"Bares für Rares": Dieses Sitzmöbel war eine echte Kuriosität

Der Verkäufer hatte den Stuhl auf einem Dachboden "aufgegabelt" und wusste nichts über das Fundstück. Und auch Horst Lichter tappte im Dunkeln, wozu und wie das Sitzmöbel einst benutzt wurde.

Der Verkäufer Rudolf Hartmann aus Oberstadtfeld berichtete: "Ich habe den bei einem Freund aufgegabelt, auf dem Dachstuhl." Funktion und Herkunft: unbekannt.
Dann schritt Sven Deutschmanek zur Tat und führte verschiedene Features der Lehne vor. Horst Lichter wurde immer verwirrter. Dann schien er die Lösung zu haben: "Was ist das denn? Ist das ein Musikstuhl?"
Falsch. Deutschmanek setzte sich: "So ja ganz schön unangenehm ... man sitzt hier drauf rittlings!" Er demonstrierte die unterschiedlichen Sitzweisen. Den Sinn des Stuhls verriet er jedoch noch immer nicht.
Dann stellte sich der Experte wieder hinter die Lehne: "Man konnte dann davor stehen mit seiner Pfeife oder Zigarre ..." Das verwirrte Horst Lichter immer mehr: "Wie kommst du jetzt auf Pfeife und Zigarre?"
Sven Deutschmanek löste endlich auf: Das war ein Raucherstuhl! Denn in der Lehne befanden sich ein Zigarrenschneider und ein Tabakfach.
Außerdem gaben die Schnitzereien im Eichenholz eindeutige Hinweise: Tonpfeifen, Tabakbeutel und Tabakpflanzen. "Damals im Raucherzimmer für den Herren war das sehr, sehr populär", erklärte Deutschmanek. Mit damals meinte er um 1900. Sein Schätzpreis lag bei 250 bis 300 Euro.
Fabian Kahl (links) und Ludwig Hofmaier (zweiter von links) inspizierten den Stuhl ganz genau, wussten aber ebenso wenig wie Horst Lichter, was das sein sollte. "Wir lassen uns das mal erklären", hofften sie auf Erleuchtung durch den Verkäufer. "Einen völlig verrückten Stuhl haben Sie uns da mitgebracht."
Die Erklärung weckte das Interesse von Pfeifenraucher Fabian Kahl. Der Stuhl war wie für ihn gemacht: "Schönes Teil. Und echt raffiniert!" Das war ihm direkt 300 Euro wert.
Die Händler fanden auch an den anderen Raritäten Gefallen. Zwei Steinzeugkrüge mit Zinnmontur aus den Jahren 1900 bis 1914 gingen für 320 Euro weg.
Ein Platinring mit funkelnden Diamanten aus den 1920er oder 30er Jahren brachte die gewünschten 3.000 Euro ein.
Für ein Ölgemälde mit Landschaft von Fritz Halberg-Krauss aus den 1930er oder 40er Jahren gab es 750 Euro.
Und eine innen vergoldete Silberschale mit Glaseinsatz aus dem Jahr 1908 wechselte für 350 Euro den Besitzer.