Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Dies bestätigten sein Büro in Hamburg und sein Frankfurter Verlag S. Fischer am Montag.

Willemsen starb demnach am Vortag im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg.

Erst im August 2015 wurde bekannt, dass er erkrankt ist. Die Diagnose habe er kurz nach seinem 60. Geburtstag am 15. August 2015 erhalten, hieß es von seinem Büro.

Weggefährten nehmen Abschied

Roger Willemsens Tod berührt auch Kollegen und Weggefährten aus dem Journalismus. Die Moderatorin Sarah Kuttner etwa verabschiedet sich mit dem Herbert-Grönemeyer-Lied "Ich hab dich lieb":

Der Blogger, Journalist und Autor Sascha Lobo veröffentlichte bei Facebook einen ganz persönlichen Nachruf:

Auch Micky Beisenherz, den meisten bekannt als Autor der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", versucht Willemsens Tod zumindest einen schwachen Trost abzugewinnen:

Würdigende Worte aus der Politik

"Deutschland verliert einen brillanten Intellektuellen, einen Weltbürger im besten Sinne und eine bedeutende Stimme unseres Kulturlebens – intelligent, pointiert, streitbar", erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel zum Tod von Roger Willemsen Twitter.

Grünen-Chefin Simone Peter äußerte sich ebenfalls schockiert. "Wir trauern um einen wunderbaren Menschen, um einen wichtigen Intellektuellen, Autor und Moderator", twitterte sie.

Der Linken-Politiker Gregor Gysi würdigte Willemsen als einen der herausragenden Journalisten und Publizisten Deutschlands. "Bestechend waren seine Intelligenz und Klugheit, seine Bildung, seine Beobachtungsgabe, seine Genauigkeit und seine Reaktionsschnelligkeit", erklärte der Bundestagsabgeordnete.

Als "zentralen Intellektuellen Deutschland" und "brillanten Autor" würdigte ihn der Verlag S. Fischer. Willemsen sei auch ein "außerordentlicher Kämpfer für die Menschen" gewesen, erklärte der verlegerische Geschäftsführer Jörg Bong. Sein Werk sei Teil der Identität von S. Fischer.

"Das Hohe Haus": ein Jahr im Bundestag

Roger Willemsen, der vor allem mit essayistischen Reisebüchern ("Die Enden der Welt") bekannt wurde, landete zuletzt mit seinem Buch "Das Hohe Haus" (2014) einen Bestseller. Er hatte ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne als Zuhörer verfolgt.

Im Fernsehen machte er sich vor allem in den 90er-Jahren mit der ZDF-Talksendung "Willemsens Woche" einen Namen. Im Schweizer Fernsehen moderierte er den "Literaturclub".

Willemsen führte mehr als 600 Interviews. Von Audrey Hepburn bis zu Palästinenserführer Jassir Arafat waren viele Prominente dabei - darunter auch ein Bankräuber.

Sein Anspruch, "genau zu sein", und seine besonders einfühlsame Gesprächsführung machten Willemsen und sein Magazin preiswürdig. 1992 wurde er unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Im Jahr darauf erhielt Willemsen den Adolf-Grimme-Preis in Gold.© dpa

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Roger Willemsen ist tot: sein Leben in Bildern

Moderator und Autor Roger Willemsen ist tot. Er schenkte seinen Zuschauern und Lesern viele einzigartige Momente - die wichtigsten Momente seiner Karriere.