht sehr erfolgreich. Häufiger arbeitete Lee zudem als Erzähler - auch von Gedichten.
Im neuen Jahrtausend gelang Christopher Lee mit seiner Besetzung als Zauberer Saruman in den "Der Herr der Ringe"-Filmen erneut ein Coup. Als einziger der Schauspieler hatte der Fan der Romane Autor J. R. R. Tolkien zuvor persönlich kennengelernt - in einem Pub in Oxford. Foto: Lee als Saruman in "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" (2002).
Etwa zur gleichen Zeit glänzte der Star, der damals bereits als lebende Legende galt, in einer weiteren Kultreihe. Als böser Count Dooku kämpfte er in "Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger" (2002) und der Fortsetzung "Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith" (2005) mit dem Lichtschwert gegen Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi.
Die wohl größte Ehre erhielt der Schauspieler 2009, als Königin Elisabeth II. ihm den Rang eines Knight Bachelor zusprach. Fortan durfte er sich "Sir Christopher Lee" nennen. Foto: Lee im selben Jahr gemeinsam mit Roger Waters und Michail Gorbatschow bei einer Pressekonferenz der Initiative "Cinema for Peace" in Berlin (v.l.n.r.).
Eine seiner letzten Rollen spielte Sir Christopher Lee 2011 neben Jungstar Asa Butterfield in "Hugo Cabret". Der 3D-Streifen von Regisseur Martin Scorsese gewann im folgenden Jahr insgesamt fünf Academy Awards. Lee selbst erhielt in seinem Leben keine einzige Oscar-Nominierung - eine Tatsache, die fast unmöglich erscheint, denn ...
... mit mehr als 280 Filmen, die Sir Christopher Lee seit 1946 drehte, steht der Brite im Guinness-Buch der Rekorde - als Schauspieler mit den meisten Credits. Rekordverdächtig war auch seine Ehe: Mit dem ehemaligen dänischen Model Birgit Kroencke war er seit 1961 verheiratet, der Ehe entstammt Tochter Christina. Das Foto zeigt das Paar beim SemperOpernball 2011 in Dresden.
Zwischen 2012 und 2014 spielte Christopher Lee erneut die Rolle des widerwärtigen Saruman in den drei "Der Hobbit"-Verfilmungen, der Vorgeschichte zu "Der Herr der Ringe". Im dritten Teil "Die Schlacht der fünf Heere" war er zum letzten Mal auf der großen Leinwand zu sehen. Foto: "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" (2001).
Am 7. Juni 2015 starb die Filmlegende im Alter von 93 Jahren im Chelsea and Westminster Hospital in seiner Heimatstadt London. Die Todesursache: Herz- und Lungenversagen. Seine Asche verstreute die Familie auf den Surrey Hills in England. Das Vermächtnis des Filmstars bleibt jedoch unsterblich.