Melanie Müller hat einen Song zur kommenden Fußball-WM veröffentlicht. Einen wirklich, wirklich schlimmen. Und genau damit hat sie eigentlich alles richtig gemacht.

"Frechheit!", "Furchtbar!", "Ich muss k… mich übergeben!" – wer sich in den letzten Tagen in den diversen sozialen Netzwerken rumtrieb, dem entging nicht eine kollektive Entrüstung und Empörung. Verlinkt mit diesen Schmähworten war das Video einer drallen Blondine im viel zu engen Fußballtrikot mit Mikro in der Hand. Wer seinen Mut zusammennahm und tatsächlich auf das Video klickte – und weit über eine Million Internetnutzer haben das bisher getan – wurde Zeuge eines absolut bizarren Schauspiels.

Melanie Müller singt für die DFB-Elf. Ob das wirklich zum Hit reicht?

Melanie Müller, ihres Zeichens Ex-Pornosternchen, Ex-Bachelor-Teilnehmerin und Ex-Dschungel-Camperin, hat ein Lied aufgenommen. Und weil die junge Dame nicht halb so blöd ist, wie viele meinen, sondern sehr geschäftstüchtig, hat sie sich für ein Fußballlied entschieden. Im WM-Jahr 2014 kein gewagter Schritt, und man muss kein Hellseher sein um zu wissen, dass diesem Lied noch viele, viele folgen werden. Doch das besondere an Müllers Song? Er ist schlecht. Furchtbar schlecht. Grottenschlecht.

Müller kann nicht singen, und die Mädchen im Hintergrund versuchen nicht einmal so zu tun, als würden sie ihre Instrumente spielen und nicht nur damit rumfuchteln. Aber wo steht geschrieben, dass eine Fußball-Hymne nach den gleichen Regeln funktionieren muss wie "normales" Liedgut? Sinnvoller Text, ansprechende Melodien, tolle Sänger und Musiker? Es geht auch ohne. Ein Facebook-User fasst es in seinem Kommentar ganz wunderbar zusammen: "Nüchtern untragbar, vor dem Ansehen 10 Bier trinken. Dann gehts etwas besser." Mediale Aufmerksamkeit gibt es für Müller gratis dazu. Jeder Verriss sorgt ein bisschen mehr für die Verbreitung des Videos.

Es gibt diesen einen perfekten Fußballsong, auf den sich Fußballfans und Musikliebhaber einigen können: "Three Lions (Football's coming home)". Der Rest? Aufgesetzte Gute-Laune-Hits, erdacht in den Marketingabteilungen der Sponsoren; krampfhaft mit Fußballer-Vokabular angefüllte Popsong; Lieder, die gar nichts mit Fußball zu tun haben, sich aber auch nach acht Dosenbier und ohne Fremdsprachenkenntnisse mitgrölen lassen. Schlimm? Nein. Alles hat seine Daseinsberechtigung. So auch Melanie Müllers Werk. Es ist nicht überflüssiger als 90 Prozent aller Fußballsongs. Und immerhin: Auf im Hintergrund sinnlos Instrumente haltende Mädchen setzte schon Robert Palmer. Und Robert Palmer hat immer recht!

Sekretärinnen, deren Plattensammlung "Fetenhits 1-45" umfasst, die Mario Barth lustig finden und wenig Interesse an Fußball, dafür umso mehr am Knutschen wildfremder Männer haben; Beamte der mittleren Laufbahn, die es einmal jährlich auf Malle "so richtig krachen" lassen, Mario Barth lustig finden und nach dem dritten Bier sowieso jeden Mist mitsingen - die große Mehrheit der Public Viewer wird Müllers Version von "Auf geht's" mitgröhlen, wenn es im Sommer wieder und wieder und wieder über die Videoleinwände läuft. Wetten? (dh)