Klein sind bei "Ant-Man" nicht nur der Titelheld, sondern leider auch die Ideen und die Story. Der neueste Film aus der Marvel-Fabrik macht nichts falsch, vieles richtig - und ist doch nicht der große Wurf geworden.

Paul Rudd spielt den kleinsten Superhelden des Marvel-Universums.

Das Wichtigste zuerst: Wenn Sie sich "Ant-Man" im Kino anschauen, bleiben Sie am Schluss um Gottes Willen sitzen! Bis zum Ende des Abspanns. Und dann noch ein bisschen länger. Auch wenn Ihre Blase ob des Fünf-Liter-Cola-Eimers drückt. Sie werden nicht nur belohnt mit der Vorstellung von Evangeline Lilly im hautengen Superheldinnen-Kostüm - und dieses Bild wird Sie für eine lange Zeit in den Schlaf begleiten - sondern auch mit einem Ausblick auf den kommenden "Captain America: Civil War" - und das ist ein hausgemachtes Problem.

So wirklich schafft es "Ant-Man" nämlich nicht, statt nur Werbeclip für das Imperium der Avengers auch ein echter Film zu sein. Dabei gehört der ameisenkleine Superheld eigentlich zur Urformation der Rächer, und man kann dem Produzenten Kevin Feige auch wirklich keine Lieblosigkeit gegenüber dem Winzling vorwerfen. Dennoch hat man von Anfang an das Gefühl, dass hier nicht eine eigene Figur entwickelt, sondern nur die Zeit bis zum nächsten "Avengers"-Film überbrückt und der Samen für eine neue Figur gelegt wird, die sicher vor allem an der Merchandising-Front für zufriedene Gesichter sorgen wird: Evangeline Lilly als "Wasp" - mit genauso einer Taille und diesen wunderbaren Grübchen.

Nimmt man Marvels auf unbedingte Familientauglichkeit getrimmten Comic-Verfilmungen als Maßstab, wirkt auch die Besetzung der Titelrolle mit dem eher aus Komödien bekannten und irgendwie schmalschultrigen Paul Rudd nur konsequent. Und auch die Insekten sehen nicht so gruselig aus, wie man es aus Natur-Dokus kennt, wenn sie dort vielfach vergrößert mit all den Härchen und Beißwerkzeugen auf die Jagd gehen. Die Tierchen hier sind so glatt, dass sie einem Zwölfjährigen vielleicht ein "wow!" entlocken, aber auf keinen Fall Albträume verursachen.

Dunkle neue Comic-Welt: Batman, Superman und "Suicide Squad".

Aber natürlich kann man Kevin Feige und Co. daraus keinen Vorwurf machen. Wer erfolgreich ist, macht alles richtig - und im Hause Marvel hat man den Erfolg gepachtet. Da ist es eigentlich sogar ein cleverer Schachzug, den eher unbekannten "Ant-Man" nicht zu groß aufzubauen, um den kurz vor der Übersättigung stehenden Markt der Comic-Verfilmungen nicht überlaufen zu lassen - das Interesse der Zuschauer aber trotzdem hoch zu halten. Wer es nicht quietschbunt und eher dreckig mag, wartet eh auf den Schachzug aus dem DC-Kosmos. Und mit dem "Suicide Squad" und "Batman vs. Superman" steht uns großes ins Haus.

Die Story von "Ant-Man" ist übrigens schnell erzählt: Ein Klein-Ganove mit großem Herzen wird von einem Wissenschaftler (total blass: Michael Douglas), der sein Lebenswerk durch seinem gewissenlosen Nachfolger (wunderbar schmierig: Corey Stoll) bedroht sieht, angeheuert, um eine bahnbrechende Erfindung und die ganze Welt zu retten. Dabei wird er unterstützt von seinen Klein-Ganoven-Kumpels (mit großen Herzen), gewinnt das Herz seiner Angebeteten nach neckischem Faustkampf und muss sich einem Gegner stellen, der dann plötzlich auch über Superkräfte verfügt. Alles total neu und noch nie so gesehen. Leider nicht.

Aber Klischees hin oder her: gegen Ende nimmt der Film doch noch Fahrt auf, die Winzigkeit der Hauptfiguren taugt für ein paar witzige Kampfszenen und einen psychedelischen Trip auf die subatomare Ebene gibt's auch noch. Paul Rudd ist supersympathisch, Evangeline Lillys Frisur sieht klasse aus und bei den anhaltenden sommerlichen Temperaturen ist ein klimatisierter Kinosaal ja nicht die schlechteste Alternative zum überfüllten Freibad. Aber wie gesagt: sitzen bleiben!

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