"Bares für Rares": Denkwürdige Pointe nach epischer Bieterschlacht

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Wegen seines "alten Stils" fand das Erbstück in der Familie des Diplom-Mathematikers Markus Stuckert keine Abnehmer. Der 38-Jährige brachte das Gemälde zu "Bares für Rares". Siehe da: Es handelte sich um das Original eines bedeutenden Maler der Niederländer aus dem 19. Jahrhundert!

Auf komplizierten Wegen war ein altes Gemälde in der Familie von Markus Stuckert vererbt worden, nun rechnete sich der Diplom-Mathematiker etwas Zählbares bei "Bares für Rares" aus. Der Besuch in Pulheim sollte sich für ihn tatsächlich lohnen. Und er endete mit einer denkwürdigen Pointe im Händlerraum.
Während Horst Lichter noch den Ahnungslosen mimte und die Ausdrucksweise des Verkäufers lobte, widmete sich Experte Albert Maier mit wachsender Begeisterung dem guten Stück.
Wie sich herausstellen sollte, hatte Markus Stuckert dem Experten da etwas "ganz Spannendes" vorgelegt.
Albert Maier erklärte zunächst, warum sich das Bild hinter Glas befand: Es war ein Kreide-Pastell-Bild und würde ohne diesen Schutz schnell zerstört. Die viel großartigere Neuigkeit aber war: Der Experte hatte eine Signatur erkannt.
Und zwar die von Jozef Israëls (1824-1911). Dieser führende Vertreter der Haager Schuler sei einer der wichtigsten niederländischen Maler des 19. Jahrhunderts, so Albert Maier - und kurzum "ein ganz großer Künstler"!
Experte Maier hatte aber noch eine Besonderheit an speziell diesem Bild von Jozef Israëls bemerkt: Im Gegensatz zu dessen sonst eher düsteren Werken sei dieses hier leicht und freundlich, was sich sicherlich auch im Wert niederschlage.
Einziger Schönheitsfehler war der schon etwas angeschlagene, nachträglich angebrachte Rahmen. Die Empfehlung des Experten dazu: "wegdenken". Dafür erachtete Albert Maier das Format des Bildes als "perfekt". Datiert wurde das Bild von ihm auf die Zeit zwischen 1880 und 1900, wegen des dargestellten Buffets aus der Gründerzeit.
Nachdem der Verkäufer schon mit den Reisekosten zufrieden gewesen wäre, machte Experte Albert Maier ihn mit seiner Schätzung dann doch etwas nervös: 1.000 bis 1.500 Euro sollten in der Händlerrunde für das Gemälde herausspringen.
"Jozef Israëls", erkannte Kunstkenner Daniel Meyer (r.) auch gleich die Signatur und wusste von einem Ölgemälde des Künstlers zu berichten, das für 90.000 Euro versteigert worden war.
Verkäufer Markus Stuckert freute sich entsprechend auf ein Händlerduell, das auch gleich seinen Lauf nahm.
Julian Schmitz-Avila (l.) und Daniel Meyer überboten sich immer wieder gegenseitig, wobei Schmitz-Avila sich schließlich auf Zehn-Euro-Schritte verlegte. Eher unüblich bei Auktionen und entsprechend von seinem Mitbieter belächelt. Trotzdem bekam er den Zuschlag für 1.710 Euro.
Der schlagfertige Verkäufer bezeichnete die entscheidenden zehn Euro als "magischen Zehner" - und hatte gleich noch eine Idee.
Ebenfalls am Montag bei "Bares für Rares": Ein Kinderauto mit Elektromotor der Firma Giordani aus den 80er-Jahren wurde für 300 Euro verkauft.
Ausgefallenstes Stück der Folge: Eine Damen-Uhrenkette, 1890 bis 1900 gefertigt, ohne Uhrwerk, dafür mit Diamant, aus 585er-Gold ging für 1.600 Euro über den Tisch.