"Rambo"-Reihe: Sylvester Stallone im Wandel der Zeit

1982 hat Sylvester Stallone alias John J. Rambo das "First Blood" vergossen. Beinahe 40 Jahre später soll mit Teil fünf nun das letzte Mal, dafür aber umso reichlicher, Blut fließen. Doch im Laufe der Zeit hat sich die kriegsversehrte Ein-Mann-Armee stark verändert – körperlich wie inhaltlich. © spot on news

Wenig deutet auf die unaufhaltsame Naturgewalt hin, die später auch ihren Weg ins Vokabular der Popkultur finden soll. Rambo, das ist zu Beginn des ersten Films kein oberkörperfreier Posterboy des US-Militärs, sondern ein gebrochener Veteran, für den in der eigenen Heimat kein Platz mehr ist.
Vom sadistischen Schmalspurcop einer Kleinstadt (Brian Dennehy, Bild) wird er zunächst als Landstreicher beschimpft, später schikaniert und gefoltert und so unweigerlich an das Grauen erinnert, das einst in Vietnam über ihn hereinbrach.
"Rambo: First Blood" ist ebenso Charakterstudie wie Sozialkritik bezüglich des Umgangs mit US-Veteranen. Die, das kann man inzwischen kaum glauben, mit einem einzigen Leinwand-Tod auskommt, der noch dazu ein Unfall ist. Das sieht bei der Fortsetzung von 1985 ganz anders aus…
"Rambo II – Der Auftrag" schickt den Titelhelden zurück in den Dschungel Vietnams, nachdem er zuvor fünf Jahre lang in einem Steinbruch schuften musste. Um seine Haftstrafe zu verkürzen, lässt er sich auf das Himmelfahrtskommando seines ehemaligen Vorgesetzten Colonel Samuel Trautman (Richard Crenna, Bild) ein.
Die Fortsetzung lässt die Qualitäten des Originals jedoch weitestgehend vermissen. Das Augenmerk wird zunehmend auf testosteronschwangere Action gelegt, statt Sozialkritik wächst vor allem der Bodycount – 75 On-Screen-Tode können "bestaunt" werden.
Zwar gibt der kommerzielle Erfolg auch Teil zwei recht, Kritiker sprechen aber zumeist von einer sinnbefreiten Gewaltorgie. Die Folge: vier "Auszeichnungen" mit dem Negativpreis der Goldenen Himbeere, darunter für das schlechteste Drehbuch, schlechtesten Film und schlechtesten Schauspieler (Stallone).
Dieser Überbietungszwang bezüglich der Gewalt nimmt auch im dritten Teil weiter seinen Lauf, der 1988 in die deutschen Kinos kommt. Statt des Vietcongs plagt sich Rambo darin quasi standesgemäß für die Zeit des Erscheinungstermins mit Schergen der Sowjetunion herum.
Die haben in Afghanistan Colonel Trautmans Einheit aufgerieben und ihn in Gefangenschaft genommen, wo per grausamer Folter Informationen aus ihm herausgepresst werden sollen. Natürlich sieht es der kriegsmüde Rambo als seine Pflicht an, seinen Vertrauten aus den Fängen der Schurken zu befreien.
Und das tut er erneut auf brutalere Weise. 115 Leinwand-Tode gibt es in "Rambo III" zu sehen, bei Luftangriffen durch die diabolischen Antagonisten müssen auch Frauen und Kinder dran glauben. Doch kein Vergleich zum vierten Teil, der viele Jahre auf sich warten lassen sollte.
Erst 2008 kehrt Rambo zurück auf die Leinwand, also 20 Jahre nach seinem bis dahin letzten Kino-Einsatz. Als wolle Stallone beweisen, dass er auch mit über 60 noch die Ein-Mann-Armee von einst sein kann, ballert er sich darin in FSK-18-Manier durch unzählige Gegnerhorden.
Über 250 Tode gibt es zu sehen, einer brutaler als der andere. Rambo reißt mit bloßen Händen Kehlen burmesischer Soldaten heraus und auch sonst ist er auf seine alten Tage sehr kreativ geworden, wenn es um das Töten geht.
Das macht er aber natürlich nicht aus Spaß an der Freude - Rambo versucht eine Gruppe Missionare, angeführt von Sarah Miller (Julie Benz) aus den Fängen der sadistischen Soldaten zu befreien. Das gerät bei den extrem expliziten Gewaltdarstellungen aber glatt in Vergessenheit.
Nun, ab dem 19. September, also der fünfte und dem Vernehmen nach letzte Streich von Rambo. Wie Stallone ist Rambo inzwischen über 70 Jahre alt und will seinen Ruhestand endlich in Frieden verleben dürfen.
Doch das ist dem Veteran einfach nicht vergönnt. Mexikanische Menschenhändler verschleppen die einzige Person, die er als seine Familie ansieht. Und so muss John J. Rambo ein letztes Mal beweisen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist.
Und erneut macht er das offenbar so blutig wie nie zuvor. Das jedenfalls hat Stallone selbst via Social Media verkündet, als er sich über das R-Rating von "Rambo: Last Blood" freute.