Um’s gleich mal vorweg zu sagen: Er fehlt! Stefan Raab, der – wie BILD nachrechnete – 175 Tage in der Versenkung verschwunden war, ist wieder aufgetaucht. ’Back with a bang’, könnte man sagen. Der 49-Jährige trommelte im Dienst seines Freundes Udo Lindenberg (70) bei dessen Heimspiel im mit 50.000 Fans ausverkauften Hamburger Volksparkstadion am vergangenen Samstag. ”Um 22.22 Uhr nuschelt Udo ins Mikro: „Ja, wer sitzt denn da am Schlagzeug?“ Es ist Stefan Raab! Zusammen spielen sie den Song "Johnny Controlletti". Danach "Sonderzug nach Pankow", Raab schmeißt seine Drumsticks zum Schluss ins Publikum. Umarmung mit Udo und ab. Überraschung total!” (BILD)
Doch so überraschend ist der Auftritt des emeritierten TV-Entertainers gar nicht. Raab, schon seit den Siebzigern ein Bewunderer von Udo L. ("Ich habe alles, was Lindenberg in der Zeit gemacht hat, rauf und runter gehört"), ist schon mehrfach hinter der Schießbude gesessen, um seinem Idol die Ehre zu erweisen. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Videodreh für die Prinzen, die Allrounder Raab seinerzeit produziert hat.
Kaum zeigt sich Stefan, beginnen natürlich auch wieder die Spekulationen um sein TV-Comeback. Im Netz ("Raab war der beste Entertainer Deutschlands, ohne ihn ist die Fernsehlandschaft eine Wüste".) aber auch in den offiziellen Printmedien gab man der Hoffnung Ausdruck, dass er doch bitte auf den Bildschirm zurückkehren möge. Im Juni 2015 hatte Raab – Moderator, Produzent, Musiker, Formatentwickler u.v.a.m. – seinen Rückzug verkündet, im Dezember dann die letzte Show. Das Imperium Raab verlor seine Hauptfigur. Das Ende einer meist unterhaltsamen, oft lustigen und oft lustvollen TV-Ära war gekommen. Man sprach von Schock!
Dass Raabs Kurzauftritt von Facebook bis Focus ein solches Medienecho hervorruft, belegt, dass er nicht nur seinem Sender ProSieben, sondern auch der Fernsehnation fehlt. Er hat nie zu der ’Generation Schwiegermutter-Traum’ gehört, den Kai Pflaumes und Jörg Pilawas dieser Welt, aber ihm verdankt man das neue Interesse an der Eurovision, die WOK-WM und andere launische Formate wie ”Schlag den Star” oder großartige Hits wie "Maschendrahtzaun" und "Wadde Hadde Dudde Da?".
Dass Raabs Rückzug ins Private wirklich nur ein halbes Jahr währen soll, würde mich wundern. Er ist ein solcher Taktikfuchs, dass er sein Comeback (auf das so viele hoffen) bestimmt von sehr langer Hand plant. "Die Kunst der gepflegten Verarschung" war Raabs Ding und Kurzauftritte wie bei Lindenberg sind bestimmt nur Nebelbomben, Störmanöver, Tests, die ihm seinen Marktwert bestätigen. Nicht mehr und nicht weniger...
Aber da die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt: Vielleicht kommt er ja wirklich zurück und macht wieder ernst mit dem alten Prosieben-Slogan: "We love to entertain you!" Er fehlt!

Beste Grüße, Euch allen einen glücklichen Wochenauftakt und Ahoi!

Christian Schommers