Meister der Haute Couture und Enfant terrible: Das Leben von Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier gehört zu den bekanntesten Designern des 21. Jahrhunderts. In Paris präsentiert er nun seine letzte Haute-Couture-Kollektion. Ein guter Anlass, um auf seine Karriere zurückzublicken. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Eine Ausbildung als Modedesigner oder Ähnliches hat Jean Paul Gaultier nie gemacht. Stattdessen ergriff er einfach die Initiative und schickte Ende der 1960er-Jahre seine Skizzen an bekannte Modeschöpfer.
Pierre Cardin war beeindruckt und stellte Gaultier 1970 prompt als Assistent ein. Ein Jahr später arbeitete er im Haute-Couture-Haus von Jean Patou als Assistent des Chef-Designers Michel Goma und ab 1973 für dessen Nachfolger Angelo Tarlazzi.
Seine erste eigene Kollektion präsentierte Gaultier 1976. Zwei Jahre später gründete er seine erste Firma, die Jean Paul Gaultier SA. Unter dem Namen Gaultier Paris kreiert er seit 1997 Haute Couture.
Es dauerte nicht lange, bis sich Jean Paul Gaultier (hier mit Dita Von Teese) einen Ruf als Enfant terrible erarbeitet hatte. Seine Kreationen waren (und sind) ausgefallen, provokant und oft kaum tragbar, was seinem Erfolg jedoch keinen Abbruch tut.
Auch die Wahl seiner Models war stets unkonventionell: ältere, gepiercte, tätowierte oder vermeintlich übergewichtige Frauen präsentieren seine gewagten und zum Teil futuristischen Kollektionen. Die Musikerin Beth Ditto wurde zu einer Muse für Gaultier.
Aber auch Supermodels wie Naomi Campbell lagen dem Designer stets zu Füßen.
Gaultier designte 1990 die gewagten Outfits für Madonnas "Blonde Ambition Tour", darunter den ikonischen Spitzen-BH. Im selben Jahr musste er aber auch einen privaten Tiefschlag verkraften: Sein langjähriger Lebensgefährte und Geschäftspartner Francis Menuge starb an Aids.
Auch für Filme wie "Das fünfte Element" und "Stadt der verlorenen Kinder" wurde sein modisches Können in Anspruch genommen, um die Kostüme zu designen. 2012 wurde er (mit Diane Kruger und Ewan McGregor) sogar in die Jury bei den Filmfestspielen in Cannes berufen.
Gaultier kann nicht nur Mode, sondern auch Parfüm. 1993 lancierte er seinen ersten Damenduft namens "Jean Paul Gaultier", das mittlerweile "Classique" heißt. 1995 folgte der Herrenduft "Le Male". Das Flakon ist seinem Markenzeichen, dem weißen Langarm-T-Shirt mit schmalen blauen Querstreifen im Marine-Stil, nachempfunden.
Von 2004 bis 2011 war Gaultier als Designer der Damen-Modelinie bei Hermès, für die er schon mal Pferde auf den Laufsteg holte.
"In der Mode geht es um Sehnsüchte", sagte Gaultier einst in einem Interview. Und die scheinen bei ihm trotz der Verkündung seiner letzten Haute-Couture-Show noch lange nicht gestillt zu sein. Auf Twitter kündigte er bereits ein neues Projekt an. Still wird es um Jean Paul Gaultier also sicher nicht werden …